Lawrenti Ardasiani: Solomon Isakitsch Medschghanuaschwili

Lawrenti Ardasiani, Solomon Isakitsch Medschghanuaschwili. Roman. Nachwort von Bela Tsipuria. Aus dem Georgischen übersetzt von Maja Lisowski. Initiator Projekt Georgien: Dato Barbakadse, Kaukasische Bibliothek Band 30 (Georgien).
Reihe Epik Bd.127, 183 Seiten, ISBN 978-3-86356-340-0, € [D19,90

Für das Verständnis zeitgenössischer Literatur ist es erforderlich, auch die Klassiker der jeweiligen Literatur zu kennen. Deshalb haben wir uns vorgenommen, dem deutschsprachigen Publikum neben herausragenden Gegenwartsautorinnen und -autoren aus dem Kaukasus auch eine Auswahl von Werken klassischer Schriftstellerinnen und Schriftsteller aus dieser Region zu präsentieren. Die Veröffentlichung des Romans Solomon Isakitsch Medschghanuaschwili von Lawrenti Ardasiani und bedeutender Werke von Autorinnen und Autoren wie Egnate Ninoschwili, Ekaterine Gabaschwili, Tschola Lomtatidse, Niko Lomouri und Micheil Dschawachischwili legen den Grundstein für unser Bemühen, nicht allein der georgischen, sondern der gesamten kaukasischen Literatur, die wir für bahnbrechend halten, eine Wohnstatt im deutschen Sprachraum zu bieten. Wir hoffen, mit diesen literarischen Wurzeln großer kaukasischer Literaturen insbesondere dem Verständnis unserer kaukasischen Gegenwartsautorinnen und -autoren den Weg zu bereiten.
Uli Rothfuss und Traian Pop
(Herausgeber der Kaukasischen Bibliothek)

Lawrenti Ardasianis Tiflis vermittelt ein anschauliches Bild des urbanen Raums, wie er in der Literatur des 19. Jahrhunderts dargestellt wird. Der Tataren-Majdan als Handelsplatz vereint sämtliche – geradezu modellhaften – Charakteristika des städtischen Raums von Tiflis: Buntheit und Viel- falt, Käufer und Verkäufer, Bauern und Stadtbewohner, Fremde und Einheimische, Arme und Reiche, Gewinn und Verlust sowie – nicht zuletzt – das Glücksspiel (…)
Bela Tsipuria

Mit den Augen von Morgen. Armenische Lyrik der Gegenwart

Mit den Augen von Morgen. Armenische Lyrik der Gegenwart. Eine Anthologie von Bettina Wöhrmann. Umschlagzeichnungen: Elżbieta Suchcicka  Kaukasische Bibliothek Band 32 (Armenien). Reihe Lyrik Bd.166, ISBN: 978-3-86356-342-4; 411 Seiten, €[D] 25,50

| Vardan Hakobyan | Arevshat Avagyan |
| Razmik Davoyan | Henrik Edoyan |
| Hovhannes Grigoryan | Davit Hovhannes |
| Edvard Militonyan | Hrachya Sarukhan |
| Sevak Aramazd | Gohar Galstyan |
| Edvard Harents | Andranik Karapetyan |
| Khachik Manukyan | Hakob Movses |
| Ruzanna Voskanyan |

Wjatscheslaw Kuprijanow: Für den unbekannten Feigling / неизвестному трусу.

 Wjatscheslaw Kuprijanow: Für den unbekannten Feigling / неизвестному трусу. Gedichte und Prosa-Gedichte. (Russ. / Dt.). Aus dem Russischen von Peter Steger. Lyrikreihe Bd. 102; ISBN 978-3-86356-266-3; 206 Seiten, €[D]19,50

Wjatscheslaw Kuprijanow ist nicht nur ein bedeutender Vermittler zwischen Russland und Deutschland, sondern ein origineller Dichter und hintersinniger Satiriker, der die große Linie von Gogol über Ilf / Petrov bis in die Gegenwart zieht. Man muss ihn lesen!
Michael Krüger

Es ist der Ton, der die Musik macht. Das ist wichtiger als Krtitiker glauben! Unverkennbar witzig, hintergründig, boshaft und trotzdem nicht gemein. Manchmal sogar menschenfreundlich. Das fängt schon mit dem Titel an. Er ist unbescheiden und trifft jeden.
Hans Magnus Enzensberger

Kuprijanow scheint mir einer der Dichter zu sein, deren Bewusstsein schon von der Geozentrik zur Kosmosweite übergegangen ist. Das gibt seinen Gedichten die große Perspektive …
Helmut Gollwitzer

Wjatscheslaw Kuprijanow, geboren 1939 in Novosibirsk, lebt seit dem Studium der Mathematik und Sprachwissenschaft als Lyriker und Übersetzer in Moskau. Er ist Mitglied des Russischen und des Serbischen Schriftstellerverbands sowie des Internationalen und Russischen PEN-Clubs. Zahlreiche Veröffentlichungen.

Lieferbare Bücher von Wjatscheslaw Kuprijanow:

– Der Bär tanzt . 57 Seiten. Reihe Lyrik Bd.38
ISBN 978-3-937139-96-8; €[D]10,00.

Ihre Thierische Majestät, Roman, Aus dem Russischen übersetzt von Peter Steger. Reihe Epik Bd.28. ISBN 978-3-86356-008-9; €[D]16,00

– Verboten. Reihe Lyrik Bd.51
ISBN 978-3-86356-031-7; €[D]16,50.

– Wilder Westen. Reihe Lyrik Bd.66
ISBN 978-3-86356-065-2; €[D]17,50.

Hard Rock. Für Udo Lindenberg. Freie und andere Verse. Aus dem Russischen übersetzt von Peter Steger. Reihe Lyrik Bd.75. 119 Seiten, ISBN 978-3-86356-103-1, €(D]15,50

Für den unbekannten Feigling / неизвестному трусу. Gedichte und Prosa-Gedichte. (Russ. / Dt.). Aus dem Russischen von Peter Steger. Lyrikreihe Bd. 102; ISBN 978-3-86356-266-3; 206 Seiten, €[D]19,50

Horst Samson: In der Sprache brennt noch Licht

Horst Samson: In der Sprache brennt noch Licht. Gedichter. Lyrikreihe Bd. 165; ISBN 978-3-86356-337-0; 195 Seiten, €[D]19,90

Jeder Dichter vagabundiert wie Odysseus durch die Jahr- hunderte, über die Meere und durch alle Himmeln, durch seine Ruinen und Siege, streift durchs Universum wie der Wind, von da nach dort und zurück, erkannt nur von seinem Hund. Aber an einem Ort der Welt, da braucht er ein Stück Land, Papier, auf dem ein Unbehauster seine Sprach- burg bauen kann, trutzig, aus Ziegeln, Zeilen und all den Erinnerungsfetzen, aus wichti- gem Nichtigem und nichtigem Wichtigem, aus Sequenzen, Glück und Ewigkeiten, aus Farben, Tönen, Strichen, aus viel Licht und mit großen Fenstern, Stein auf Stein.
Horst Samson

Lieferbare Titel von Horst Samson:

Dagmar Dusil / Ioana Ieronim: Beleuchtete Busse in denen keiner saß / Şi trec autobuze goale

Dagmar Dusil / Ioana IeronimBeleuchtete Busse in denen keiner saß / Şi trec autobuze goale. Gedichte. Illustration:  . Nachwort von Emil Hurezeanu. Reihe Lyrik Bd. 164, 124 Seiten,  ISBN 978-3-86356-339-4; €[D]19,90

Für die rumänische Übersetzung der Gedichte Dagmar Dusils zeichnet Ioana Ieronim, deren Gedichte aus dem Rumänischen von Dagmar Dusil ins Deutsch übertragen wurden. Der Ferndialog, der während der Zeit der Pandemie zwischen Bamberg und Washington D.C. stattgefunden hat, beinhaltete nicht nur den Austausch der Gedichte sondern auch eine intensive und fruchtbare Zusammenarbeit während der Übersetzungsphase.

Dies ist in tieferem Sinn nicht bloß ein zweisprachiger Gedichtband. Zwei Dichterinnen, Dagmar Dusil und Ioana Ieronim und dann von neuem Ioana Ieronim und Dagmar Dusil, wechseln, einander ergän- zend, mit ihrer menschlichen und poetische Sprache ab, rebellieren gemeinsam und jede für sich in ihrem eigenen linguistischen und metaphorischen Original, aber auch in dessen Spiegelbild in der Übersetzung, in einem Tandem kräftiger und verblüffender Zärtlichkeit, Melancholie, Wut. Ihre Poesie stellt sich dem Tod, der diesmal, wie in einem Gedicht von Dagmar Dusil, eine Krone trägt.
Ioana Ieronim lebt in Rumänien, aber auch in den USA.
(…)
Dagmar Dusil ist eine unverwechselbare Schriftstellerin. Ge- boren in Hermannstadt, ist sie Deutsche und in Rumänien aufgewachsen, wo sie ihre poetische Sensibilität kultiviert hat. Bei der Umsiedlung nach Deutschland ging sie in die eigene Topografie der deutschen Kultur und Sprache über. Sie kehrt immer wieder aus Bamberg nach und zu Her- mannstadt zurück durch Bücher poetischer Erinnerungen, ganz gleich, ob sie über Straßen, Plätze, Fenster oder städtische Gesellig- keit schreibt: Restaurants, Aromen, Düfte, frühere und aktuelle Namen der Straßen.
(…)

Hier präsentieren sich zwei befreundete Dichterinnen, lyrisch und kulturell blutsverwandt, kongenial in der sorgfältig geteilten Empathie durch die Übersetzung der anderen sowie in einer Art metaphorischer Panik, die gut beherrscht und fast würdig daherkommt inmitten einer bedrohlichen und vergebenden Welt. Noch. Zumindest bis jeden- falls und zum Glück dieser wunderbare Gedichtband erschienen ist.

Hinzu gesellen sich die Schwarz-Weiß-Zeichnungen von Gerhild Wächter, die an die Kriegsgrafik von Picasso erinnern. Präzise ausgeführt, setzen sie sich eher selbst als den sie umgebenden Gedichten einen robusten und notwendigen Kontrapunkt.
Meine älteren oder neueren Freundinnen, denen ich mal näher stand, mal von ihnen mitleidlos getrennt war durch Jahre, Orte, unsere Bücher und Bücher anderer, kehren jetzt gemeinsam zurück und umarmen unsere Erinnerungen, das frühere, aber auch das neue, unbekannte Leid. Ein sicherer und Wunder wirkender Impfstoff.
Emil Hurezeanu

Lieferbare Titel von Dagmar Dusil

Lieferbare Titel von Ioana Ieronim:

Lieferbare Titel von Gerhild Wächter:

Adrian Sângeorzan: Maskierte Welt

Adrian Sângeorzan: Maskierte Welt. Gedichte. Aus dem Rumänischen übersetzt von Georg Aescht. Illustration: Sorin Bijan, Reihe Lyrik Bd. 159D, 95 Seiten,  ISBN 978-3-86356-341-7; €[D]15,50

Der Dichter kann lediglich aus seinen Versen verborgene Nester bauen, die nur jene entdecken, die nach Worten und nach keimenden Samenkörnern suchen.

(…)

An meinem Fenster fährt gerade ein Auto vorüber, in dem nur der Fahrer sitzt. Er trägt Maske und hält die Fenster geschlossen, obwohl die Frühlingssonne wärmt. Draußen un- ter der Dachrinne desselben Hauses spielt sich etwas eigentlich weit Schrecklicheres ab. Ein riesenhafter Rabe hat den Augenblick genutzt und sich aus dem Nest eines Drosselpaares eines der nackten Jungen geschnappt, die mit aufgesperrten Schnäbeln die Fütterung erwarten. Der Rabe verschlingt es im Flug, während ihn der Singvogel, der mir die Brotkrumen fast aus der Hand frisst, besinnungslos angreift.
Um uns her, weit weg oder in der Nähe, findet beinahe ununterbrochen ein unsichtbares Massaker statt.
Viren, Bakterien, Insekten, Vögel, Menschen und unerfüllte Träume werden ständig von den Raben der Gier und des Hungers geraubt und vertilgt.

(…)

Ich glaube, wir werden noch lange Masken tragen, selbst wenn sie nicht mehr nötig sind! Der Mas- kenzwang ist in Amerika vielerorts aufgehoben worden, aber die Leute laufen immer noch maskiert herum.
Ich entsinne mich, wie sehr ich mich vor Jahren wunderte, wenn ich Menschen auf Flughäfen oder ganze Reisegruppen mit Schutzmasken sah, welche die alten Städte Europas oder die neuen Amerikas besichtigten.
Anfangs dachte ich, sie trügen sie wegen einer möglichen Pollen- oder Pflanzenallergie oder als Schutz gegen den Staub einer allzu alten oder allzu neuen Geschichte. Die Masken erschienen eher wie ein Schutzschirm gegen die Umgebung. Nun sind wir soweit, dass wir sie alle tragen, als Teil einer Pflicht- uniform. Ich hatte mich daran gewöhnt, an Blicken und Stimmen Menschen zu erkennen, die aus einem anderen Territorium kamen. Jenem der Angst.
Wenn wir nicht aufpassen, könnte die Maske zum Zubehör unserer Alltagskleidung werden. Zur Klei- dungsroutine wie die Krawatte für Männer oder hochhackige Schuhe für Frauen.

Adrian Sângeorzan

Lieferbare Titel von Adrian Sângeorzan:

  • Maskierte Welt / Lume mascată. Gedichte. (Dt./Rum.) Illustration: Sorin Bijan, Reihe Lyrik Bd. 159, 190 Seiten,
    ISBN 978-3-86356-327-1; €[D]17,50
  • Maskierte Welt. Gedichte. Illustration: Sorin Bijan, Reihe Lyrik Bd. 159D, 95 Seiten,  ISBN 978-3-86356-341-7; €[D]15,50

Ines Hagemeyer: Fragen im Schlepptau

Ines Hagemeyer: Fragen im Schlepptau. Gedichte. Mit 10 Grafiken von Władysław Gałczyński. Reihe Lyrik Band 16, 168 Seiten, ISBN 978-3-86356-292-2; €[D]16,50

Lieferbare Titel von Ines Hagemeyer:

Bewohnte Stille.
Mit einem Nachwort von Alfons Knauth und Tusche-Zeichnungen von PAPI. Reihe Lyrik Bd. 13, 119 Seiten, ISBN 978-3-937139-31-3, €[D]14,20

aus dem Gefährt das dir Träume auflädt. Gedichte. Mit 14 TuscheZeich nungen von PAPI, 86 Seiten, Reihe Lyrik Bd. 41, ISBN 978-3-86356-003-4, €[D]14,00

handverlesen. Gedichte. Mit 15 Tuschezeichnungen von PAPI, 92 Seiten, ISBN 978-3-86356-113-0, €[D]15,00

Fragen im Schlepptau. Gedichte. Mit 10 Grafiken von Władysław Gałczyński. Reihe Lyrik Band 16, 168 Seiten, ISBN 978-3-86356-292-2; €[D]16,50

Adrian Sângeorzan: Maskierte Welt / Lume mascată

Adrian Sângeorzan: Maskierte Welt / Lume mascată

Gedichte. (Dt./Rum.) Aus dem Rumänischen übersetzt von Georg Aescht. Illustration: Sorin Bijan, Reihe Lyrik Bd. 159, 190 Seiten,  ISBN 978-3-86356-327-1; €[D]17,50

Der Dichter kann lediglich aus seinen Versen verborgene Nester bauen, die nur jene entdecken, die nach Worten und nach keimenden Samenkörnern suchen.

(…)

An meinem Fenster fährt gerade ein Auto vorüber, in dem nur der Fahrer sitzt. Er trägt Maske und hält die Fenster geschlossen, obwohl die Frühlingssonne wärmt. Draußen un- ter der Dachrinne desselben Hauses spielt sich etwas eigentlich weit Schrecklicheres ab. Ein riesenhafter Rabe hat den Augenblick genutzt und sich aus dem Nest eines Drosselpaares eines der nackten Jungen geschnappt, die mit aufgesperrten Schnäbeln die Fütterung erwarten. Der Rabe verschlingt es im Flug, während ihn der Singvogel, der mir die Brotkrumen fast aus der Hand frisst, besinnungslos angreift.
Um uns her, weit weg oder in der Nähe, findet beinahe ununterbrochen ein unsichtbares Massaker statt.
Viren, Bakterien, Insekten, Vögel, Menschen und unerfüllte Träume werden ständig von den Raben der Gier und des Hungers geraubt und vertilgt.

(…)

Ich glaube, wir werden noch lange Masken tragen, selbst wenn sie nicht mehr nötig sind! Der Mas- kenzwang ist in Amerika vielerorts aufgehoben worden, aber die Leute laufen immer noch maskiert herum.
Ich entsinne mich, wie sehr ich mich vor Jahren wunderte, wenn ich Menschen auf Flughäfen oder ganze Reisegruppen mit Schutzmasken sah, welche die alten Städte Europas oder die neuen Amerikas besichtigten.
Anfangs dachte ich, sie trügen sie wegen einer möglichen Pollen- oder Pflanzenallergie oder als Schutz gegen den Staub einer allzu alten oder allzu neuen Geschichte. Die Masken erschienen eher wie ein Schutzschirm gegen die Umgebung. Nun sind wir soweit, dass wir sie alle tragen, als Teil einer Pflicht- uniform. Ich hatte mich daran gewöhnt, an Blicken und Stimmen Menschen zu erkennen, die aus einem anderen Territorium kamen. Jenem der Angst.
Wenn wir nicht aufpassen, könnte die Maske zum Zubehör unserer Alltagskleidung werden. Zur Klei- dungsroutine wie die Krawatte für Männer oder hochhackige Schuhe für Frauen.

Adrian Sângeorzan

Lieferbare Titel von Adrian Sângeorzan:

 

  • Maskierte Welt / Lume mascată. Gedichte. (Dt./Rum.) Illustration: Sorin Bijan, Reihe Lyrik Bd. 159, 190 Seiten,
    ISBN 978-3-86356-327-1; €[D]17,50
  • Maskierte Welt. Gedichte. Illustration: Sorin Bijan, Reihe Lyrik Bd. 159D, 95 Seiten,  ISBN 978-3-86356-341-7; €[D]15,50

 

 

Marcell Feldberg: Bruchstücke einer Behausung

Marcell Feldberg: Bruchstücke einer Behausung. Poetische Kurznachrichten

Reihe Lyrik Band 163, 146 Seiten, ISBN 978-3-86356-338-7; €[D]16,50.

 

Marcell Feldberg, * 1968, hat Kirchenmusik, Musikwissenschaft, Philosophie und Germa-nistik studiert. Er lebt in Willich am Niederrhein, wo er als Kirchenmusiker tätig ist. Seit 2004 ist Feldberg wissenschaftlicher Mitarbeiter der Forschungsstelle für Sepulkralmusik an der Robert-Schumann-Hochschule in Düsseldorf. Gedichtveröffentlichungen in Zeitschriften und Anthologien. Zuletzt erschienen Korrespondenz und Kalender. Archiv der Bilder CCXXIX – CCLXXV (Radius Verlag) und Ephemeriden. Aufzeichnungen mit Linoldrucken von Nicolas Poignon (Emanuel von Baeyer Gallery/London). Bruchstücke einer Behausung ist Marcell Feld-bergs erstes Buch im Pop Verlag.

Lieferbare Titel von Marcell Feldberg: Bruchstücke einer Behausung. Poetische Kurznachrichten. Reihe Lyrik Band 163, 146 Seiten, ISBN 978-3-86356-338-7; €[D]16,50.

György Mandics: Auf der Suche nach der Muttererde

  György MandicsAuf der Suche nach der Muttererde

Aus dem Ungarischen nachgedichtet von Peter Gehrisch. Gedichte. Reihe Lyrik Band 161, 141 Seiten, ISBN 978-3-86356-328-8; €[D]16,50.

 

Über das Dao zu sprechen, ist möglich
doch nicht als dauerhaft bleibendes Dao,
einen Namen zu nennen ist möglich,
doch nicht als dauerhaft bleibenden Namen
Laozi

Was kann ich zum Abschied noch sagen? Daß die Erfüllung weder Konsens noch Endstation ist? Noch Ruhe noch Traum? Nicht Zenit noch Nadir, weil das alles für nichtig erklärt werden kann? Schließlich wißt ihr davon. Desgleichen, daß der Weg ohne Aussicht, ihn zu beenden, sich als Spirale ununterbrochen nach oben bewegt.
György Mandics

Lieferbare Titel von György Mandics

Eginald Schlattner: Drachenköpfe

 

Eginald Schlattner: Drachenköpfe

Roman. ISBN: 978-3-86356-308-0, Reihe Epik Bd. 116, 189 S., €[D]19,50

„Ich spürte das Mühlrad in meinem Kopf. Verwirrt fragte ich mich: Was nun? Womit beginnen? Was sagen? Was nicht? Viele Jahre waren vergangen, seit ich ohne Abschied und ohne Ausrede das Drachenhaus in Kronstadt verlassen hatte.
Wo sie, Anita Mirjam, mich aufgenommen hatte, aufgelesen von der Straße, und wo wir in zwei Dachstübchen nebeneinander gehaust hatten, jeder beschirmt vom Drachenkopf eines Wasserspeiers, Klingsors Lindwürmern, die hoch über der Schwarzgasse im Grünspan aufleuchteten.“ Eginald Schlattner

In Transsylvanien ist nicht nur der allseits bekannte Dracula als historisch-reale, vor allem aber als mythisch-fiktionale Gestalt beheimatet, sondern auch der mittelalterliche Sänger und Zauberer Klingsor. Hält er sich in Kronstadt auf, dann erglühen die Drachenköpfe an den Dachtraufen seines Hauses in der verwinkelten Altstadt, gemeinhin „Drachenhaus“ genannt. Angeregt von Iris Wolffs gleichnamiger Erzählung, die nach dem Ende der kommunistischen Diktatur 1989 angesiedelt ist, erinnert sich Eginald Schlattner in seinem neuen Roman an die alles andere als friedvollen frühen 1960er-Jahre, als auch er kurzfristig im Drachenhaus Unterschlupf findet. Und selbst wenn sich der Zauberer Klingsor zu dieser Zeit nicht in der siebenbürgischen Stadt im Karpatenbogen aufhält, die Dachtraufen also nicht erglühen, geschieht immer wieder nie Dagewesenes, treten immer wieder Figuren in Erscheinung, deren Verhaltens- und Handlungsweisen nicht selten drachenhafte Züge offenbaren.

Wenn die jüdische Harfenspielerin Svetlana, aufgewühlt durch die Lektüre von Elie Wiesels „Die Nacht zu begraben, Elischa“, zum ersten Mal über ihre Internierung in den Konzentrationslagern Theresienstadt und Buchenwald berichtet, wenn die bessarabische Bojarin Anastasia, die jahrelang einen deutschen SS-Offizier als ihre vermeintlich schwer kranke Mutter versteckt gehalten hat, ihn nach seinem Tod unerkannt zu begraben versucht oder wenn der Securitate-Major Blau nach der Erkundung eines unterirdischen Geheimgangs, der von der Stadtmauer zum Drachenhaus führt, plötzlich aus dem Untergrund im Lesezirkel der Hausbewohner auftaucht, verdichten sich die Geschehnisse zu einer greifbaren Vergegenwärtigung jener düsteren, beklemmenden Zeit.

Obwohl einige der Gestalten den treuen Lesern Eginald Schlattners bereits aus seinen vorherigen Büchern bekannt sein dürften, etwa die engere Familie oder der Vernehmungsoffizier vom Geheimdienst nebst seiner eigenwilligen Nichte, gewinnt der Autor ihnen überraschend neue Facetten ab, indem er sie in einem gewandelten Kontext agieren lässt, nämlich in einer unerfüllten, weil einseitigen Liebesbeziehung zwischen der Pfarrerstochter Anita Mirjam und dem Ich-Erzähler, die nach einem tragischen Unfall der jungen Frau, der sie an den Rollstuhl fesselt, in der Mahnung und Erkenntnis gipfelt: „Du bist für das Antlitz des anderen verantwortlich.“

Eginald Schlattner bietet hier erneut ein ebenso lebendiges wie berührendes transsylvanisches Panorama und Panoptikum.

Lieferbare Titel von Eginald Schlattner:

 

 

Sevak Aramazd: Armen

Sevak Aramazd: Armen. Roman

Aus dem Armenischen übersetzt von Levon Sargsyan. Kaukasische Bibliothek Band 27, Reihe Epik Bd. 118, 366 Seiten, ISBN 978-3-86356-320-2, €[D] 24,50

Der Roman „Armen“ von Sevak Aramazd ist eine ergreifende Geschichte von menschlichem Schicksal in der heutigen Welt und Gesellschaft, in der das Schwierigste und Gefährlichste ist, ein Mensch zu sein. Er ist gleichzeitig Legende und Dokument, Parabel und lebendiger Schauplatz der Ereignisse; in diesem Buch ist das Spiegelbild des Realen und Überrealen lebendig, dicht wie ein Märchenwald und wie ein glühender Kosmos.
Es ist der Kosmos Shakespeares, Poes, der Gebrüder Grimm und Hitchcocks.
Yunna Morits

Lieferbare Titel von Sevak Aramazd:

  • Armen. Roman. Aus dem Armenischen übersetzt von Levon Sargsyan. Kaukasische Bibliothek Band 27, Reihe Epik Bd. 118, 366 Seiten, ISBN 978-3-86356-320-2, €[D] 24,50

Albert Bohn und Anton Sterbling (Hrsg.): Deportationen. Literarische Blick­winkel

Albert Bohn und Anton Sterbling (Hrsg.): Deportationen. Literarische Blick­winkel. Reihe Fragmentarium Bd. 23, 277 S,.ISBN 978-3-86356-333-2, €[D]21,00.

| Albert Bohn | Rolf Bossert| Helmuth Frauendorfer | Ilse Hehn | Johann Lippet | Traian Pop Traian | Horst Samson | Hellmut Seiler | Anton Sterbling | Richard Wagner | Balthasar Waitz |

Deportationen, insbesondere in die Sowjetunion im Januar 1945 und in die Bărăgan­steppe im Frühsommer 1951, bilden einschneidende Geschehnisse in der wechselhaften und leidvollen Geschichte der Deutschen aus Rumänien im 20. Jahrhundert. Zugleich handelt es sich um lange Zeit in der öffentlichen Diskussion und in der Literatur im kommunistischen Rumänien tabuisierte Themen. Diese Anthologie versammelt ältere und neuere literarische Arbeiten zum Problemkreis der Deportationen, die von ehema­ligen Mitgliedern der „Aktionsgruppe Banat“ wie auch Angehörigen ihres Freundes­kreises stammen. In dem Band sind mit Gedichten oder Prosatexten: Albert Bohn, Rolf Bossert, Helmuth Frauendorfer, Ilse Hehn, Johann Lippet, Traian Pop, Horst Samson, Hellmut Seiler, Anton Sterbling, Richard Wagner und Balthasar Waitz vertreten.

Matthias Buth: Der Himmel über Rösrath

 Matthias Buth: Der Himmel über Rösrath

Reihe Fragmentarium Bd. 21, 210 S,.ISBN 978-3-86356-318-9, €[D]19,50

Mit dem „Himmel über Rösrath“ meldet sich erneut der Lyriker Matthias Buth in seiner zweiten favorisierten Gattung zu Wort, dem literarischen Essay. Diese seit Michel de Montaigne immer wieder durch Künstler und Intellektuelle erstellte Symbiose aus Aufsatz, Erörterung und Dichtung wird ganz bewusst als Annäherung gewählt, um den Gegenständen, Menschen, Erfahrungen, Themen und Stimmen des gesamten Bandes gerecht werden zu können, also: Dichter und Dichterinnen und deren Werke, die jüngere Zeitgeschichte, das Reisen, das Erinnern und die vielfältigen Begegnungen und Gespräche, die der Autor immer wieder geführt hat und die in Rösrath einen Kulminationspunkt gefunden haben.
Torsten Voß

Lieferbare Titel von Matthias Buth:

T. A. Wilrode: Inselträume, Fluchtversuche

T. A. Wilrode: Inselträume, Fluchtversuche. Abenteuer des geheimreisenden Grafen von Fliege
und seines Bibliothekars. Roman

Edition Monrepos . Band 19, 344 Seiten, ISBN 978-3-86356-334-9, €[D] 23,00

Niemand würde hinter der Fassade des zurückgezogenen „Büchersammlers Gottfried“ ein bewegtes und wechselhaftes Leben vermuten: Jugend und Seefahrt mit einigen Abenteuern, Landung und Leben auf einer südlichen Insel, Tod und Beerbung seiner Mutter, einer exilierten Künstlerin, Beziehung zu einer Exilkubanerin, Besuch auf Kuba und Rückkehr an den Nordseestrand seiner Jugenderlebnisse.
Ein Roman in der Tradition der E.T.A. Hoffmannschen Erzählungen, der sich nicht scheut, auf die Gegenwartsprobleme zwischen Kriegspolitik und Friedenshoffnungen einzugehen.

Cuba flor espumosa, efervescente / azucena escarlata, jazminero / cuesta encontrar entre la red florida / tu sombrío carbón martirizado.
La antigua arruga que dejó las muerte, la cicatriz cubierta por la espuma …

Cuba, schäumende Blütenpracht, aufbrausendes Scharlachrot der Lilien, Blumenbeet aus Jasmin / Kaum und nur mühsam findet man unter dem Schleier der Blumen / die gemarterte, finster verkohlte Erde / die alte Narbe, die der Tod hinterließ / das Wundmal vom Blütenschaum überdeckt …
(Pablo Neruda: Canto General. Editorial Planeta, Barcelona 2015, S. 133 ff. Erstausgabe Mexico 1950, Übersetzung T.A. Wilrode)

Inseln haben einen eigenen Zauber und regen die Phantasie an – so als ob die Zwänge der übrigen Welt dort keine Geltung hätten und Besonderes möglich würde.
Cuba zum Beispiel könnte ein Paradies sein oder Bali oder andere Inseln wie Island.
(Anonymus)

Bali war damals noch ein Paradies. Die Eingeborenen arbeiteten vier Monate lang in den Reisfeldern und widmeten sich die übrigen Monate ihrer Kunst und Kultur.
(Charles Chaplin: Die Geschichte meines Lebens, Deutscher Bücherbund, Stuttgart/Hamburg
1954, S. 377)
Unser lebendiges Gefühl ist durch Profitgier, Macht- und Monopolstreben abgestumpft worden. Wir haben es diesen Kräften erlaubt, uns zu beherrschen, und mißachten dabei völlig die verhängnisvollen Folgen.
Die Wissenschaft hat, ohne sich von vernünftigen Erwägungen leiten zu lassen und ohne das notwendige Verantwortungsbewußtsein zu zeigen, den Politikern und Militärs so furchtbare Zerstörungswaffen zur Verfügung gestellt, daß sie mit ihnen das Schicksal eines jeden lebenden Wesens auf der Erde in der Hand halten.
Diese Überfülle von Macht in den Händen von Männern, deren moralisches Verantwortungsbewußtsein und intellektuelle Fähigkeit, um es vorsichtig auszudrücken, nicht unfehlbar, in manchen Fällen sogar eher fraglich sind, könnte in einem Krieg enden, der das Ende allen Lebens auf der Erde bedeuten würde. Und doch schreiten wir blind auf dem eingeschlagenen Wege weiter fort.
(Charles Chaplin, ebd., S. 478)

Lieferbare Titel von T. A. Wilrode:

  • Inselträume, Fluchtversuche. Abenteuer des geheimreisenden Grafen von Fliege
    und seines Bibliothekars. Roman. Edition Monrepos . Band 19, 344 Seiten, ISBN 978-3-86356-334-9, €[D] 23,00

 

Barbara Zeizinger: Bevor das Herz schlägt

Barbara Zeizinger: Bevor das Herz schlägt. Roman

Reihe Epik Bd.120
280 Seiten, ISBN 978-3-86356-329-5, €[D] 19,50

„Schon als Kind hat Eva den Blick auf die Gleise geliebt. Auch jetzt steht sie in Weinheim wieder am Fenster ihres ehemaligen Zimmers. Immer noch ist die Straße nur einseitig bebaut, so kann sie über die Grünfläche mit den wenigen Büschen auf der anderen Seite weit in die Ebene nach Westen schauen. Dorthin, wo sich abends ein rötlicher Streifen erstreckte, und sie als Jugendliche ihre Gedanken fliegen ließ, während sie zusah, wie das Blau der Dämmerung in Dunkelheit über-
ging und der Himmel allmählich mit Sternen übersät war.“

»Toni war plötzlich weg. Wie vom Erdboden verschluckt. Einfach weg.«
Der Roman erzählt von drei Protagonisten: Eva, einer Erzieherin und alleinerziehenden Mutter der fünfjährigen Toni, ihrem Freund Julian, einem Architekten, und dem Herzchirurgen Konrad, der Tonis Vater ist. Alle drei haben sich in ihrem Leben eingerichtet, kommen scheinbar gut zurecht. Als jedoch Toni bei einem Ausflug mit Julian spurlos verschwindet und die Polizei fieberhaft nach ihr sucht, werden sie mit ihrer Vergangenheit konfrontiert und müssen erkennen, inwieweit verdrängte Probleme ihr Handeln bestimmen und was die Essenz ihres Lebens ist.
Die Gegenwart spielt 2018 in Darmstadt an einem Tag. Die Vergangenheit erstreckt sich über mehrere Jahrzehnte in Weinheim, Mannheim und Köln.
Mit psychologischem Feingefühl erzählt die Autorin vom Leben dieser drei Menschen, von ihren Hoffnungen, Wünschen und Niederlagen.

Lieferbare Titel von Barbara Zeizinger:

Weitwinkel nah“. Gedichte. Pop Lyrik. 75 Seiten, 12,99 €
ISBN 978-3-86356-057-7

Am weißen Kanal“. Roman. Pop Epik. 218 Seiten, 15,50 €
ISBN 978-3-86356-094-2

„Wenn ich geblieben wäre“. Gedichte. Pop Lyrik. 84 Seiten, 14,00 €
ISBN: 978-3-86356-179-6

– Er nannte mich Klárinka. Roman.Pop Epik. 302 Seiten, 19,90 €
ISBN: 978-3-86356-242-7

Ewart Reder: Die hinteren Kapitel der Berührung

Ewart Reder: Die hinteren Kapitel der Berührung. Gedichte

Reihe Lyrik Bd. 158. Kartoniert mit Schutzumschlag,  201 Seiten, ISBN: 978-3-86356-326-4, €[D]18,50

Reder folgt der Spur seines Themas, den engen Beziehungen zu Menschen, Landschaften, Städten, getrieben von der Neugier aufs Fremde.
Frankfurter Allgemeine Zeitung

Bei Ewart Reder können wir sehen, dass Poesie das Gegenteil von Sterben ist.

Marica Bodrožić

Der Band präsentiert Ewart Reders Gedichte aus den letzten zehn Jahren. Ein vielseitiger Autor – unter anderem mit Romanen, Essays, Reportagen stark beachtet – setzt seine Anfänge fort und damit den Anfang von Literatur: den Vers, die worthaltige Atemphase, das Sprechen in Bildern und Anklängen, die direkte und schutzlose Mitteilung. Gegliedert in Kapitel ruft das Buch Erinnerungen auf, blickt über Gewässer, hängt Liebeserfahrungen nach, unterhält sich mit Räumen, reagiert auf Bildende Kunst, Beobachtungen, Nachrichten und vieles mehr.
Der Titel deutet es an: Lesende tasten hier zurück ins Leben, aus der eingeübten Hygienedistanz wieder heraus, haben Berührung mit der Welt und das fühlt sich gut an. Ein Buch zur rechten Zeit also. Poesie als achtsame Begleiterin auf einem Weg, den noch niemand kennt, auf dem gute Worte und Berührungen mehr bedeuten werden als vorher.

Das ist Magie: Da sind die Sinne am Werk, es spült und weht und rollt, man sieht die Bilder nicht nur, man hört sie.

Margot Ehrich

Ewart Reder hat ein Gleichgewichtsgespür, das kaum zwischen dem, was er schreibt, und dem, was sich selbst schreibt, unterscheidet. Einige Gedichte sind wie das Meer, das unsere nackten Füße umspült, um sich im nächsten Moment zurückzuziehen. Wie der Sand, der zwischen den Fingern hindurchrieselt. Es gibt ein Ringen zwischen dem Autor und dem Schweigen. Manchmal gewinnt er. Manchmal das Schweigen. Es ist ein Weg, die Hilflosigkeit angesichts von Zerbrechlichkeit und Vergänglichkeit anzuerkennen.
T. T. Pop

Lieferbare Titel von Ewart Reder:

Regine Kress-Fricke / Jean Kirsten: Hommage à Martha & Rudolf von Laban

Regine Kress-Fricke / Jean Kirsten: Hommage à Martha & Rudolf von Laban
Reihe Lyrik Band 160, ISBN 978-3-86356-310-3, 62 Seiten, €[D]15,90.

Tänzer ist jener Mensch, der klaren Verstand, tiefes Empfin- den und starkes Wollen zu einem harmonischen, ausgegli- chenen und in den Wechsel- beziehungen seiner Teile den- noch beweglichen Ganzen be- wußt zu verwerten trachtet.
Rudolf von Laban

In der Kunst zeigt der Tänzer Mensch nicht sein Tänzertum, sondern das Kunstwerk, das Symbol des Lebens. Er selbst tritt völlig zurück und wählt Maske, Kleidung, Umraum nach dem inneren Gesetz des dargestellten Kunstwerks.
Rudolf von Laban
(Aus dem Buch Die Welt des Tänzers, 1922.)

Der Anlass, Gedichte zu Rudolf und Martha zu verfassen, ergab sich 2013 anlässlich des 100jährigen Jubiläums auf dem Monte Verità. Der Ausblick auf dem „Berg der Wahrheit“ muss mich ähnlich ergriffen haben wie einst den Tänzer und Schöpfer der „Labanotation“.
Erst durch die Bekanntschaft mit dem Künstler Jean Kirsten, der ebenfalls an den Jubiläums-Veranstaltungen zur 100. Wiederkehr der Eröffnung der ersten Laban-Sommerschule auf dem Berg teilnahm, entwickelte sich bei mir der Wunsch, mit ihm zusammen ein Buch zu machen. Er hatte dort „Platonische Körper“ und Arbeiten zur Zeichensprache der Tanzschrift „Labanotation“ ausgestellt. Mit den Jahren zeigte sich, dass Jean Kirsten DER Künstler ist, der sich intensiv mit der Arbeit Rudolf von Labans auseinandergesetzt hat.
Regine Kress-Fricke

Lieferbare Titel von Regine Kress-Fricke:

Grenzenlos. Zeitgenössische Prosa von Frauen aus Georgien

Grenzenlos. Zeitgenössische Prosa von Frauen aus Georgien. Herausgegeben von Lela Zuzkiridse und Irma Schiolaschwili. Aus dem Georgischen übersetzt von Irma Schiolaschwili in Zusammenarbeit mit Joachim Britze. Kaukasische Bibliothek Band 29 (Georgien). Reihe Epik Bd.124, ISBN: 978-3-86356-332-5; 204 Seiten, €[D] 18,50

| NAIRA GELASCHWILI . ნაირა გელაშვილი |
| MANANA DUMBADSE . მანანა დუმბაძე |
| Nino SadghobeLASCHWILI . ნინო სადღობელაშვილი |
| schorena lebanidSe . შორენა ლებანიძე |
| Irma MalaZidse . ირმა მალაციძე |
| Tamri Pchakadse . თამრი ფხაკაძე |
| nino KAdagidse . ნინო ქადაგიძე | Lela Zuzkiridse . ლელა ცუცქირიძე |
| NUNU DSCHANELIDSE ნუნუ ჯანელიძე | Mari Bekauri . მარი ბექაური |
| NATIA RostiAScHWILI . ნათია როსტიაშვილი |
| Mariam Ziklauri . მარიამ წიკლაური | Tea Topuria . თეა თოფურია |
| Teona DolendschAScHwILI . თეონა დოლენჯაშვილი |
| Ina Artschuaschwili . ინა არჩუაშვილი |

In diesem Band sind Geschichten von fünfzehn zeitgenössischen Autorinnen aus Georgien versammelt, die durch die Kriege in Abchasien (1992-1993) und in Kerngeorgien (2008) entstanden sind. Sie erzählen über das wunderschöne Land im Südkaukasus, dessen Grenzen künstlich versetzt wurden.
In diesen Kurzgeschichten erzählen Frauen aus Georgien sowohl über Leid und Schmerz als auch im Krieg entstandene Liebe und Freundschaft. Sie berichten über kaukasische Traditionen wie zum Beispiel die ausgeprägte männliche und weibliche Würde, die die einzelnen kaukasischen Völker immer noch stark verbindet. Sie erzählen über die Sehnsucht nach einer fremd gewordenen Heimat und nach alten Freunden, über die schleichende Okkupation an den neuen Grenzen und über die Kraft und die Bedeutung der georgischen Erde, von der 20% zurzeit von Russland okkupiert sind.
Irma Schiolaschwili

Ágnes Nemes Nagy: Sonnenwenden / Napfordulók

Ágnes Nemes Nagy: Sonnenwenden / Napfordulók

Ausgewählte Gedichte. Deutsch / Ungarisch. Vorwort von Gyözö Ferencz. Aus dem Ungarischen von Julia Schiff in Zusammenarbeit mit Peter Gehrisch. Reihe Lyrik Band 155, 185 Seiten, ISBN 978-3-86356-323-3; €[D]19,50.

Die ungarische Dichterin Ágnes Nemes Nagy (1922-1991) gehört jener Generation an, deren Jugend und Heranreifen zur Dichterin in die Jahre des Zweiten Weltkriegs fiel. Der Krieg zwang sie alle zur Stellungnahme und er wurde für ihr ganzes Leben zur Referenzbasis. Auch dann, wenn sie keine Zeile darüber geschrieben haben. Wenn ich versuche, sie innerhalb ihrer Generation auf der Weltkarte der Lyrik zu platzieren, dann gehört Nemes Nagy in die Gesellschaft von Lyrikerinnen und Lyrikern, deren Poetik miteinander verwandt war oder, im Gegenteil, zueinander in Opposition stand, wie Paul Celan, Ingeborg Bachmann, Yves Bonnefoy, Wislawa Szymborska, Lorand Gaspar, Miroslav Holub, Philip Larkin, Vasko Popa, Allen Ginsberg und Robert Lowell, ebenso Franz Fühmann, der an seinem Lebensabend einen Gedichtband von ihr übersetzt hat.
Győző Ferencz

Lieferbare Titel von Ágnes Nemes Nagy:

  • Sonnenwenden / Napfordulók. Ausgewählte Gedichte. Deutsch / Ungarisch. Vorwort von Gyözö Ferencz. Aus dem Ungarischen von Julia Schiff in Zusammenarbeit mit Peter Gehrisch. Reihe Lyrik Band 155, 185 Seiten, ISBN 978-3-86356-323-3; €[D]19,50.

Egnate Ninoschwili: Der edle Ritter unseres Landes

Egnate Ninoschwili: Der edle Ritter unseres Landes
Erzählungen
Auswahl von Dato Barbakadse. Nachwort von Bela Tsipuria. Aus dem Georgischen übersetzt von Maja Lisowski. Kaukasische Bibliothek Band 28 (Georgien).
Reihe Epik Bd.121, ca. 229 Seiten, ISBN 978-3-86356-330-1, € [D19,90

Für das Verständnis zeitgenössischer Literatur ist es erforderlich, auch die Klassiker der jeweiligen Literatur zu kennen. Deshalb haben wir uns vorgenommen, dem deutschsprachigen Publikum neben herausragenden Gegenwartsautorinnen und -autoren aus dem Kaukasus auch Auswahl von Werken klassischer Schriftstellerinnen und Schriftsteller aus dieser Region zu präsentieren. Die Veröffentlichung der Erzählungen Egnate Ninoschwilis und bedeutender Texte von Autorinnen und Autoren wie Ekaterine Gabaschwili, Tschola Lomtatidse, Niko Lomouri und Micheil Dschawachischwili legen den Grundstein für unser Bemühen, nicht allein der georgischen, sondern der gesamten kaukasischen Literatur, die wir für bahnbrechend halten, eine Wohnstatt im deutschen Sprachraum zu bieten. Wir hoffen, mit diesen literarischen Wurzeln großer kaukasischer Literaturen insbesondere dem Verständnis unserer kaukasischen Gegenwartsautorinnen und -autoren den Weg zu bereiten.
Uli Rothfuss und Traian Pop
(Herausgeber der Kaukasischen Bibliothek)

Rainer Wedler: Die Versuche des Rudolph Anton R

Rainer Wedler: Die Versuche des Rudolph Anton R.
Roman. Reihe Epik Bd.125, ISBN: 978-3-86356-335-6; 179 Seiten, €[D] 16,90

Wenn du älter wirst, ist es, wie wenn das Meer mit seinen wilden Wellen sich zurückzieht und längst vergessene Steine im hellen Sand ans Licht kommen. Und keiner ist wie der andere.
Rainer Wedler

Lieferbare Titel von Rainer Wedler

  • Poesie/poésie Zeitgenössische Dichtung aus Frankreich und Deutschland. ISBN: 3-937139-00-1. 168 Seiten; 14,00Eur[D]   CIP-Titelaufnahme der Deutschen Bibliothek:
    Blua, Gérard und Stefanescu, Sergiu : Poesie/ poésie. Zeitgenössische
    Dichtung aus Frankreich und Deutschland. Mit einem Vorwort von Sergiu
    Stefanescu.
    Autoren: Alfonsi, Josiane; Blua, Gérard; Broussard, Yves; Demuth, Volker;
    Draghincescu, Rodica; Dürrson, Werner; Fels, Gilbert; Kaouah, Abdel-
    madjid; Kotarski, Carmen; Lovichi, Jacques; Migozzi, Marcel; Montmaneix,
    François;   Oliver, José F. A. ; Özdemir, Hasan; Sayer, Walle; Schneider,
    Klaus F.; Seiler, Hellmut; Sorrente, Dominique; Stephan, Susanne; Temple,
    Frédéric  Jacques;  Tixier, Jean-Max; Ughetto, André; Villain, Jean-Claude;
    Rainer Wedler.

Übersetzer: David, Eric; Lawitschka, Valérie; Fischer, Rüdiger.
Ludwigsburg: Pop, 2004

»Ungesagtes der Sinne unterschlagen verwischt / ohne Wohnrecht Offensichtliches verschlüsselt / meine Texte sind nicht gesichert« (J. Alfonsi); »enthaarte Tiere die Blicke leer / darin siehst du plötzlich dich fortgeschoben« (V. Demuth); »und denke / bin ich denn wirklich« (W. Dürrson); »das Instrument demonstriert, exakt diesem Auge, daß hier dubiose Grenzen bestehen / Problem, das es / es? ich! / bislang nicht sah« (G. Fels); »ich hatte die Sprache geöffnet / nicht den Mund« (C. Kotarski); »nur während ich an dich / dachte liebte ich dich / das wort war nur zwischen / den lippen« (H. Özdemir); »geschichten die ich / heimlich hinuntersteige aus den farben / und hellen fenstern in den stummfilm« (J. F. A. Oliver); »zeile um zeile / abgelagertes / ich« (K. F. Schneider); »Heute sing ich, morgen tanz ich, nie ohne euch, aber / Bin ich’s nun oder ist es wirklich ein anderer?«
(H. Seiler); »Der allerchristlichste König ist, wie ich, / bald traurig, bald fröhlich« (S. Stephan); »zu wem / soll ich noch sprechen / die Nahen scheinen nah nur« (R. Wedler). Die zitierten Verse sollen einen Eindruck vermitteln von der Vielfalt der Stimmen und der Originalität der von uns verlegten Lyriker und zugleich Anreiz sein, der literarischen Qualität zum Durchbruch zu verhelfen.

– Zwischenstation Algier. Roman, EPIK- Sammlung, 86 Seiten, ISBN: 3-937139-11-7; 12,80€

deichgraf meiner selbst, Gedichte, mit Illustrationen von Ferdinand Wedler,ISBN: 978-3-937139-34-3, 12,50€

Die Leihfrist, Roman, (EPIK- Sammlung); 128 Seiten,  ISBN: 978-3-937139-81-4, 12,00€

Seegang. Mit zwölf Zeichnungen von Ferdinand Wedler. (EPIK Sammlung). 116 S. ISBN: 978-3-86356-030-0, Preis: 12,00€

Béla Büchl: Vertrauliche Nachricht

Béla Büchl: Vertrauliche Nachricht. Biografische Erzählungen. Aus dem Ungarischen von Andrea Schäffer. Reihe Epik Bd.123, Kartoniert mit Schutzumschlag, 353 Seiten
ISBN 978-3-86356-331-8, €[D]24,50

Der im rumänischen Banat geborene Autor Béla Büchl blickt in humoristischer Weise auf prägende Stationen in seinem Leben zurück. Schauplätze sind das kommunistische Rumänien der Nachkriegsära, Bayern als neue Heimat nach der Aussiedlung in die Bundesrepublik in den späten Siebzigerjahren, und schließlich der Bakony in Westungarn, wo – nun schon in der postkommunistischen Zeit – ein vom Autor erworbenes und ausgebautes Bauernanwesen, das als Sommerresidenz dient, zum Austragungsort für interkulturelle Verständigung wird.

Béla Büchl, Jahrgang 1938, wurde in Detta im rumänischen Banat als ältester Sohn einer angesehenen deutsch-ungarischen Familie geboren. Die einst wohlhabende Familie wurde nach dem Krieg enteignet und 1951 in die Bărăgan-Steppe deportiert. Der Autor, damals 13 Jahre alt, erlebte in der Deportation eine prägende Zeit, weil er unter anderem fünf Jahre von allen schulischen Einrichtungen ausgeschlossen war. Nach der Befreiung aus der Zwangssiedlung studierte er am Konservatorium in Bukarest Gesang. 1978 ist er mit seiner Familie in die Bundesrepublik ausgereist, wo er an seinem neuen Wohnort München bis zu seiner Pensionierung Musik an einem Privatgymnasium unterrichtete. Béla Büchl lebt in München.

Lieferbare Titel von Béla Büchl:

  • Vertrauliche Nachricht. Biografische Erzählungen. Aus dem Ungarischen von Andrea Schäffer. Reihe Epik Bd.123, Kartoniert mit Schutzumschlag, 353 Seiten
    ISBN 978-3-86356-331-8, €[D]24,50

Johann Lippet: Beziehungsweise(n). Gedichte & Geschichten

Johann LippetBeziehungsweise(n). Gedichte & Geschichten

Reihe Epik Bd. 115, 185 Seiten, ISBN: 978-3-86356-307-3; € [D]18,50

Ich kehre immer wieder zurück. Wie der Täter an den Tatort. Der Vergleich hinkt, ich weiß, es fühlt sich aber so an.
Wie oft ich konkret zurückgekehrt bin, läßt sich an den Fingern ab- zählen. Vielleicht war es auch mehr als zehnmal, vielleicht auch weniger. Das spielt doch überhaupt keine Rolle. In Gedanken bin ich in den letzten zweiunddreißig Jahren immer wieder zurückgekehrt, und das zählt.
Und bei diesen meinen Rück- kehren kehre ich weder nach Ru- mänien zurück, noch ins Banat, sondern in mein Dorf, in dem ich die letzten dreizehn Jahre bis zu meiner Emigration nach Deutsch- land gar nicht mehr gelebt habe, nur noch bei meiner Mutter zu Besuch gewesen bin.
Mein Dorf! Das ist keine An- maßung, das kann ich ruhig so sagen und hier so stehen lassen, weil Wiseschdia, im westlichen Zipfel des Banats unweit der serbischen Grenze gelegen, nur in meinem Kopf so existiert. Auch als Idylle.

Gedichte und Geschichten in einem Band. Warum wohl?
Die Gedichte unter dem Titel Redensarten verhandeln, was Gedichte schon immer verhandelten: Befindlichkeiten in bezug auf Erlebtes. Im ersten Zyklus, Lichtblicke, Schattenblicke, sind Natur, Alltag, der Schreibakt Gegenstand poetischer Reflexion, im zweiten Zyklus, U.a. eine Frage des Ver- gangenheitsbewältigung, sind es die Kindheit auf dem Dorf und die Emigration aus Rumänien nach Deutschland.
An diesen zweiten Gedichtzyklus knüpfen die Geschichten in Anläufe an. Die erste und längste, Die Geschichte von Anna und Jakob, erzählt in geraffter Form die Familiengeschichte der Eltern und unter welchen Umständen die sich infolge des Zweiten Weltkriegs kennenlernten, die anderen erzählen, unter Einbeziehung geschichtlicher und sozialpolitischer Aspekte, vom Heimatdorf, vom Hausgarten, von prägenden Erinnerungen an eine Kuh, an Hunde und Katzen, einen Teich und eine Silberpappel. Die beiden letzten Geschichten, Vom Auftauchen meines Ururgroßvaters und Gelder, thematisieren den sogenannten Freikauf der Deutschen aus Rumänien durch die Bundesrepublik Deutschland. (Johann Lippet)

 

 

 

Lieferbare Titel von Johann Lippet

  • Migrant auf Lebzeiten, Roman (EPIK- Sammlung) 226 Seiten, ISBN:  978-3-937139-56-2 €[D]15,90
  • Dorfchronik, ein Roman, (EPIK- Sammlung) 789 Seiten, ISBN:  978-3-937139-99-9 €[D]25,90
  • Der Altenpfleger, Zwei Erzählungen. (EPIK- Sammlung) 259 Seiten, ISBN:  978-3-86356-012-6 €[D] 13,20,
  • Tuchfühlung im Papierkorb. Ein Gedichtbuch. (Lyrik- Sammlung) 168 Seiten, ISBN:  978-3-86356-034-8 €[D] 17,20
  • BAWÜLON – Süddeutsche MATRIX für Literatur und Kunst, Nr. 4/2011 (4). 114 Seiten, ISSN: 2192-3809; €[D] 7,00 Johann Lippet 60 Johann Fischart • Renarius Flabellarius (Fischart-Fan, id est Rainer Wedler) • Hellmut Seiler • Johann Lippet *„Wir werden wie im Märchen sterben“, Aktionsgruppe Banat * Dieter Scherr • Safiye Can • Norbert Sternmut •     Ferdinand Wedler • Carsten Piper • Uli Rothfuss • Rainer Wedler • Henning Schönenberger • Barbara Zeizinger u.a.
  • Bruchstücke aus erster und zweiter Hand. Roman. (Epik- Sammlung) 251 S. ISBN:  978-3-86356-050-8 €[D] 15,00
  • Horst Samson (Hrsg.):  Heimat – gerettete Zunge. Visionen und Fiktionen deutschsprachiger Autoren aus Rumänien. Eine literarische Begegnung. Mit einem Vorwort von Prof. Dr. Wolfgang Schlott. (UNIVERSITAS Sammlung) 373 S. ISBN:  978-3-86356-051-5, € [D] 25.00
  • Kopfzeile, Fußzeile.Gedichte&Variationen. Pop Lyrik. 70 Seiten, ISBN 978-3-86356-140-6, 13,80€
  • Wegkreuze. Beobachtete, gehörte, gelesene und andere Geschichten. ISBN: 978-3-86356-180-2, 102 Seiten, 13,80€
  • Franz, Franzi, Francisc. Romanfragment. (Nebst Arbeitsnotizen und Annotationen). Die POP-Verlag-Epikreihe, Bd. 100, 176 Seiten, ISBN: 978-3-86356-246-5; € [D]16,90
  • Beziehungsweise(n). Gedichte & Geschichten. Reihe Epik Bd. 115, 185 Seiten, ISBN: 978-3-86356-307-3; € [D]18,50

Dato Barbakadse: Und so weiter. Sieben Haiku-Kränze.

Dato Barbakadse„Und so weiter. Sieben Haiku-Kränze.“ Aus dem Georgischen übersetzt von Maja Lisowski. Nachdichtung von Theo Breuer.

KAUKASISCHE BIBLIOTHEK BAND 31 (Georgien). Reuhe Lyrik Bd.157, 137 Seiten, ISBN 978-3-86356-322-6, € [D15,90

Der erste Haiku-Zyklus – Vogel, Wind, Zweig – erschien erstmals im Sommer 2018 in der georgischen Literaturzeitschrift Akhali Saundsche. Als Autor firmierte der – unbekannte – japanische Dichter Akira Mikito, dessen Porträtfoto im bibliographischen Anhang abgedruckt war. (…) Erst im Sommer 2019, beim Internationalen Literaturfestival in Tbilissi, ließ Dato Barbakadse die Katze höchstpersönlich aus dem Sack. Ein Teil der Liebhaber der Dichtkunst äußerte sogleich den Verdacht, der Dichter, der für komplizierte intellektuelle Spiele bekannt war, wolle durch diese öffentliche Demystifizierung eine neue Mystifizierung schaffen. Barbakadse verneinte dies kategorisch. (…)
Dem Leser liegen in diesem Buch also nicht Sonett-, sondern (sieben) Haiku-Kränze vor. Diese Kränze folgen dem Prinzip Vom Einfachen zum Komplizierten. Dato Barbakadse erklärt in einem Manifest: Das Dilemma der Wahrnehmung von Lyrik im 21. Jahrhundert ist nicht etwa durch komplexe inhaltlich-formale Strukturen bedingt, sondern durch die Armut an Mechanismen, anhand derer Leser die Gedichte wahrnehmen. Dies wird wiederum durch die Intensivierung der Konsumhaltung zur Lyrik hervorgerufen.

 

 

Lieferbare Titel von Dato Barbakadse:

  • „Das Dreieck der Kraniche“. Gedichte. Übersetzt aus dem Georgischen von Steffi Chotiwari-Jünger. Mit einem Vorwort von Uli Rothfuss. Reihe Lyrik. 80 Seiten. ISBN 978-3-937139-38-8; € [D]12,60
  • Ich aber will dem Kaukasos zu...“ Eine Anthologie georgischer Lyrik. Nach einer Auswahl von Nino Popiaschwili. Buch mit Audio-CD. Kaukasische Bibliothek, Band 9. ISBN 978-3-86356-124-6, 578 Seiten, € [D]35,50
  • „Die Unmöglichkeit des Wortes“. Übersetzung aus dem Georgischen von Manana Paitschadse und Maja Lisowski. Kaukasische Bibliothek. Hrsg. Uli Rothfuss. Band 12. ISBN 978-3-86356-177-2. 328 Seiten, € [D]19,90
  • „Das Gebet und andere Gedichte“ Aus dem Georgischen ins Deutsche übertragen
    von Maja Lisowski.Kaukasische Bibliothek. Hrsg. Uli Rothfuss und Traian Pop. Band 20(Georgien); Reihe Lyrik, 124 Seiten, ISBN 978-3-86356-220-5; € [D]16,50
  •  Wenn das Lied sich vom ermüdeten Körper befreit. Aus dem Georgischen ins Deutsche übertragen von Steffi Chotiwari-Jünger, Maja Lisowski, Benedikt Ledebur und Crauss. Literarische Bearbeitung von Peter Gehrisch. Kaukasische Bibliothek. Hrsg. Uli Rothfuss und Traian Pop. Band 26.  Reihe Orpheus Band 8.
    (Georgien); Lyrik, 370 Seiten,ISBN 978-3-86356-241-0, € [D]29,50
  • „Und so weiter. Sieben Haiku-Kränze.“ Aus dem Georgischen übersetzt von Maja Lisowski. Nachdichtung von Theo Breuer. KAUKASISCHE BIBLIOTHEK BAND 31 (Georgien). Herausgeber der Reihe: Uli Rothfuss und Traian Pop. 137 Seiten, ISBN 978-3-86356-322-6, € [D15,90

Anton Sterbling: Die versunkene Republik

Anton SterblingDie versunkene Republik
Erzählungen. Reihe: EPIK, Bd. 119. ISBN 978-3-86356-321-9, Pop Verlag, Ludwigsburg 2021, 280 Seiten. €[D]18,50.

Die acht Erzählungen sind über einige Motive und einzelne Gestalten lose miteinander wie auch hintergründig mit bestimmten Erzählsträngen des ersten Bandes „Klimadelirium und andere furchtbare Erzählungen“ verbunden, wie der aufmerksame Leser erkennen wird. Sie handeln vom gescheiterten Gründungsversuch einer »Banater Republik« nach dem Ersten Weltkrieg, erzählt hundert Jahre später von einem Stadtschreiber in einem Kirchturm; von einem vormals wohlhabenden serbischen Kaufmann, der in der Bărăganverschleppung vermutlich aus Habgier und Rache ermordet wurde; vom sechzehnjährigen Sohn eines Ersten Parteisekretärs, der in einem Kurort in den Westkarpaten Selbstmord beging sowie dem weiteren erstaunlichen Lebens- und Karriereverlauf seines Vaters; von der Kindheit, Jugend und dem weiteren Lebensweg eines Banater Schwaben, der nicht mit seiner Familie aussiedeln wollte, sondern bei einer Armeemannschaft Fußball spielte und Unteroffizier wurde; von einem Studenten der Geschichtswissenschaft, dem sein besonderes Interesse an der Geschichte der Zwischenkriegszeit und des Zweiten Weltkriegs zum Verhängnis wurde und der daher aus Rumänien floh sowie von dessen merkwürdigen, in diese Geschichte verwickelten rumänischen Verwandten; von einem vom Militärdienst entlassenen jungen Deutschen, der, nicht ganz unverschuldet, auf Grund verhängnisvoller und verwirrender Umstände in den späten Jahren der Ceauşescu-Diktatur, ins Gefängnis kam; von einem rumänischen Schriftsteller, den die Gespenster und langen Schatten der Vergangenheit bis ins Exil verfolgten; und schließlich von einem habilitierten Historiker, der mit seiner militärgeschichtlichen Spezialisierung in eine berufliche Sackgasse geriet, der aber später einen anderen Karriereweg findet, der ihn in seine alte Heimat in Südosteuropa zurück führt.

 

Lieferbare Titel von Anton Sterbling:

Adalbert Gyuris: Die flinke Maus

Adalbert Gyuris:Die flinke Maus. Aus dem Rumänischen übersetzt von Casiana Nemeth und Sophia Dänner. Illustrationen: Robert Rayeczky. ISBN 978-3-86356-295-3; Reihe Kids . Band 5, 29 Seiten, €[D]9,90

Lieferbare Titel von Adalbert Gyuris:

  • Die flinke Maus. Aus dem Rumänischen übersetzt von Casiana Nemeth und Sophia Dänner. Illustrationen: Robert Rayeczky. ISBN 978-3-86356-295-3; Reihe Kids . Band 5, 29 Seiten, €[D]9,90                                                                       

Mariam Tsiklauri / მარიამ წიკლაური: Ein außergewöhnlicher Sonntag / უჩვეულო კვირადღე

Mariam Tsiklauri / მარიამ წიკლაური: Ein außergewöhnlicher Sonntag / უჩვეულო კვირადღე Illustrationen von Julia Nikogosova-Kandaliani. Aus dem Georgischen übersetzt von
Irma Shiolashvili. ISBN 978-3-86356-312-7; Reihe Kids . Band 4, 48 Seiten, €[D]12,80

Mariam Tsiklauri ist eine bekannte georgische Kinderautorin. Sie wurde für den Astrid-Lindgren-Preis ALMA 2020 nominiert. Ihre Geschichten wurden in die georgischen Schulbücher aufgenommen. Viele ihrer Gedichte sind Lieder und werden auch in Musicals gesungen.

„Ein außergewöhnlicher Sonntag“ ist ein zweisprachiges Buch, das ein georgisch-deutsches Wörterverzeichnis und Übungen für Kinder enthält. Die Geschichte handelt von einer Freundschaft zwischen Kindern und Tieren. Lesen Sie von
Sandro und Elene und ihren Freunden, den Eichhörnchen Bobo und Buba, die in der Großstadt verloren gehen …

Lieferbare Titel von Mariam Tsiklauri / მარიამ წიკლაური:

Theo Breuer: nicht weniger nicht mehr. ›Gedichte‹

 Theo Breuer: nicht weniger nicht mehr. ›Gedichte‹

Reihe Lyrik Bd. 151, 133 Seiten, ISBN 978-3-86356-317-2, €[D]14,50

Wir wollen weniger erhoben, / Und fleißiger gelesen sein, lesen wir in einem bekannten Vierzeiler Gotthold Ephraim Lessings. Kann man „fleißiger lesen“, als Theo Breuer es bekanntermaßen sein Leben lang tut? Und kann man kreativer, lebendiger die Rezeption literarischer Texte für die Produktion ebensolcher nutzen, Leseimpression origineller in Schreibexpression verwandeln, als Theo Breuer es – eindringlicher denn je – im neuen Gedichtbuch nicht weniger nicht mehr handhabt, in dem es auf 133 Seiten suchstaben und Wörter und Verse auf Breuers unnachahmliche Weise regnet (prasselt …) und in dessen Gedichten die Buchstaben vom ersten bis zum vierten Kapitel atmen, hopsen, perlen, sprudeln, dass es seine Art hat.

Furios und mitreißend – um je ein Beispiel aus den vier Kapiteln mit hier (sehr) kurzen, dort (sehr) langen Gedichten zu benennen – die Gedichte es war, nicht die bohne, und lesen oder zeit der schlüsse, in dessen sieben Versen soviel Welt, soviel Para- und Gegenwelt steckt, dass es einem Frevel gleichkäme, einzelne Aspekte einem Kommentar zu unterwerfen. Manches, das an der Oberfläche wie reines Spiel mit Wörtern wirken mag, wird, näher betrachtet, zum glutigen Ernst. Ja, Kurt Schwitters hat es bis zum bitteren Ende vorgemacht: Wir spielen, bis uns der Tod abholt. Aber was, bitte, ist denn das für ein ‚Spiel‘, in dem einem immer wieder das Lachen im Halse stecken bleibt – wenn etwa im wortversuch : ein mord / den / andren / gibt?!

Neben dem Reim (mit dessen ‚unerhörten‘ Möglichkeiten wortwährend ‚gespielt‘ wird) ist das Paragramm fester Bestandteil in Breuer Wortwerkzeugkasten. Welch enorme Erweiterung wird hier möglich durch den Austausch eines Buchstabens: Zunächst wird der Leser – naturgemäß – bei ‚glutig‘ an das Ursprungswort ‚blutig‘ denken, um reflexiv und ‚mutig‘ weitere Paragramme zu bilden und so – dank eines einzigen Buchstabens – in ungeahnte Wortträume vorzuschwingen.

Die Gedichte des ersten Kapitels – eine siebenteilige, essayistisch angehauchte Lyriksequenz – sind Werk und Wirken Paul Celans gewidmet, dessen hundertstem Geburtstag und fünfzigstem Todestag wir 2020 gedenken: morgens moosgrün müßig zwischen maar moor mayröcker / liegt der stein der leisen setzt das Gedicht da : ein, das den Leser – ausgehend von persönlich erlebter wlan-Gegenwart – im schneewahn zurück in unheilvolle Zeiten katapultiert, deren Grauen Celan so unmittelbar erfuhr.

Genug des „Erhebens“. Auch Theo Breuers Gedichtbuch nicht weniger nicht mehr will : fleißiger gelesen sein

Lieferbare Titel von Theo Breuer:

Herausgabe

Matrix  

Einzeltitel

  • Hinter die dunkle Tür. Vierzeiler 2013 – 2015.  Vorwort und Gespräch mit Hans Bender von Theo Breuer. 137 Seiten. Lyrik Bd. 125. ISBN 978-3-86356-257-1. 2019. €[D]14,90. 

Übertragung 

  • Admiel Kosman:  Aus dem Zwischen des Hohelieds. Ausgewählte Gedichte. Aus dem Hebräischen übertragen von Edith Lutz in Zusammenarbeit mit Theo Breuer und Udi Levy. Mit Vor- und Nachwort herausgegeben von Edith Lutz. 116 Seiten. Lyrik Bd. 132. 2019. ISBN 978-3-86356-271-7. €[D]12,80.

 

Dieter Schlesak: LYRIKARCHÄOLOGIE. Gedichte und Gedanken

Dieter Schlesak: LYRIKARCHÄOLOGIE

Gedichte und Gedanken

Reihe Lyrik Bd. 152, 226 Seiten, ISBN: 978-3-86356-313-4, €[D]19,90

Sie gehen wieder ein
die Splitter / in Sprache verwahrt
denn die Schärfen verwunden nicht mehr
sie sind in die Fernen gestellt
zum ganzen Leben gebracht
als ließe sich plötzlich begreifen
was fehlt
Dieter Schlesak: Lyrische Notiz

Hier ist, um mit Musil zu reden, nicht nur eine neue Seele da, sondern auch der dazugehörige Stil. Das vitale Sprach- und Erfahrungsmaterial ist in großräumige Rhythmen übersetzt, die in der Ferne die Zentnerschwere einer lyrischen Tradition von Gryphius bis Günter und Klopstock ahnen lassen, bei denen die Form gerade noch die alles sprengende Erfahrung fasst … Man möchte auf die formale und sprachliche Kunstleistung hinweisen, auf die Vielfalt der Themen –
und könnte doch nur sagen: Ecce Poeta.
Walter Hinderer, Frankfurter Allgemeine Zeitung

 

 

Petru Ilieşu: Rumänien. Postskriptum

Petru Ilieşu: Rumänien. Postskriptum / România Post Scriptum. Gedichte. Deutsch / Rumänisch. Freie Übertragung aus dem Rumänischen von William Totok. Reihe Lyrik Bd. 153, 190 Seiten, ISBN: 978-3-86356-315-8, €[D]19,50

Petru Ilieşu (eigentlich Petru Nicolae Ilieş), *12. September 1951 in der westrumänischen Stadt Temeswar/Timişoara. In seiner Heimatstadt besuchte er auch das Gymnasium und studierte Philologie an der Temeswarer Universität. In den Siebzigerjahren war Ilieşu Leiter einer experimentellen Theatergruppe des Temeswarer Studentenkulturhauses und veröffentlichte literarische Texte in verschiedenen Zeitschriften. Seinen ersten Gedichtband, „Pastell H.“ veröffentlichte er 1976. Danach publizierte er weitere Gedichtbände, Übersetzungen sowie Sachbücher. Die rumänische Geheimpolizei Securitate betrachtete ihn als Regimegegner. Aus diesem Grund wurde er überwacht, verhört und drangsaliert. Nach der Revolution von 1989 gründete er die Stiftung „Temeswar `89“ („Fundaţia Timişoara `89“), die obdachlose und sozial benachteiligte Personen unterstützt. Für seine literarische Tätigkeit wurde er 1996, 2008 und 2017 mit Preisen des Rumänischen Schriftstellerverbandes ausgezeichnet.

Lieferbare Titel von Petru Ilieşu:

  • Rumänien. Postskriptum / România Post Scriptum. Gedichte. Deutsch / Rumänisch. Freie Übertragung aus dem Rumänischen von William Totok. Reihe Lyrik Bd. 153, 190 Seiten, ISBN: 978-3-86356-315-8, €[D]19,50

Lieferbare Titel von William Totok:

 

 

Ana Blandiana: Mein Vaterland A4 / Patria mea A4

Ana BlandianaMein Vaterland A4 / Patria mea A4. Gedichte. Deutsch / Rumänisch. Übersetzungen aus dem Rumänischen von Maria Herlo, Katharina Kilzer und Horst Samson. Reihe Lyrik Bd. 154. 155 S., Kartoniert, mit Schutzumschlag (bedruckt). 978-3-86356-300-4, €[D] 19,90

Dem vorliegenden Band Ana Blandianas scheint ein besonderes Schicksal eigen zu sein. Ihre Schreibart ist ein Akt des Widerstands gegen die Sinnlosigkeit der Welt, die uns umgibt, und gegen jene Kräfte, die das Individuum systematisch zerstören. Auf diesen Seiten behauptet die große Dichterin ihre Identität in der Dichtkunst, die authentische, mit ihrem eigenen Schicksal besiegelte Hingabe an die Poesie, aber auch an die Wahrheit und Gerechtigkeit.
Mein Vaterland A4, 2010 im Verlag Humanitas Bukarest veröffentlicht, wurde bereits ins Polnische, Spanische, Italienische, Englische, Bulgarische, Französische und Hebräische übersetzt.
Wir freuen uns ganz außergewöhnlich über das Privileg, dieses Buch nun auch dem deutschen Lesern vorlegen zu können.

Lieferbare Titel von Ana Blandiana:

Geschlossene Kirchen & Biserici închise. Gedichte. Nach einer Auswahl und mit einem Nachwort von Katharina Kilzer (Hrsg.). Übersetzungen aus dem Rumänischen von Maria Herlo, Katharina Kilzer und Horst Samson. Deutsch-Rumänisch. Orpheus Reihe Band 9. ISBN 978-3-86356-185-7; 210 Seiten, €[D]19,90

BAWÜLON 4/2017 (28)

MATRIX 1/2020 (59) • Anna Blandiana • Sie könnte die nächste Nobelpreisträgerin sein

„Gott weiß mich hier“. Radu Carp im Gespräch mit Eginald Schlattner

 „Gott weiß mich hier“. Radu Carp im Gespräch mit Eginald Schlattner

Aus dem Rumänischen übersetzt von Edith Konradt und überarbeitet von Eginald Schlattner.  Reihe Fragmentarium, Bd. 20, 239 S., ISBN 978-3-86356-311-0, €[D]19,50 

Das Interview wurde im Spätsommer 2017 in der Reha-Klinik von Dr. Petru Oprean in Schäßburg auf Rumänisch geführt, im Herbst 2017 auf dem Pfarrhof in Rothberg umgeschrieben und
im Januar 2018 abgeschlossen.

Pfarrer zu sein ist nicht irgendein Beruf, eine weltliche Angelegenheit von gut gemeisterter Routine, der zufolge du dich, wenn du auf dem Land leben willst, zwischen Agraringenieur und Pfarrer entscheidest. Pfarrer zu sein ist eine Berufung, die Rechenschaft vor Gott erfordert.
Ich wohne in einem Pfarrhaus, mit dessen Bau vor 1530 begonnen wurde und das heute von Gärten und einem Park umgeben ist, wo die Bäume mich kennen, der ich ohne Familie geblieben bin. Immer wieder werde ich gefragt, weshalb ich nicht ausgewandert bin wie über 90 Prozent meiner siebenbürgisch-sächsischen Landsleute. Als Pfarrer habe ich diesem Exodus mit Kümmernis im Herzen zugesehen. Stellen Sie sich vor, dass ich, nachdem ich erst 1978 ins Amt eingeführt worden war, in den Jahren 1990 bis 1991 plötzlich ohne Kirchengemeinde zurückblieb. Ich antworte mit einer Replik, die auch Credo ist: „Man verlasse den Ort des Leidens nicht, sondern handle so, dass die Leiden den Ort verlassen!“
Aber ich weiß auch das andere: dass Gott mich hier bei meinem Namen gerufen hat, mich hier kennt. Dass Gott mich hier weiß, ja, dass Gott mit mir an diesem Ort rechnet!
Und hier gibt es Menschen, die mir nahestehen, die mich brauchen. Und einige, die mich lieben. Von diesem Ort weiche ich nicht.
Eginald Schlattner

Gemeinsam mit Eginald Schlattner habe ich versucht herauszufinden, welche Bedeutung die Religion, der er jahrzehntelang mit Hingebung diente, heute noch hat. Wir haben auch die Beziehungen zwischen der evangelischen und den anderen christlichen Konfessionen erörtert und manche Leser werden erstaunt sein, wenn sie die enge Verbindung Eginald Schlattners zur Orthodoxie entdecken. Außerdem bekräftigt er 500 Jahre nach Luthers Reformation, dass alles, was er gepredigt habe, auch nach dem Verschwinden der letzten Siebenbürger Sachsen in Rumänien fortdauern werde. Es sei die Sprache, die den Bestand der Religion sichere. Eine überraschende Feststellung: Sollte die Sprache ein metaphysisches Vehikel und als solches bestimmt sein, die Religion über ihre Grenzen hinauszutragen? Auf diese Frage findet sich die Antwort im vorliegenden Buch.
Radu Carp

Lieferbare Titel von Eginald Schlattner:

Achim Amme: Der Amme. Poet

 

 

 

 

 

 

 

 

Achim Amme: Der Amme. Poet

Frühe Verse und Tagebuchaufzeichnungen

Lyrik Bd. 150, 357 Seiten, ISBN: 978-3-86356-314-1, €[D]19,90

Autorenfoto: © Rosa-Frank.com

„Mich entdeckend, mich versteckend
in der Welt der Poesie
Wunden schlagend, Wunden leckend
in Mundharmonie“

Unveröffentlichtes aus vier Jahrzehnten des letzten Jahrhunderts. Was hat Bestand, was kann entstaubt, was kann getrost in die Tonne getreten werden.

Beim Öffnen eines alten Computers ließ sich auf den Tag genau feststellen, wann die Gedichte geschrieben wurden. Warum also nicht jedem Gedicht einen Tagebucheintrag zuordnen, vier Jahrzehnte Lyrikproduktion in einen persönlichen wie zeitgeschichtlichen Rahmen stellen?

Kriterium für die Zuordnung? Allein die größtmögliche zeitliche Nähe zur Entstehung der Gedichte. Es geht nicht um Reflektionen über das Schreiben oder um Interpretationshilfen für den Leser.

Es geht zum einen um die klare Gegenüberstellung von Versform und Prosa (also gerade nicht um ein romantisches Verschwimmen der Grenzen zwischen Lyrik und Epik), zum anderen um das gedanklich-geistige Fluidum, in dem die Gedichte entstanden sind.

Ein in den 90er Jahren entstandener Sonettenkranz (ital. und engl. corona) beschließt das Werk –
aus gegebenem Anlass.

„Endlich mal Lyrik, die man verstehen kann, ohne dabei ins Banale oder Peinliche abzugleiten! Ammes Gedichte aus 40 Jahren, die hier in einer treffenden Auswahl präsentiert werden, gelingt es, mit Witz und Wortakrobatik im Heiteren das Politische und im Politischen das Heitere zu enttarnen, wie einst Ringelnatz, Wedekind, Rühmkorf oder Gernhardt. Mal albern, mal ironisch, mal nachdenklich, mal privat, mal hintergründig, aber immer geistreich. Man kann dem Buch nur viele Leser wünschen!“

Dr. Rainer Gerlach, Literaturwissenschaftler

Pressestimmen:

Auf der literarischen Website „Marthas Bücher“ wird „Der Amme. Poet“ mit Beispielen vorgestellt.

Vollständige Rezension der Rasteder Rundschau: RR_S36_Amme

„Amme hat in dem Buch Tagebuch-Aufzeichnungen und frühe Verse veröffentlicht. Über mehr als drei Jahrzehnte, von 1967 bis 1999 reichen die Texte. Dazwischen zitiert er Sätze von Herta Müller, Peter Sloterdijk, John Lennon, Joachim Meyerhoff und anderen. Natürlich ist es das Leben, das ihn zum Texten trieb. (…) Deutschland hat ihn zum Texten bewegt und Stubenhocker, die anderen das Leben schwer machen. Der ‚Sturm und Drang‘- Dichter Gottfried August Bürger taucht auf, dazu Georg Christoph Lichtenberg, zwei Göttinger Legenden.“
© Peter Krüger-Lenz, Göttinger Tageblatt

Im „Badische(n) Tagblatt“ hieß es unter der Überschrift „Vademecum für alle Lebenslagen“: Achim Ammes neuer Gedichtband verknüpft grazile Verskunst mit persönlichen Tagebucheintragungen. (…) Ob die Gedichte nun vom ‚Kauderwelsch der Liebe‘, von Fremdenfeindlichkeit oder der Unverständlichkeit nicht unbeträchtlicher Teile der Gegenwartslyrik reden: Nicht jeder Vers weckt sofort Genieverdacht. Doch viele – die meisten – sind immerhin geistreich und originell, dabei amüsant zu lesen.
© Hans-Dieter Fronz

Die „Cellesche Zeitung“ schrieb unter der Überschrift „Gedichte aus 40 Jahren auf 350 Seiten“: „Dabei zeigt der Lyriker sehr oft seinen Hang zum Komischen und Skurrillen mit starker poetischer Kraft.“
© Jürgen Poestges

Martin Münzberger schrieb in der „Wilhelmshavener Zeitung“ über : „… die kurzweilige Sammlung mit Versen und Tagebuchaufzeichnungen. Wer Autoren wie Robert Gernhardt oder Joachim Ringelnatz auf Grund ihres ausgeprägten Hintersinns mag, wird auch an Achim Amme … Gefallen finden.“

Petra Haase von den „Lübecker Nachrichten“ schrieb unter der Überschrift „Verse voller Witz und Tiefe“: „Achim Amme ist ein Poet. In bester Tradition, seine Gedichte erinnern an den Humor von Busch, Ringelnatz und Robert Gernhardt. (Er) macht sich auf 357 Seiten seinen meist munteren Reim auf die Welt, oft mit Hintersinn, aber nicht verkopft, zeitgeistig, aber nicht vergeistigt. Und vor allem geizt der Ringelnatz-Preisträger nicht mit Humor. (…) Zugeordnet sind den Gedichten Tagebuchaufzeichnungen. Sie korrespondieren nicht inhaltlich mit den Versen, sondern sind zeitnah entstanden. So wird das Lesen auch zu einer Zeitreise, man fühlt die jeweilige Betriebstemperatur der Bundesrepublik in den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts.“
Online heißt es dort: „Politisch. Lustig. Gut.“

Die „Cuxhavener Nachrichten“ betonten: „Dass die Traditionslinie Busch-Ringelnatz-Gernhardt nicht ganz abgerissen ist, ist vor allem älteren Autoren wie Achim Amme zu verdanken, der bereits 1986 Publikumssieger beim Joachim-Ringelnatz-Preis der Stadt Cuxhaven war. Seine Lyrik zeichnet sich oftmals durch hintergründige Ironie und zupackende Satire aus, die gleichermaßen Gehirn wie Lachmuskeln anregen. Allerdings wäre es verfehlt, wenn man ihm ausschließlich das Etikett des Humoristen anheften würde. Dazu ist seine Dichtung, die auch ernste zeit- und gesellschaftskritische Töne anschlägt sowie das Zusammen- beziehungsweise Auseinanderleben der Geschlechter mitunter scharfzüngig aufspießt, zu vielschichtig.“
Text: © Axel Kutsch

 

 

Lieferbare Titel von Achim Amme:

  • Der Amme. Poet. Frühe Verse und Tagebuchaufzeichnungen. Lyrik Bd. 150, 357 Seiten, ISBN: 978-3-86356-314-1, €[D]19,50

Eginald Schlattner: Wasserzeichen. Ersonnene Chronik. 2. Auflage 2020.

Eginald Schlattner: Wasserzeichen.  Ersonnene Chronik. 2. Auflage 2020. ISBN: 978-3-86356-216-8, Reihe Epik Bd. 87, 628 S., €[D]29,00

Eine kurze Darbietung zu WASSERZEICHEN, mein letztes Buch, so und anders. Selbst wenn es bereits Gewusstes enthält, betrachte man es als ein abschließendes Gedächtnisprotokoll.

Die Erlebnisse der letzten zwei Jahre am Deutschen Lyzeum in Kronstadt/Stalinstadt und der Sommer danach aus der Zeit im Niemandsland -zwischen Bakkalaureat/Matura und wie weiter, was nun? – spielen eine zentrale Rolle in diesem Buch – verfremdet und doch durchscheinend, eben Wasserzeichen. Die Bemühungen um eine „versöhnte Vergangenheit“ sind mit ein beunruhigendes Anliegen.

Jedoch: Ist ein Buch gedruckt, angehört es nicht mehr dem Verfasser.

Es ist in die Hände der Welt gelegt. Und verwandelt sich im Guten, im Unguten durch die, die es Lesen, wächst auf alle Fälle über sich hinaus.

Doch nachdem es heißt, der Heilige Geist Gottes hat sein Wohlgefallen an gelungenen kulturellen Schöpfungen, sage ich:

Gott befohlen.

Zu mir ein Wort:

Für mich stand das vergangene Jahr unter dem Zeichen von ‚fallen‘, war gezeichnet von „Missfällen“:

Arbeitsunfall in der Kirche beim Friedensgebet. Und dann weiter: Nach dem Hinfall unselige Fälle und Vorfälle noch und noch. Auch ein Todesfall.

Nun also: Ausfälle ja!

Aber kein Wegfall: Jeden Sonntag halte ich Gottesdienst, allerdings vor den Menschenkindern aus den Lehmhütten beim Bach. Evangelische Deutsche sind wir noch vier Greise zu begraben. Selbst die Toten sterben aus.

Dazwischen wahrlich das Ganze metphysisch überhöht von Glücksfällen.

Und wie wir es glauben wollen: Alles in allem kein Unfall! Sondern eine Kette von Fügungen. Denkbar auch als Weg Gottes da hinaus, um nachzudenken, was am Ende der Biographie als Sündenfall benannt werden sollte und vielleicht in letzter Stunde wiedergutgemacht werden kann. Über dem Portal meiner Kirche (1225) steht in Marmorlettern: Weise mir, Herr, DEINEN Weg.“

Leider Rückfall vor einem Monat, unerträgliche Schmerzen. Es geschah eines Abends wie aus heiterem Himmel, wahrlich ein Überfall. Ich tappe neuerlich mit dem Gestell zwischen Bett, Bad, Büro meines Weges.

Traumziel bleibt, wieder mit dem flotten Krückstock, wie im Sommer, hochgestimmt dahinzuwallen, so zB von der Küche bis zur Kirche, unbegleitet!

Ansonsten beschirmt Tag und Nacht die Haustochter Carmen Bianca Trandafir mit viel Lachen und in Liebe. Die sich vor sieben Jahren, spitalsreif geschlagen, aus der Lehmhütte vom Bach eines Nachts auf den Pfarrhof gerettet hat, wissend um die offene Tür hier. Ich sagte: „Bleib!“

Nach 12 Jahren ist es soweit:

Am 16 März 2018 um 17:30 stellt Frau Dr. Edith Konradt das Buch vor: Wasserzeichen. Leipziger Buchmesse, Stand Rumänien.

Selbst Manuskripte haben ihre Schicksale. Befragt im Interview über die Anfänge 2006 konnte ich mit einer Erinnerung aufwarten, die stimmig ist, aber nicht stimmen muss.

Man vergesse nicht: Als Gemeindepfarrer, beginnend mit 1978 und seit 1991 landesweit als Gefängnisseelsorger, geschieht alles Schreiben zwischendurch.

Schon die Abfolge der Titel: Die 7 Sommer meiner Mutter, Die Stacheln der Kastanie – ersonnene Chronik, Bruchstriche und schließlich WASSERZEICHEN erweisen die vielerlei Konversionen des Textes. Die Widmung ist durchgehend: MIR.

Im Nachspann ist zu lesen:

Aufgeschrieben zwischen 2006 und 2017 im orthodoxen Nonnenkloster Sfântu Spiridon am Walde und auf dem evangelischen Pfarrhof in Rothberg bei Hermannstadt in Rumänien.

Ad maiorem Gloriam Dei!

Danksagung gilt Frau Dr. Edith Konradt, Geretsried, die in dem verwickelten Text ein „inneres Gesetz“ aufgespürt hat.

Ebenso möchte ich Dank sagen Frau Heidemarie Tamar Ambros, Chemnitz, für die standhafte Begleitung der Niederschrift von den Anfängen her.

Welches das Proprium gegenüber der restlichen siebenbürgischen Literatur sein könnte?

Denkbar, dass es die erlebte Innenansicht eines orthodoxen Nonnenklosters in Rumänien ist.

Und vielleicht die Frage nach Leiden, die man anderen zugefügt hat und wo sich der Ort einer Wiedergutmachung finden ließe, wenn es von Angesicht zu Angesicht zu spät ist.

Zwei verschiedene Versionen hat der Hausverlag Paul Zsolnay, Wien abgelehnt. Jedesmal mit der Begründung, die Niederschrift reiche nicht heran an die drei Romane zwischen 1998 bis 2005: Der geköpfte Hahn, Rote Handschuhe, Das Klavier im Nebel. Man sei darauf bedacht, dass mein „guter Ruf“ als Autor nicht beschädigt werde.

Die Agentur Altas, Bern, an der Spitze die erlesene Dame Katharina Altas, hat geschlagene drei Jahre rastlos versucht, für das Manuskript einen Verlag zu gewinnen.

Post festum haben sich gleich drei Verlage gemeldet.

Darunter der vielstimmige Verlag POP, Inhaber Traian Pop, beheimatet in Rumänien, zu Hause in Deutschland.

Es ist ein letztes Wort am Ende meiner Biografie. Das letzte Wort.

Ob und wie es gehört wird?

Zwei Damen befinden, die den Inhalt am Stück kennen, und jedes Teilstück dazu!

Frau Edith Konradt: „Die Fülle von springlebendigen Gestalten und oft haarsträubenden historischen Gegebenheiten, verdichtet sich zum breiten Zeitgemälde.“

Frau Tamar Ambros: „Langwierig, aber nicht langweilig. Und Wasserzeichen kann den übrigen Büchern ‚das Wasser reichen‘.“

Auf der Himmelsleiter der Geltungen, gewiss, wünsche ich meinen Büchern einen würdigen Platz. Aber auf den obersten Sprossen der Skala gilt für mich, den Geistlichen, als triftig ungleich anderes.

Denn: Meiner Seele Seligkeit hängt nicht von den Büchern ab.

Klappentexte

Eginald Schlattners „Wasserzeichen“ bewegen sich zwischen den literarischen Genres und setzen zwei Erzählebenen sowohl gegeneinander als auch parallel. Auf der ersten, die in einem rumänischen Nonnenkloster angesiedelt ist, geht der Autor an „gottdurchlässiger“ Stelle der ihn lebenslang bedrängenden Frage von Schuld und Vergebung nach. Wobei er gleichzeitig ein ebenso einprägsames wie skurriles Bild vom orthodoxen Klosterleben entwirft. Aus dieser Gegenwart blickt er zurück auf die Gymnasialjahre in Kronstadt, damals Stalinstadt, und die Menschen, die ihm am nächsten gestanden sind. Die Fülle von springlebendigen Gestalten und oft haarsträubenden historischen Gegebenheiten, die in Form einer Romanhandlung Revue passieren, verdichtet sich zum breiten Zeitgemälde der stalinistischen Willkürherrschaft in Rumänien, die als nachhaltige Bedrohung zum Greifen nahe heraufbeschworen wird.

Eginald Schlattner, geb. 1933 in Arad/Rumänien, evangelischer Pfarrer und Schriftsteller deutscher Sprache. Betreut seit 1991 als Gefängnisseelsorger Straftäter verschiedener Konfession in den Haftanstalten des Landes.

Verurteilt in den 50er Jahren als Student in einem politischen Prozess, arbeitete er nach der Entlassung als Ziegelbrenner, bei einer Staatsfarm, an einem Bahnbau, ehe er 1969 das Studium der Hydrologie abschließen durfte. Vier Jahre später sagte er dem Ingenieurberuf ab und studierte Theologie. Nach dem blutigen Ende der Diktatur 1989 erschienen zwischen 1998 und 2005 im Zsolnay Verlag, Wien, die Romane: Der geköpfte Hahn, Rote Handschuhe, Das Klavier im Nebel. Vielfach Übersetzungen, darunter in die Kontinentalsprachen spanisch, portugiesisch, russisch, Neue Auflagen, Verfilmungen.

Rote Handschuhe, das die zwei Jahre Zellenhaft bei der Securitate in Stalinstadt thematisiert, heute Kronstadt/Brasov, figuriert unter den hundert besten in deutscher Sprache geschriebenen Büchern 1999-2001 (Goetheinstitut, Internationes).

Weitere Publikationen: Mein Nachbar, der König und Odem (Schiller Verlag, Hermannstadt/Sibiu, 2013). Zuletzt Wassserzeichen (Traian Pop Verlag, Ludwigsburg, 2018).

Eginald Schlattner lebt auf dem Pfarrhof in Rothberg/Rosia – Siebenbürgen.

Zu seiner literarischen Produktion äußerte Sigrid Löffler, LITERATUREN: „Offensichtlich ist die Geschichte der Siebenbürger Sachsen zu Ende. Aber dieses Ende ist in den Romanen von Eginald Schlatter exemplarisch aufgehoben, im Hegelschen Sinne.“ Der Verfasser selbst befindet: „Meiner Seele Seligkeit hängt nicht von den Büchern ab. Sondern dass ich Pfarrer bin, als Erstes und als Letztes und manchmal durch und durch. Somit der Imperativ: Verlasse den Ort des Leidens nicht, sondern handle so, dass die Leiden den Ort verlassen.“

Klappentext

Von Nonnen und Narren, Ikonen und Namen – eine siebenbürgische Bilderwand, durchscheinend wie Wasserzeichen. (perlentaucher.de)
Von Nonnen und Narren, Ikonen und Namen – eine siebenbürgische Bilderwand, durchscheinend wie Wasserzeichen.
Sigrid Löffler äußerte 2001 beim Poetenfest in Erlangen: „Offensichtlich ist die Geschichte der Siebenbürger Sachsen zu Ende. Aber dieses Ende ist in den Romanen von Eginald Schlatter exemplarisch aufgehoben, im Hegel’schen Sinne.“
Denis Scheck in einem Brief, Dezember 2016: „… nach dem, was ich von Eginald Schlattner kenne, darf man von Weltliteratur sprechen.“
Der Verfasser selbst befindet: „Meiner Seele Seligkeit hängt nicht von den Büchern ab. Sondern dass ich Pfarrer bin, als Erstes und als Letztes und manchmal durch und durch. Somit der Imperativ: Verlasse den Ort des Leidens nicht, sondern handle so, dass die Leiden den Ort verlassen.“

Eginald Schlattners „Wasserzeichen“ bewegen sich zwischen den literarischen Genres und setzen zwei Erzählebenen sowohl gegen-einander als auch parallel.
Auf der ersten, die in einem rumänischen Nonnenkloster
angesiedelt ist, geht der Autor an „gottdurchlässiger“ Stelle der ihn lebenslang bedrängenden Frage von Schuld und Vergebung nach. Wobei er
gleichzeitig ein ebenso
einprägsames wie skurriles Bild vom orthodoxen Klosterleben entwirft. Aus dieser Gegenwart blickt er zurück auf die Gymnasialjahre in Kronstadt, damals Stalinstadt, und die Menschen, die ihm am nächsten gestanden sind. Die Fülle von springlebendigen Gestalten und oft haarsträubenden historischen Gegebenheiten, die in Form einer Romanhandlung Revue passieren, verdichtet sich zum breiten Zeitgemälde der
stalinistischen Willkürherrschaft in Rumänien, die als nachhaltige Bedrohung zum Greifen nahe heraufbeschworen wird.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.06.2018

Rezensent Elmar Schenkel entdeckt ein Vielerlei in Eginald Schlattners „Lebensroman“. Ob es um das Verhältnis des Autors zum Glauben geht, zur russischen Orthodoxie, zum Klosterleben, um seine Erinnerungen an den Nationalsozialismus, dann den Sozialismus in Rumänien, oder um das Hadern mit sich selbst, um die Siebenbürger Landschaft oder das eigene Liebensleben, immer trifft der Rezensent auf Unkonventionelles, auch sprachlich, wenn der Autor poetische Wendungen vollzieht. Schlattners poetisches und historisches Bild Siebenbürgens bleibt Schenkel im Gedächtnis. Eine Lebensbeichte, meint er, die als Vertiefung und Erläuterung von Schlattners Romanen gelesen werden kann.

Lesen Sie die Rezension bei buecher.de

Lieferbare Titel von Eginald Schlattner:

 

 

Franz Heinz: Endzeit

 Franz Heinz: Endzeit. Roman.

Reihe Epik Bd. 112, 264 Seiten, ISBN: 978-3-86356-304-2, €[D]19,50

Endzeit geht im Kern auf den Maler Franz Ferch (1900–1981) zurück. Dieser hatte sich am Ufer der Marosch – die im siebenbürgischen Hochland entspringt und in Ungarn in die Theiß mündet – ein Haus mit Zimmer und Küche gebaut und dort, umgeben von Wassermüllern und Sandaushebern, sein umfassendes künstlerisches Werk gestaltet. Ferch erlebte beide Weltkriege und siedelte 1979 in die Bundesrepublik Deutschland aus. Seine Arbeiten spiegeln das Banat und die gewaltsamen Veränderungen, die das 20. Jahrhundert auch in Südosteuropa hinterlassen hat.
Obwohl die im Roman geschilderten Begebenheiten und Entwicklungen – wie auch die beschriebene Uferlandschaft – einen realen Hintergrund haben, sind diese nicht vordergründig als Biografie des Malers Franz Ferch zu verstehen. Allerdings tauchen Ereignisse, Schicksale und Verwerfungen auf, die bis ins Einzelne der erlebten Wirklichkeit nachgebildet sind. (Red.)

Franz Ferch wollte ein Banater Chronist seiner Zeit sein und ist es wie kein Zweiter geworden. Sein Werk illustriert die Endzeit der deutschen Siedlungen im Banat – beginnend mit den gesellschaftlichen Erneuerungs- bestrebungen nach dem Ersten Weltkrieg und bis hin zur Preisgabe einer Heimat, die nicht mehr als solche empfunden wurde.

„Ich habe 500 bis 600 Bilder gemalt, die in aller Welt verstreut sind. Wo sie sind, das weiß ich nicht“, resümierte der Künstler. Zahlreiche seiner Bilder befinden sich in den Archiven der Banater Museen, andere sind in den Wirren der Kriegs- und Nachkriegs- jahre verloren gegangen. Viele sind im Besitz der heute in Deutschland und Österreich lebenden Banater Schwaben – wie Ikonen behütet als Angebinde der besonderen Art.
Franz Heinz

Den bekennenden Banater Schwaben und reisefreudigen Europäer, den heimatverbundenen und weltläufigen Schriftsteller und Herausgeber, den Essayisten und Kunstkritiker Franz Heinz gilt es zu würdigen, sein Lebenswerk in den Blick zu nehmen. (…) Man sieht es ihm nicht an und erst recht nicht seiner Arbeit. Er ist wie eh und je präsent in der Öffentlichkeit, publiziert literarische Texte, Be- trachtungen über Literatur und Kunst, essayistische Erinnerungsberichte und setzt mit seinen Vorträgen Akzente bei wissenschaftlichen und kulturellen Tagungen. (…) Er schreibt und schreibt. Und er hat immer Reisepläne, ist häufig unterwegs. Aber alles ohne Hast, sondern mit der ihm eigenen Gelassenheit und Gründlichkeit.

Walter Engel

Lieferbare Titel von  Franz Heinz:

  • Endzeit. Roman. Reihe Epik Bd. 112, 264 Seiten, ISBN: 978-3-86356-304-2, €[D]19,50

Harald Gröhler: Astreines Alibi. Kriminalroman

Harald Gröhler: Astreines Alibi. Kriminalroman

Reihe Epik Bd. 114, 264 Seiten, ISBN: 978-3-86356-306-6, €[D]19,50

Geschichten lesen und sie gleich wieder vergessen? Von der Art sind Harald Gröhlers neue Stories nicht. Eine der Geschichten: Die Flüchtlinge … nähern sich. Und was ist nun los? Hier zeigen sich die Einheimischen von einer verflucht neuen Seite. Keine Frage, das meiste fällt da peinlich aus. Jede der acht Stories hat aber auch autobiografische Züge.
Allen acht Geschichten liegen illegale Vorgänge zugrunde. Oder mindestens ein skurriler Vorgang. Gröhler sagt: Eine einfache Wahrheit ist heute nicht zu haben.
Immer wieder beschäftigt sich der Autor Gröhler mit Personen, die sich als ungezähmt, unangepasst, als aufsässig zeigen; mit Personen, die sich von etwas freimachen wollen; mit Menschen, die versuchen, eine Decke über sich zu durchstoßen. Und oft ist kein Mann, sondern eine Frau die treibende Kraft. Die Frauen haben nicht selten den aktiveren Part.
Der Autor Gröhler rollt den Zusammenhang der Generationen auf; er beschäftigt sich damit, wie sich die Generationen heute abstoßen. Wahrheitsfindung, Gedächtnis, Geschlechtlichkeit, Grenzerfahrung, das sind Gröhlers Themen. Er sagt: „Ich habe die Literatur als etwas kennengelernt, das allen Systemen, die sie einfangen möchten, Widerstand leistet.“
Manchmal spielen sich Gröhlers Stories in historisch bedeutsamen Örtlichkeiten ab. In dem Dom zu Naumburg; in der Wiener Hofburg; dem Ilmtal Goethes vor Weimar (Weltkulturerbe). Zum Teil haben die Geschichten auch eine kindliche oder zumindest knapp jugendliche Perspektive. Was Gröhler fasziniert, sind die Übergänge von der Kindheit zur Jetztzeit. Es ist nicht zu viel gesagt, dass hier jemand die Visionen seiner Jugend zu verbinden sucht mit dem Realismus und der Nüchternheit des Erwachsenendaseins.

Lieferbare Titel von Harald Gröhler:

Wolfgang Schlott: Kriminelles und Abwegiges

Wolfgang Schlott: Kriminelles und Abwegiges
Skurrile Erzählungen

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Reihe Epik Bd. 111; ISBN: 978-3-86356-302-8; 195 Seiten, €[D]16,50

Die Erzählungen bilden einen Ausschnitt aus den vergangenen zwanzig Jahren meines literarischen Schaffens. Sie verbinden das Genre des Kriminalromans mit grotesken Visionen und skurrilen Inspirationen. Dabei bedienen sie sich abwegiger und merkwürdiger Ereignisse, indem sie aus der Perspektive komischer Zeitgenossen und kauziger Persönlichkeiten ihre Welt auf den Kopf stellen oder selbst Opfer ihrer merkwürdigen Handlungen werden. Ihre Erzähler schlüpfen dabei in unterschiedliche Rollen und verletzen bewusst liebgewonnene Tabus. Alle Sujets stammen aus dem gegenwärtigen und einstigen zweigeteilten Deutschland wie auch der Tschechoslowakei nach dem „Prager Frühling“.
Übereinstimmungen mit noch lebenden Persönlichkeiten sind rein zufällig. Ihre Konturen verblassen, je länger sich Leser/innen während des Erzählvorgangs mit den Personen der Handlung identifizieren.
Wolfgang Schlott

In der hier vorliegenden Sammlung von Erzählungen wendet Wolfgang Schlott virtuos unterschiedliche Erzähltechniken an, die von der Ich-Perspektive, dem Kommentar, einer Art Drehbuch im Stile eines Tatort-Krimis in der ARD bis hin zu skurrilen Elementen reichen. Überhaupt das Skurrile: Was im wissenschaftlichen Betrieb ‚abwegig‘ wäre, ist in einer Erzählung wie etwa „Märtyrer gesucht“ bis zum Lächerlichen überzeichnet, weil deren Quellen manipuliert sind (oder sein könnten) und die handelnden Personen als Sekte ‚kriminell‘ agieren. Dieser ‚gegenstandslosen‘ Wissenschaft entspricht der sich ‚auflösende‘ Erzähler inmitten einer Konstellation aus Verlogenheit, Anmaßung und Fake-News. (…) Für Wolfgang Schlott ist Erzählen ein Grenzgang zwischen starker Imagination, Verzauberung und Entzauberung, Austesten der Handlungsmöglichkeiten, bitterem Ernst und Schalk, Einsicht in die Vergeblichkeit und dem Reiz am steten Neubeginn. Erzählen ist für ihn Beruhigung durch das Schreiben selbst: nämlich eine Spur zu legen, die bleibt.
Frank Eckart

Lieferbare Titel von Wolfgang Schlott:

Heimat – gerettete Zunge. Visionen und Fiktionen deutschsprachiger Autoren aus Rumänien, 2013, Eine literarische Begegnung. Mit einem Vorwort von Prof. Dr. Wolfgang Schlott. Horst Samson (Hrsg.), Ingmar Brantsch,Hans Bergel, Walter Engel,Ilse Hehn, Franz Heinz, Klaus Hensel, Franz Hodjak, Johann Lippet, Dieter Schlesak, Olivia Spiridon, Horst Samson, Peter Motzan, Gerhard Ortinau, Friedrich Schuller, Hellmut Seiler, Balthasar Waitz:  Heimat – gerettete Zunge. Visionen und Fiktionen deutschsprachiger Autoren aus Rumänien.  (UNIVERSITAS Sammlung) 373 S. ISBN:  978-3-86356-051-5, € [D] 25,– € [AT] 25,– SFr [CH] 35,-

– Heidrun Hamersky, Ilse Hehn, Wolfgang Schlott (Hrsg.): „Die Sehnsucht, die ist mir so leicht“ Schreiben im Exil. Fragmentarium; 282 Seiten, 19,90 €
ISBN 978-3-86356-131-4

Kriminelles und Abwegiges. Skurrile Erzählungen. Reihe Epik Bd. 111; ISBN: 978-3-86356-302-8; 195 Seiten, €[D]16,50

 

Frieder Schuller: Ossis Stein

Frieder Schuller: Ossis Stein. Zwei Theaterstücke. Reihe Theater Bd. 3; ISBN: 978-3-86356-305-9; 175 Seiten, €[D]16,50

„Ossis Stein oder Der werfe das erste Buch“ erlebte 2012 am Radu-Stanca-Nationaltheater in Hermannstadt/ Sibiu seine Uraufführung.
In der Heimatstadt des 1926 geborenen Oskar Pastior, der im Freundeskreis „Ossi“ genannt wurde und von der Securitate den Decknamen „Otto Stein“ erhielt. Frieder Schuller kannte Oskar Pastior in den Jahren nach dessen Rückkehr von der Zwangsarbeit in der Sowjetunion, als der Dichter sein Brot als Rundfunkreporter verdiente. Frieder Schuller lernte aber auch die Durch- triebenheit der Securitate-Mitarbeiter kennen.
Das heikle Sujet um Widerstand, Erpressbarkeit, Würde, Not, Kompromiss, Verstrickung und Mitläufertum in einem totalitären Regime mit vergifteten Tentakeln versetzte der Autor in ein Skript, in das die Lyriksprache von Pastior und auch Gedichte von ihm einflossen.
„Ich bin Schriftsteller, außerhalb meiner Gedichte existiere ich nicht“, verkündet Ossi. Eine verzweifelte Ausflucht?!
Die Darstellung des Spannungsfeldes zwischen dem Streben, Literatur zu schreiben, und den Kompromissen, die eingegangen wurden, um veröffentlichen zu dürfen, ist gelungen.
Das Drama erlebt seinen Höhepunkt und das Ende mit der Vergewaltigung der Poesie durch den in Offiziersuniform gekleideten Genossen Dan, während der Dichter mundtot gemacht wird:
Handlanger Paul presst ihm eine Zeitung auf den Mund.
Geworfen wird kein Stein auf Ossi in der Inszenierung in Hermannstadt. Gezeigt wird der Stolperweg eines genialen Dichters und Menschen in Grenzsituationen.
Hannelore Baier

Lieferbare Titel von Frieder Schuller:

Heimat – gerettete Zunge. Visionen und Fiktionen deutschsprachiger Autoren aus Rumänien“, 2013, Eine literarische Begegnung. Mit einem Vorwort von Prof. Dr. Wolfgang Schlott. Horst Samson (Hrsg.), Ingmar Brantsch,Hans Bergel, Walter Engel,Ilse Hehn, Franz Heinz, Klaus Hensel, Franz Hodjak, Johann Lippet, Dieter Schlesak, Olivia Spiridon, Horst Samson, Peter Motzan, Gerhard Ortinau, Friedrich Schuller, Hellmut Seiler, Balthasar Waitz:  Heimat – gerettete Zunge. Visionen und Fiktionen deutschsprachiger Autoren aus Rumänien.  (UNIVERSITAS Sammlung) 373 S. ISBN:  978-3-86356-051-5, € [D] 25,– € [AT] 25,– SFr [CH] 35,-

Ossis Stein. Zwei Theaterstücke. Reihe Theater Bd. 3; ISBN: 978-3-86356-305-9; 175 Seiten, €[D]16,50

 

Klaus Martens: 75 Gedichte. Bei den Stachelbeergärten.

Klaus Martens: 75 Gedichte. Bei den Stachelbeergärten.  Reihe Lyrik Bd. 147. 93 S., Kartoniert, mit Schutzumschlag (bedruckt). 978-3-86356-287-8, €[D] 14,50

Umschlagbild: Stachelbeeren, Eva Martens 2019
Autorenfoto: Foto © Konstantin Martens

Dieser 18. Gedichtband von Klaus Martens ist ein weiterer Höhepunkt seiner Arbeit aus seiner reifen Lebens- und Schaffensphase. In seinem Bestreben aus der Alltäglichkeit in oft alltäglicher Sprache mythische Dimensionen des Lebens zu erfassen, bietet das vorliegende Buch, das zu seinem 75. Geburtstag erschien, imponierende und perfekte Texte, die den Leser ergreifen.

Die ersten vierundsechzig der hier veröffentlichten Gedichte erschienen zum 75 Geburtstag des Autors in einer Sonderausgabe: Stachelbeergärten. ISBN 978-3-86356-281-6; €[D]49,50. Diese Exemplare, nummeriert von 1 bis 75, sind auf Caribic sandbraun 120g/qm 1,3-faches Volumen Papier gedruckt (Umschlag: 250g/ qm SoporSet, Schutzumschlag: 250g/qm SoporSet), wurden vom Autor einzeln signiert.

 

(Wir haben) mit Martens einen erstklassigen Lyriker, jemand der eine sichere, eigene Sprache hat.  Ein Schatz.
Frank Milautzcki

Es spricht für den Lyriker Martens, dass er sich nicht in einen Schublade stecken lässt und er andererseits nicht meint, zu allem etwas sagen zu müssen. Mit Worten kämpft er allenthalben gegen Flachheit und Abstumpf- ung. Er trotzt der Selbstvergessen- heit und deren Waffen . . .
Ein Höhlenforscher ist dieser Martens, der weiß, dass man lange graben muss, um das Ich und seine Empfindungswerkzeuge wieder freizulegen. Wie heißt es in einem der schönsten Gedichte („Speleo- loge“)? „Doch irgendwann / wird Licht hineingetragen, wird Ver- stecktes / aus dir heraus gegraben, gedreht und untersucht, / geflickt oder so belassen, wie es ist, dort drinnen, / in der Spelunke, wo du geborgen warst.
Christoph Schreiner

Zwischen literarischem Liebes- und Prokrustes-Bett ist das Leben des Dichters nicht einfach. Klaus Martens scheint die Vorteile und Nachteile von leben, um zu schreiben, und schreiben, um zu (über)leben, sehr wohl zu kennen. Er bewegt sich zwischen höchster Detailgenauigkeit und Karikatur, ohne sich für eine der zwei Optionen zu entscheiden. Dadurch entsteht ein raffiniert geschliffener Spiegel unser Welt, in dem sich jeder von uns wiedererkennen kann.
Traian Pop Traian

Lieferbare Titel von Klaus Martens:

Wendel Schäfer: Freigang der Käuze

Wendel Schäfer: Freigang der Käuze. Von Schelmen, Tröpfen, schrägen Vögeln. Illustration und Coverbild: Michael Schaffer. Reihe Epik Bd. 106; ISBN: 978-3-86356-278-6; 244 Seiten, €[D]19,50

„Bemerkenswerte Literatur verspricht keine Lösungen, sondern zeigt Verhältnisse und Verstrickungen auf, fasst den Geist ihrer Zeit, ohne im Gewand des Zeitheistigen aufzutreten. Auch wenn es wohl bis auf weiteres nur wenige bemerken werden, Schäfers Kurzprosa zählt zu dieser Literatur.  Und – Schäfers Prosa eignet ein Alleinstellungsmerkmal.“ Klaus Wiegerling

 

Die Protagonisten, Männer meist, weil Torheiten, Irrationalem und allerlei Abwegigkeit zugänglicher als Frauen. Es sind Antihelden, die aus der Zeit gefallen sind. Sie verdienen weniger Bewunderung als Mitleid. Sie wähnen sich unverstanden, zurückgesetzt, ja, diskriminiert. So suchen sie ihr ‚Heil‘ in der Flucht aus der Wirklichkeit und führen ein Innenleben mit vermeintlichem Komfort. Sie verwandeln sich, schlüpfen in seltsame, ja, waghalsige Rollen und vollführen groteske Seitensprünge. Sehr oft allerdings enden diese Eskapaden tödlich. Viele Texte sind Umkippgeschichten. Einmal angefangen, weiß der Leser nicht, worauf er sich da eingelassen hat.

Kritikerstimmen:

Nicht ins groteske Gestrüpp menschlicher Begehrlichkeiten führen diese Texte, sondern in den Dschungel absurder Monstrosität.
Ein literarisches Abenteuer – le- senswert.
SCRIPTUM

Die Prosa ist fassbar, greifbar, phantastisch, lebensnah, etwas verrückt, wie das Leben nun einmal sein kann. O poetes soyez fous. (A. Rimbaud) … Wendel Schäfer ist wie Wein zu Kanaan – unerschöpflich und gut.
Robert Schaus

Das Beste, was ich in letzter Zeit gelesen habe: meisterlich, perfekt. Hierüber sprechen wir auf gleicher Augenhöhe.
Katja Lange-Müller

In Zeiten der Redseligkeit sind Wendel Schäfers Kurzgeschichten in knapper, aber präziser Sprache Auskunft über Formen menschlicher Existenzen über eine mal surreale, mal tragische Welt, in der sich schräge und teilweise verstörende Gestalten versuchen zurechtzufinden. Es geht um skurrile, gemeine, bemitleidenswerte, verrückte und rätselhafte Menschen, vor allem auch um die unergründlichen Bereiche des menschlichen Daseins. Schäfers minimalistischer und konstruktiver Schreibstil besteht hier und da aus Brüchen im Sprachduktus und betont die satirische Kurzprosa umso mehr.
Nasanim Ates

Schäfers Kurzprosa beschreibt die ganz eigenen Welten skurriler Charaktere und liegt mit durchgehender Entrücktheit wohl recht quer zum literarischen Tagesgeschäft … Verschrobene anfänglich eher harmlose Aktionen führen durch unerwartete Mutation ganz neue, ungeahnte Ereignisse herbei. Diese sind oft terminal, zumindest katastrophal, dabei dunkel bis schwarz. – Unterhaltsam – und lehrreich.
Michael Schaffer

Den bei der Buchvorstellung im belgischen St. Vith hochgelobten Prosaband werden Sie vergeblich zwischen Bestsellern stapeln, und er ist alles andere als ein Urlaubsschmöker. Schäfer liefert das literarisch Feine, Geschliffene, das Wort für Wort Durchdachte und gehört damit nach den Worten seines Laudators Prof. Wiegerling zu einer Spezies von Autoren, die uns staunen lässt. Wir staunen über Vielfalt, verblüffende Einfälle und literarischen Artenreichtum.
Ernst Heimes

… überhaupt sind Schäfers Texte von wohltuender Knappheit, gerade in Zeiten bloßer Ge- schwätzigkeit.
Rainer Wedler

Wendel Schäfer weiß als Autor noch, wie Originale aussehen. Er vermag sich in sie hineinzu- versetzen, ja, mit zunehmender Lebenserfahrung findet er eine umso tiefere Freude an solch sanften Verrücktheiten. Wendel Schäfer beschreibt unnormale Menschen, welche eigene Ziele verfolgen. Das macht sie dem Leser interessant. Schäfer stellt das so fein ziseliert dar, dass wir Lesende rasch begreifen, wo- rum es dem einsamen Menschen geht. Ein feinsinniger und le- senswerter Blick zurück in die Vergangenheit.
Barbara Höhfeld

Es steckt Verführungslust in den grotesken, absurden, abenteuerli- chen, vielleicht auch spinnerten Texten … Ein vergnügliches Lesen auf den Innenlippen … eine Besonderheit schon diese sprachlichen Ausflüge in den Schmelztiegel überlieferter und neuester Wortmittel.
Elisabeth Alexander

Es sind eigenartige Typen und Charaktere, die Wendel Schäfer entwirft. Skurrile, ja, bizarre Ty- pen, die so gar nicht in die normale Welt passen. Der Autor versammelt Kurzprosa, die sich mit gängigen Kurzgeschichten nicht vergleichen lässt. Die Handlungen beschreibt der Autor mit einer Sprache, die nur einer beherrscht, dem es nicht darauf ankommt, möglichst viel zu schreiben, sondern Außerge- wöhnliches, Einprägsames und Unvergleichbares. Da wird kein Wort willkürlich gewählt, son- dern alle werden sie sorgfältig auf ihre Treffsicherheit und Bild- haftigkeit hin abgeklopft. Sprach-
liche Leckerbissen gibt es damit zuhauf.
Peter Lindemann

Lieferbare Titel von Wendel Schäfer:

Anton Sterbling: Klimadelirium und andere furchtbare Erzählungen

Anton Sterbling: Klimadelirium und andere furchtbare Erzählungen. Reihe Epik Bd. 113; ISBN: 978-3-86356-303-5; 244 Seiten, €[D]16,90

Ein Mönch, der nach einem Pakt mit dem Teufel ewig lebt, der jahrhundertelang durch die schwermütige Geschichte des Balkans irrt und zugleich weit in eine bizarre Zukunft der Welt blickt. Ein Amerikaheimkehrer und Großbauer, der mit dem kommunistischen Regime zum Kutscher wird und dessen jahrzehntelang verwirrte Nachbarin, die beide plötzlich unter einen Mordverdacht geraten. Ein leitender Angestellter einer internatio­nalen Versicherung, der seine Securitateakten erhält und in große Verwirrungen gerät. Ein Junior-Professor und eine polnische Studentin, die sich an einem Nacktbadestrand zwei sehr unterschiedliche Geschichten aus der Vergangenheit und Gegenwart erzählen. Schließlich ein Professor der frühneuzeitlichen Literatur, den der Begriff „Klimadeli­rium“ intellektuell herausfordert und zugleich aus den gewohnten Lebensbahnen bringt. Fünf Erzählungen, die über einige Motive und einzelne Gestalten locker miteinander verstrickt sind und die alle irgendwie mit dem Balkan und vor allem mit denkwürdigen Fragen des menschlichen Lebens zu tun haben.

Lieferbare Titel von Anton Sterbling:

Wjatscheslaw Kuprijanow: Der Bär tanzt

Wjatscheslaw Kuprijanow: Der Bär tanzt . 57 Seiten. Reihe Lyrik Bd.38
ISBN 978-3-937139-96-8; €[D]10,00.

Lieferbare Bücher von Wjatscheslaw Kuprijanow:

– Der Bär tanzt . 57 Seiten. Reihe Lyrik Bd.38
ISBN 978-3-937139-96-8; €[D]10,00.

Ihre Thierische Majestät, Roman, Aus dem Russischen übersetzt von Peter Steger. Reihe Epik Bd.28. ISBN 978-3-86356-008-9; €[D]16,00

– Verboten. Reihe Lyrik Bd.51
ISBN 978-3-86356-031-7; €[D]16,50.

– Wilder Westen. Reihe Lyrik Bd.66
ISBN 978-3-86356-065-2; €[D]17,50.

Hard Rock. Für Udo Lindenberg. Freie und andere Verse. Aus dem Russischen übersetzt von Peter Steger. Reihe Lyrik Bd.75. 119 Seiten, ISBN 978-3-86356-103-1, €(D]15,50

Dinu Flamand: Zwischenfrost / Frigul intermediar

Dinu Flamand: Zwischenfrost / Frigul intermediar. Gedichte. Deutsch / Rumänisch. Aus dem Rumänischen von Edith Konradt. Reihe Lyrik Bd. 144, 273 S., ISBN 978-3-86356-299-1, €[D]19,50 

 

 

 

„draußen ist die Welt mit ihrem Gleißen eine Nähe,
die sich ständig entfernt,
und weil sie alles enthält, von dem wir glauben,
dass es als Welt in der Welt vorhanden sein müsste,
hat niemand mehr in ihr Platz,
am allerwenigsten ein blinder Passagier des Schicksals …“

„… und du begreifst,
dass du nie irgendwohin fortgegangen
und nie irgendwo angekommen bist,
denn das Exil ist eine Verlängerung
des ständigen Zögerns
mit etwas lächerlich Schmerzhaftem
als ultimative Botschaft – ein Kind,
das vor dir auf dem Weg Grimassen schneidet
und dir ins unbekannte Dorf voraushüpft

es gibt kein anderes Dorf,
in dem du länger wohnen könntest,
als du bisher dir selbst fern warst“
Dinu Flamand

„Schreiben, also die Poesie leben, ist eine seltsame Erfahrung, die Intensität offenbart – ein anderes Wort für Gefühl. Manchmal ist das Material schlecht und verhöhnt das Kriterium der Vielfalt, das unserer Epoche so lieb und teuer ist. Aber die Intensität sollte immer maximal sein, unerträglich, eine Spitze im Diagramm des Flachreliefs unseres Lebens … Und jedes Mal, wenn sie groß ist, wird es eine heftige Offenbarung, eine halluzinatorische Klarheit. Schreiben schließt unser Inneres mit ein, die Essenz unseres Seins beginnt mit dem Inneren. Aber die Annäherung – durch oder für einen Text – ist eine Art unerwartetes Geschenk von außen, von einer privilegierten Position aus. Man sieht sich selbst den Text führen und sieht, wie man durch ihn geführt wird … Man arbeitet nicht im direkten Einklang mit der Realität. Unsere Intelligenz und unsere Seele elaborieren intensiv jene Momente der Synthese von Erfahrungen und Möglichkeiten, um auf eine Frage zu antworten: Wie soll man leben auf der Welt? Der Poesie muss eine dichterische Erkenntnis vorausgehen. Um dorthin zu gelangen, ist die Erfahrung eines Lebens nicht genug … Heutzutage käuen alle Ziegen poetisches Heu wider. Und in der mechanischen Wiedergabe von Gemeinplätzen begreift man die Poe­sie wie einen verschwommenen Spiegel, der die Welt einfängt, reduziert auf ihren ornamentalen Aspekt. Eigentlich empfängt man
die Poesie niemals wie ein Objekt, man geht auf sie zu, man sucht und provoziert sie. In Momenten von seltener und scheuer Schönheit zeigt sie sich, manchmal, unter einem funkelnden Symbol. Solch ein Spatz näherte sich dem Dichter Vladimir Holan auf einer Bahn­station, als er sein Bündel öffnete, um den Proviant herauszuholen. Und der Dichter verstand, dass dieser Vogel ein Botschafter des Todes ist.“
Dinu Flamand im Interview mit Levure littéraire (2015)

„Jedes Gedicht bleibt, wenn es wahrhaftig ist, ein Mysterium“, hielt Pierre Jean Jouve fest … Ja, liebe Leser, Sie müssen auch mit der Lyrik von Dinu Flamand so verfahren wie mit jeder echten Poesie (also jener, die ohne Zierrat die Komplexität des Lebens umarmt): Sie müssen auf sie zugehen, sie willkommen heißen, in sie eindringen und sich in ihr verlieren, wenn Sie ihren Botschaften auf die Spur kommen wollen … Sie präsentiert unentwegt, gleich einem Mal auf der Stirn, die Wunden und Narben, die das Leben uns hinterlässt, weil wir es schuldhaft zu sehr lieben und zu sehr wünschen, dass es die Versprechen einlöst, die es uns in der Kindheit gab, als es uns die ganze Welt als Geschenk verhieß … Dinu Flamand ist sehr wohl bewusst, dass dichten auch bedeutet, „das Mark des Schreis aufzusaugen“. Um welchen Schrei es dabei geht? Jenen von Edvard Munch sicherlich, den metaphysischen Angstschrei angesichts der unbarmherzigen Gewalt der Fakten: der Fakten der Existenz, der Fakten der Geschichte … Das alles wird begleitet von der Sehnsucht und dem Schönheitsempfinden angesichts des vollkommenen Glücks, mit dem die Sonne wärmt und die Ähren wachsen. Diese Übereinstimmung kann nicht aufgelöst werden, sie ist ontologisch … Tatsache ist, dass wir unmögliche Wesen sind – eine Unmöglichkeit, der wir uns Tag für Tag ausgesetzt sehen: Wir leben mit dem Tod in uns, mit der Zeit, die uns zermahlt, so wie wir auch zwischen den Motten leben, „die Löcher in die Landschaft fressen“. Ich kenne kein anderes Bild, das diese Wahrheit präziser und radikaler wiedergeben würde, als eines von denen, die unser Dichter dafür gefunden hat: Wir leben „mit dem aufgewickelten Bandwurm der Zeit in den Eingeweiden“.
Jean-Pierre Siméon

Lieferbare Titel von Dinu Flamand: Zwischenfrost / Frigul intermediar. Gedichte. Deutsch / Rumänisch. Aus dem Rumänischen von Edith Konradt. Reihe Lyrik Bd. 144, 273 S., ISBN 978-3-86356-299-1, €[D]19,50 

Ioona Rauschan: Abhauen

Ioona Rauschan: Abhauen, Roman. Reihe Epik; 336 Seiten, ISBN:  978-3-937139-52-4, €[D]19,20

ADZ, Zwischen den Welten: Ioona Rauschan. Eine Temeswarer Persönlichkeit im fernen Deutschland. Von: Robert Tari

Es ist eine Irrfahrt auf der Suche nach einer Person, die man nie kannte. Man wird unweigerlich zum Detektiv, indem man Indizien sammelt und Zeugen befragt. Dabei klammert man sich an jedes einzelne Wort von Menschen, die vielleicht die Antworten kennen. Eine Antwort gibt es nie.

Stattdessen entsteht unweigerlich eine Collage, bestehend aus unterschiedlichen Auffassungen über eine Person, die jeder scheinbar anders kannte. Irgendwo überschneiden sich die Bilder, doch gleichzeitig gehen sie an anderer Stelle auseinander. Es beweist nur, wie komplex ein Menschenleben sein kann, und wie wenig wir manchmal den anderen kennen.

Ioona Rauschan starb am siebten Februar 2010 in einem Krankenhaus in Düsseldorf. Sie war schon länger krank gewesen, im Sommer 2009 diagnostizierten Ärzte bei ihr Lungenkrebs. Es war der letzte Kampf, den sie austragen musste. Zehn Monate später begab sich ein junger Mann nach Düsseldorf, um einer Gedenkveranstaltung beizuwohnen, die Ioona Rauschan gewidmet war.

Ihre Freunde in Deutschland hatten für einen Abend das Filmkunstkino Black Box gemietet und zeigten eine Auswahl ihrer Dokumentarfilme. Ioona Rauschan war freiberufliche Regisseurin gewesen, hat über 20 Filme gedreht. In den letzten zwei Jahren ihres Lebens leitete sie zusammen mit dem Freiberufler Sasha Sonnwald ein kleines Medienunternehmen, das sie „Working Headquarters“ tauften. Es war ein intimer Abend unter Freunden und Bekannten. Hier wurde einer Künstlerin gedacht, in einem der wichtigsten Kulturzentren Deutschlands. Fremde waren kaum anwesend. Eine kleine Annonce in der Zeitung hatte die Veranstaltung angekündigt. Im kulturellen Alltag Düsseldorfs ging jener traurige Abend unter. So hart kann das deutsche Kulturgeschäft sein.

In der Heimat gefeiert

Nur Wochen später schaute es in ihrer Heimatstadt Temeswar anders aus. Eine Woche lang wurde Ioona Rauschan gedacht. Nicht nur ihre Filme wurden vorgestellt, sondern auch ihre anderen künstlerischen Tätigkeiten. Als „Uomo universale“ wurde sie beschrieben, als eine echte Temeswarer Persönlichkeit.
Als Künstlerin war sie vielfältig gewesen: sie schrieb, sie malte, sie sang, sie produzierte Filme und früher sogar Puppenspiele. Sie hatte Kunst gelebt. Auf ihrer offiziellen Internetseite schrieb Rauschan: „Worte, Bilder und Klänge sind für mich die Elementarteilchen der Kommunikation und ein Medium ist die Zeitraumwarte, von der aus ich ihr flüchtiges Spiel erspähen kann.“

1994 produzierte Ioona Rauschan ihren ersten Dokumentarfilm in Deutschland: „Porträt eines Künstlers als reifer Mann“. Die Produktion hatte sie selbst finanziert. Ein Beweis für ihre Entschlossenheit und Bereitwilligkeit. Enge Freunde haben sie anders nie gekannt.

Mit dem Film hatte sie einen entscheidenden Schritt in eine neue Karriere getan. Nach Deutschland kam sie 1988. In Rumänien arbeitete sie in den 1980er Jahren am Puppentheater Merlin. „Als Ioona zum Theater kam, löste sie einen Sturm aus“, beschrieb eine ehemalige Puppenspielerin Rauschans Einfluss auf das Theater. Sie hätte die Schauspieler wachgerüttelt und sie aus ihrem lethargischen Alltag herausgeholt. Dabei scheute sich Rauschan nicht davor, ihre Meinung offen zu sagen und ihren Standpunkt zu vertreten.

Sie sorgte auch durch ihre Kreativität für frischen Wind im verstaubten Puppentheater. 1986 durfte Rauschan auf dem Regiestuhl Platz nehmen und inszenierte das Kinderstück „Mowgli – Das Dschungelkind“, eine freie Adaption nach Rudyard Kiplings Erzählung „Mowgli“ aus der „Dschungelbuch“-Sammlung. In dem Stück nahm auch eine 19-jährige Schülerin teil, die Rauschan zufällig entdeckte und unbedingt für die Rolle des Dschungelkindes in ihrem Stück haben wollte. Heute ist Éva Labadi-Megyes die Intendantin des Puppentheaters Merlin und eine erfolgreiche Puppen- und Schauspielerin. „Ich konnte damals das Wort şobolan (dt. „Ratte“) nicht richtig aussprechen, wegen meines ungarischen Akzentes“, erinnert sich Labadi-Megyes. „Ich betonte immer das „SCHO“ und sagte SCHO-bolan. Ioona setzte sich dann mit mir hin und half mir, meinen Sprachfehler zu korrigieren.“

Im November 2010 setzte sie Ioona Rauschans Stück „Mowgli – Das Dschungelkind“ neu auf. Das moderne Bühnenbild wurde von Vlad Trif erstellt, ein enger Freund der verstorbenen Künstlerin. Viele Freunde Rauschans beteiligten sich an der Gedenkwoche, in der eine Ausstellung organisiert und die rumänische Fassung ihres einzigen Romans vorgestellt wurde.

Der treibende Motor war ihr Stiefbruder Radu Dimeca gewesen. Er gründete nur wenige Monate nach dem Ableben seiner Schwester einen Kulturverein in Temeswar. Die Hauptaufgabe: Das Andenken Ioona Rauschans zu bewahren und ihre Werke auch in ihrer Heimatstadt Temeswar bekannt zu machen. „Ioona leistete überall einen Beitrag. Egal wo sie war, sie machte immer auf sich aufmerksam“, beschreibt Dimeca seine Schwester.

Abhauen…

Im Mittelpunkt der Gedenkwoche stand Ioona Rauschans Roman „Abhauen“. Das Buch schildert die Erlebnisse von sechs Menschen an einem Februarsonntag im Jahr 2000, kurz nach der Millenniumswende, die sich mit ihrer eigenen Sterblichkeit auseinandersetzen. Ironischerweise starb Rauschan genau ein Jahr nachdem ihr Roman erschien: an einem Sonntag im Februar. Fast prophetisch erscheint der Roman Rauschans. „Das Buch zeigt nicht, wie schwer es ist zu sterben. Es zeigt, wie schwer es ist zu leben, sobald man verstanden hat, was es bedeutet zu sterben“,  meint die Übersetzerin des Buches, Raluca Ciortan. Auch sie beteiligte sich intensiv an den Vorbereitungen für die Gedenkveranstaltungen. Für Ciortan weise das Buch autobiografische Züge auf. Eine Einschätzung, die sie mit vielen Lesern teilt, die Rauschan persönlich kannten. „Als Ioona einmal darauf angesprochen wurde, hat es sie rasend gemacht“,  meint Monika Boll, eine enge Freundin Rauschans aus Düsseldorf.

Auf der Leipziger Buchmesse wurde ihr Roman übersehen. Das Buch veröffentlichte sie beim Pop Verlag aus Stuttgart. Der Geschäftsführer Traian Pop druckt rumäniendeutsche und rumänische Schriftsteller. „Sie war darüber sehr enttäuscht, wie es auf der Messe lief,“ meint Sasha Sonnwald. Bei der Lesung nahmen nur eine Handvoll Leute teil. Darunter der rumäniendeutsche Schriftsteller Ingmar Brantsch. Rauschan hoffte, auf sich aufmerksam machen zu können, auf einer der größten Buchmessen Deutschlands.

Im Sommer 2009 hatte sie bereits ihr nächstes Buch begonnen. Schauplatz der Handlung sollte unter anderem ihre Heimatstadt Temeswar werden. „Ich glaube, dass sie Temeswar vermisst hat“, vermutet Radu Dimeca. Anders als seine Schwester und seine Eltern ist Dimeca nicht nach Deutschland ausgewandert. Heute ist er ein erfolgreicher Unternehmer.

Die Erinnerung wahren

Der Verein selbst bemüht sich weiterhin, die Erinnerung Rauschans zu bewahren. Zum zweiten Todestag der Künstlerin wird im Puppentheater „Merlin“ ein Gedenkabend veranstaltet. Neben Auszügen aus dem Stück „Mowgli – Das Dschungelkind“ soll auch das Stück „Giovannino ohne Furcht“ aufgeführt werden. „Wir haben für 2012 mehrere Veranstaltungen geplant, die Ioonas künstlerische Vielseitigkeit hervorheben sollen“, sagt Radu Dimeca.

Lesungen, Filmvorführungen und eine Ausstellung sind für das Frühjahr geplant. Raluca Ciortan arbeitet an einer Sammlung von Kurzgeschichten, die Rauschan in den 1970er und 1980er Jahren schrieb.

Viele kulturelle Persönlichkeiten aus Temeswar haben Ioona Rauschan gut gekannt. Der Direktor von TVR Timişoara, Lucian Ionică, hatte einen Science-Fiction Roman geschrieben. Rauschan schrieb die erste Kritik dazu. Die Leiterin des rumänischen Kulturinstituts aus Bukarest, Brînduşa Armanca, ging mit Rauschan zusammen zur Schule. Beide arbeiteten zusammen an der Schülerzeitung für die unter anderem auch Florin Călinescu schrieb. Sie arbeitete für die Literaturzeitschrift „Orizont“, die vom Rumänischen Schriftstellerverband betreut wird.

In ihrer Freizeit malte die vielseitige Künstlerin. Sie hinterließ insgesamt 40 Bilder. Aus Interesse besuchte sie die Volkshochschule in Temeswar. In Deutschland unterrichtete sie an der Volkshochschule unter anderem „Storyboard“. Darunter versteht man die Visualisierung eines Konzeptes oder einer Idee. In Filmen werden meistens Storyboards verwendet, um den szenischen Verlauf darzustellen.

Wenn Freunde und Bekannte Ioona Rauschan beschreiben, gibt es oft Abweichungen. Besonders zwischen ihren Freunden aus Deutschland und denen aus Rumänien. Manche glauben, dass ein Riss entstanden ist. Eine Künstlerin, die sich ihrer Umwelt anpasste. Gleichzeitig reflektieren oft viele nur ihr eigenes Leben durch die Erinnerung an Ioona Rauschan.

Lieferbare Titel von  Ioona Rauschan:

Abhauen, Roman. Reihe Epik; 336 Seiten, ISBN:  978-3-937139-52-4, €[D]19,20 Euro