Johann Lippet: Beziehungsweise(n). Erweiterungen.

Johann Lippet: Beziehungsweise(n). Erweiterungen.
Gedichte und Geschichten.
Wenn Sie wüssten. Versuch über Johann Lippets
Vorstoß ins Herz des Unsagbaren, Essay von Walter Fromm. Reihe Epik, Bd. 192, 278 Seiten, ISBN: 978-3-86356–409-4; € [D]23,60

 

« Mit ihrem Mann nach Amerika, vom Verdienst Feld zugekauft und ein Haus
gebaut, das Erbe des Sohnes, einziges Kind, ansehnlich, standesgemäße Heirat, der Tod des Sohnes beim Militär, einziger Trost der neun Monate alte Enkelsohn, (…) bei Kriegsende Flucht des Enkels, des Erben, vor den Russen, Enteignung, rumänische Kolonisten im Haus, ihr Mann sich aus Gram erhängt, sie mutterseelenallein und arm wie eine Kirchenmaus, Rückkehr des Enkels elf Jahre nach Kriegsende mit Familie, auf ihre alten Tage tröstlich.» (Seite 106)

In der Geschichte „Phantome der Erinnerung“ entsteht die Gestalt der Urgroßmutter als mitfühlend bilanzierte Realität aus nur wenigen Nomina: Mann, Amerika, Feld, Haus, Sohn, Erbe – Enkel, Flucht, Russen, Enteignung, Erhängen, Kriegsende, Rückkehr. Das sprachlich Ausgesparte ist nicht weniger wirklich als das Ausge- führte – gerade die Ellipse lässt die Realität überdeutlich hervortreten. Der große Banater Erzähler lässt vor dem Auge des Lesers das ewige Rad von Geburt und Tod kreisen. Was dazwischen liegt, ist zwar durchaus dramatisch, aber letztlich nachgeordnet. Es ist das Füllmaterial, das man Leben nennt. Diese eherne Realität ist nominal verfasst: Verben sind spärlich eingestreut, denn alles, was zwischen den existenziellen Marksteinen von Geburt und Tod geschieht, ist Beiwerk und Streckmaterial. Das Leben ist mehr beständiges Sein als vergängliches Handeln.

« Dann wäre eigentlich nur noch zu unterschreiben gewesen, doch die Ärztin fragt, ob ich mit dem Eingriff einverstanden sei. Man habe doch keine Wahl, sage ich spontan. Doch, meint sie. Man glaubt, das sei ein Witz, fragt amüsiert: Welche denn? Die Einwilligung zum Eingriff verweigern, sagt sie. Man ist für den Moment sprachlos, fragt dann, an welcher Stelle das Todesurteil denn unterschreiben. Das mit dem Todesurteil findet die Ärztin überhaupt nicht lustig. (Seite 238)

« Schön wäre,
es käme nicht so schlimm wie befürchtet,
schöner wäre,
es gäbe überhaupt nichts zu befürchten,
am schönsten wäre
ein unendliches Gedicht,
fortlaufend in einer Zeile im Rhythmus
des Herzschlags. (Seite 28)

« Entlang der Ränder,
kaum noch sichtbar, alles grau in grau,
gleitet das suchende innere Auge,
nimmt schließlich ein Pulsieren wahr,
im nächsten Augenblick scheinen
Erinnerungen auf,
längst vergessen geglaubte aus fernen
Kindertagen,
der Betrachter glücklich und todtraurig
zugleich. (Seite 33)

« Verfallenes Haus,
Holzrahmen einer Tür,
ausgetretene Schwelle,
Urgroßeltern, Großeltern, Eltern…
Dort, wohin mich der Anblick versetzt, auch
von mir. (Seite 36)

 

Lieferbare Titel von Johann Lippet

  • Migrant auf Lebzeiten, Roman (EPIK- Sammlung) 226 Seiten, ISBN:  978-3-937139-56-2 €[D]15,90
  • Dorfchronik, ein Roman, (EPIK- Sammlung) 789 Seiten, ISBN:  978-3-937139-99-9 €[D]25,90
  • Der Altenpfleger, Zwei Erzählungen. (EPIK- Sammlung) 259 Seiten, ISBN:  978-3-86356-012-6 €[D] 13,20,
  • Tuchfühlung im Papierkorb. Ein Gedichtbuch. (Lyrik- Sammlung) 168 Seiten, ISBN:  978-3-86356-034-8 €[D] 17,20
  • BAWÜLON – Süddeutsche MATRIX für Literatur und Kunst, Nr. 4/2011 (4). 114 Seiten, ISSN: 2192-3809; €[D] 7,00 • Johann Lippet 60 • Johann Fischart • Renarius Flabellarius (Fischart-Fan, id est Rainer Wedler) • Hellmut Seiler • Johann Lippet *„Wir werden wie im Märchen sterben“, Aktionsgruppe Banat * Dieter Scherr • Safiye Can • Norbert Sternmut •     Ferdinand Wedler • Carsten Piper • Uli Rothfuss • Rainer Wedler • Henning Schönenberger • Barbara Zeizinger u.a.
  • Bruchstücke aus erster und zweiter Hand. Roman. (Epik- Sammlung) 251 S. ISBN:  978-3-86356-050-8 €[D] 15,00
  • Horst Samson (Hrsg.):  Heimat – gerettete Zunge. Visionen und Fiktionen deutschsprachiger Autoren aus Rumänien. Eine literarische Begegnung. Mit einem Vorwort von Prof. Dr. Wolfgang Schlott. (UNIVERSITAS Sammlung) 373 S. ISBN:  978-3-86356-051-5, € [D] 25.00
  • Kopfzeile, Fußzeile.Gedichte&Variationen. Pop Lyrik. 70 Seiten, ISBN 978-3-86356-140-6, 13,80€
  • Wegkreuze. Beobachtete, gehörte, gelesene und andere Geschichten. ISBN: 978-3-86356-180-2, 102 Seiten, 13,80€
  • Franz, Franzi, Francisc. Romanfragment. (Nebst Arbeitsnotizen und Annotationen). Die POP-Verlag-Epikreihe, Bd. 100, 176 Seiten, ISBN: 978-3-86356-246-5; € [D]16,90
  • Beziehungsweise(n). Gedichte & Geschichten. Reihe Epik Bd. 115, 185 Seiten, ISBN: 978-3-86356-307-3; € [D]18,50
  • biographie. ein muster. poem, 2023, ISBN 978-3-86356-316-5; €[D]18,50
  • Beziehungsweise(n). Erweiterungen. Gedichte und Geschichten, 2026. ISBN 978-3-86356-409-4; €[D]23,60

Franz Hodjak, Ehrenplatz im Jenseits

Franz Hodjak, Ehrenplatz im Jenseits. Gedichte. Mit elf Illustrationen von Astrid Hodjak. Titelbild: Hubertus Giebe, Porträt Franz Hodjak.

Klappenbroschur, Reihe Lyrik Bd. 189, ISBN 978-3-86356-361-5; 146 Seiten, €[D]21,50

Franz Hodjak navigiert durch die Grammatik und die Asche zerfransender Erinnerungen, erhebt sich himmelwärts, um der Dunkelheit sein Licht zu bringen und sie mit einer unverwechselbaren und poetisch bis zum Bersten aufgeladenen Sprache aufzuhellen, eine Sprache, die einfallsreich der Phantasie immer wieder, überraschend wie verblüffend, auf die Sprünge hilft, imaginäres Kino. Unwiderstehliche Bilder, verführerische Sentenzen, melancholische Konsequenzen: Am Abend sprechen wir zu den Träumen, / in der Nacht antworten die Träume uns. (Wahrscheinlich). Ein notorischer Einzelgänger (Nirgends) ist er nur in der Dichtkunst, ein unverkennbarer Solitär.
Horst Samson

Barbara Zeizinger:  Leben in Etagen

Barbara Zeizinger:  Leben in Etagen. Roman. Reihe Epik, Bd. 153 ISBN 978-3-86356-408-7, 324 Seiten, €[D]23,00

Barbara Zeizinger erzählt die Geschichte eines Hauses und sei- ner Bewohner in den Jahren 1931 bis 2020. Es geht um vier Fa- milien zwischen Natio- nalsozialismus, Krieg, Nachkriegszeit, Wie- deraufbau und demo- kratischer Entwicklung der Bundesrepublik. Jede Zeit prägt die Menschen, ihr Schicksal, ihr Verhalten, ihre Wünsche und Sehnsüchte.
Da sind zu Beginn Simon und Therese, die zunehmend unter Antisemitismus und dem aufkommenden Nationalsozialismus leiden. Im zweiten Kapitel steht Luise im Mittelpunkt. Sie muss nicht nur mit den Herausforderungen der Nachkriegszeit in der zerstörten Stadt, sondern auch mit der Verbitterung ihres Ehemanns Hermann über den verlorenen Krieg fertig werden. Außerdem gibt es noch den Amerikaner Mike, der eine größere Rolle spielt als ihm bewusst ist. In den 1970er Jahren bauen Erwin und Susanne das Haus um. Als Susanne dabei in einem Schrank versteckte Unterlagen ihrer Mutter findet, beginnt sie, das Leben ihrer Eltern zu erforschen. Im letzten Kapitel müssen sich Frieda und Paul mit einer Ehekrise und Problemen ihres Sohnes Alex auseinandersetzen. Als sie nach einigem Zögern das Haus beziehen, scheint alles gut zu werden. Bis sie ein Brief erreicht.

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