Adriana Carcu: GOLDEN

978-3-86356-206-9_B978-3-86356-206-9_AAdriana Carcu: GOLDEN

Aus dem Rumänischen übersetzt von Renate Sandu

Illustration: Doru Păcurar

Pop Epik, ISBN: 978-3-86356-206-9, 246 Seiten, €[D]18,50

Der Band Golden vereint 56 Texte, die in den letzten fünf Jahren in der von der Autorin in der Temeswarer Zeitschrift Orizont gezeichneten Kolumne „Sentimentale Chronik“ veröffentlicht wurden. Die Texte sind in fünf Kapiteln thematisch gruppiert, wobei die Chronologie ihres Erscheinens in jedem Teil beibehalten wurde.

Die Texte des ersten Kapitels „Die verlorenen Paradiese“ geben in autobiografischen Sequenzen eine Welt wieder, über die sich der feine Staub der Zeit gelegt hat. Auf die emblematischen Ferienorte der Kindheit folgen erzählte Episoden mit starker emotionaler Konnotation – wie etwa die Ausreise in In Curtici, zwischen den Welten – oder ein Brief, den die Autorin während der rumänischen Revolution von 1989 in Deutschland geschrieben hat.

Das Kapitel „Wesentliche Fiktionen“ vereint acht Prosaminiaturen und zehn lyrische Texte. Die Prosatexte sind mehrheitlich introspektive stories oder Reflexionen, die die Qualen des Schreibenden wiedergeben. Man kann sie als stilistische Experimente sehen, in denen die Autorin jeweils einer anderen Kunstgriff den Vorzug gibt: Diktat, Oneirismus, abyssales Versenken oder Schreiben in der zweiten Person, wie in dem Text, der dem Band den Titel gibt. Das Wort „golden“, das wie ein leuchtender Faden durch viele Texte zieht, ist für die Autorin das wiederkehrende Bestreben, jenen vergänglichen Zustand der Perfektion festzuhalten, wenn „alle Welt am richtigen Platz ist, in einer Ordnung, die einem ewig zu sein dünkt, denn es ist die Unkenntnis von der Vergänglichkeit, die dem Moment seine Schönheit verleiht“.

Das Kapitel „Zeitsplitter“ enthält vor allem beredte Porträts von Menschen unserer Zeit, aber es hält auch Momente seltenen Zaubers aus dem Alltag fest. Literarische Valenzen und universale oder historisch relevante Bedeutungen werden in die Texte gelegt, wie etwa in der Geschichte einer sudetendeutschen Familie oder der grenzüberschreitenden Abenteuer der Flüchtlinge aus dem Irak und aus Afghanistan, Momo und Hakim. Marion und Die weiße Zauberin runden das Bild der Frau ab, die den auf sich genommenen Weg geht und dabei der Norm trotzt.

Das Kapitel „Ansicht von der Brücke“ enthält essayistische Texte zu Ereignissen oder Anlässen, die Rumänien und Deutschland unmittelbar betreffen, oder mit diffusen Themen wie die Virtualisierung der Realität oder durch Kommunikationsschwierigkeiten entstandene Probleme.

Das letzte Kapitel des Buches, „Leben und Künste“ enthält sentimentale Chroniken, ohne dabei den Titel der Kolumne (und des früher im Waro-Verlag erschienenen Buches) wieder aufzunehmen. Dieser Teil ist der umfangreichste und zugleich heterogenste des Bandes. Neben aktuellen Berichten von Ereignissen aus dem Leben und der Welt der Kunst sind hier Rezensionen, Nachrufe, Auslegungen, Chroniken des musikalischen Lebens oder Begegnungen mit Künstlern zusammengefasst. Auch hier werden die Themen literarisch, häufig mit essayistischen Einschüben behandelt, daneben findet man ein kritisches Herangehen und Abschnitte mit informativem Charakter. Die Chronik einer Ton- und Lichtinstallation verwandelt sich in eine abenteuerliche poetische Reise durch einen Wald im Westen Deutschlands, die Rezession eines autobiografischen Buches wird zur Chronik einer ganzen kulturellen Ära, die Chronik eines Spielfilms verwandelt sich in ein Essay über die bedingungslose Mutterliebe.

Kennzeichnend für den Band ist eine stilistische Geschmeidigkeit, die über die Grenzen der Gattungen geht und diese in Einklang bringt, eine Klarheit des Ausdrucks von subtiler poetischer Kraft.

 

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