Balázs Mesterházy: Jinker. Novellenroman Aus dem Ungarischen von Hans-Henning Paetzke Ludwigsburg: Pop · 2026, Reihe Epik, Bd. 161, ISBN 978-3-86356–423-0; 208S., €[D]23,00
Dieses Prosabuch von Balázs Mesterházy, das nun auch in deutscher Übertragung vorliegt, ist nach zwei Gedichtbüchern der erste Prosaband des Autors (dem drei weitere Gedichtbände folgen), in dem die poetische Werkgrundierung keineswegs in den Hintergrund rückt. Jinker ist eine bemerkenswerte Prosa, eine wunderbare Lektüre, deren Komplexität und Originalität von der ungarischen Presse entsprechend gelobt wurde. Man kann das Buch lesen als eindrucksvolle Sammlung jugendlicher Kneipenabenteuer, als Einladung zu einer Reise in die Tiefen des ländlichen Ungarn oder als postmodernes, fragmentarisches, entpoetisiertes musikalisches Experiment, den kleinen Freuden des Lebens gewidmet.
Ein Mond, der angekläfft wird. Ein Hund am Fahrradlenker. Schon diese Bilder ziehen hinein in eine Welt, die mit einem leisen Wink an Hrabal erinnert. Jinker – allein die Gattungsbezeichnung „Novellenroman“ macht hellhörig – verdichtet Erinnerungen an eine Jugend im ungarischen Gyönk (Deutsch: Jink) zu funkelnden Miniaturen.
Mesterházy, selbst Schüler einer deutsch-ungarischen Schule, fügt Einzelschicksale zu einem schillernden Ganzen: ironisch, surreal, von präziser Form. Tod und Lebenslust stehen einander nah, Alkoholsucht und Liebesabenteuer, Ehebruch und Depression, jugendlicher Leichtsinn und leise Verzweiflung balancieren zwischen Fantasie, Fiktion und gelebter Erfahrung.
Das in Ungarn vielbeachtete Buch ist verführerisch – durch seine eloquenten Bilder, seinen unverwechselbaren Ton und die schiere Lust am Erzählen.
Lieferbare Titel von Balázs Mesterházy:
– Jinker. Novellenroman. 2026, Reihe Epik, Bd. 161, ISBN 978-3-86356–423-0; 208S., €[D]23,00

Hans-Henning Paetzke: