{"id":5084,"date":"2020-05-05T06:02:11","date_gmt":"2020-05-05T06:02:11","guid":{"rendered":"https:\/\/wp.pop-verlag.com\/?p=5084"},"modified":"2020-05-05T18:19:32","modified_gmt":"2020-05-05T18:19:32","slug":"dinu-flamand-zwischenfrost-frigul-intermediar","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wp.pop-verlag.com\/?p=5084","title":{"rendered":"Dinu Flamand: Zwischenfrost \/ Frigul intermediar"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"readonlyText multiple\"><a href=\"https:\/\/wp.pop-verlag.com\/?3d-flip-book=978-3-86356-299-1_a_blick-ins-buch\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-5096 size-medium\" src=\"https:\/\/wp.pop-verlag.com\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/978-3-86356-299-1_A_Blick-ins-Buch-191x300.jpg\" alt=\"\" width=\"191\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/wp.pop-verlag.com\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/978-3-86356-299-1_A_Blick-ins-Buch-191x300.jpg 191w, https:\/\/wp.pop-verlag.com\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/978-3-86356-299-1_A_Blick-ins-Buch-768x1206.jpg 768w, https:\/\/wp.pop-verlag.com\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/978-3-86356-299-1_A_Blick-ins-Buch-652x1024.jpg 652w, https:\/\/wp.pop-verlag.com\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/978-3-86356-299-1_A_Blick-ins-Buch.jpg 1654w\" sizes=\"auto, (max-width: 191px) 100vw, 191px\" \/><\/a><strong><a href=\"https:\/\/wp.pop-verlag.com\/?page_id=4939\">Dinu Flamand<\/a><\/strong>: <a href=\"https:\/\/wp.pop-verlag.com\/?p=5084\"><strong>Zwischenfrost \/ Frigul intermediar<\/strong><\/a>. Gedichte. Deutsch \/ Rum\u00e4nisch. Aus dem Rum\u00e4nischen von Edith Konradt. Reihe Lyrik Bd. 144, 273 S., ISBN 978-3-86356-299-1, \u20ac[D]19,50\u00a0<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201edrau\u00dfen ist die Welt mit ihrem Glei\u00dfen eine N\u00e4he,<br \/>\ndie sich st\u00e4ndig entfernt,<br \/>\nund weil sie alles enth\u00e4lt, von dem wir glauben,<br \/>\ndass es als Welt in der Welt vorhanden sein m\u00fcsste,<br \/>\nhat niemand mehr in ihr Platz,<br \/>\nam allerwenigsten ein blinder Passagier des Schicksals \u2026\u201c<\/p>\n<p>\u201e\u2026 und du begreifst,<br \/>\ndass du nie irgendwohin fortgegangen<br \/>\nund nie irgendwo angekommen bist,<br \/>\ndenn das Exil ist eine Verl\u00e4ngerung<br \/>\ndes st\u00e4ndigen Z\u00f6gerns<br \/>\nmit etwas l\u00e4cherlich Schmerzhaftem<br \/>\nals ultimative Botschaft \u2013 ein Kind,<br \/>\ndas vor dir auf dem Weg Grimassen schneidet<br \/>\nund dir ins unbekannte Dorf voraush\u00fcpft<\/p>\n<p>es gibt kein anderes Dorf,<br \/>\nin dem du l\u00e4nger wohnen k\u00f6nntest,<br \/>\nals du bisher dir selbst fern warst\u201c<br \/>\n<em>Dinu Flamand<\/em><\/p>\n<p>\u201eSchreiben, also die Poesie leben, ist eine seltsame Erfahrung, die Intensit\u00e4t offenbart \u2013 ein anderes Wort f\u00fcr Gef\u00fchl. Manchmal ist das Material schlecht und verh\u00f6hnt das Kriterium der Vielfalt, das unserer Epoche so lieb und teuer ist. Aber die Intensit\u00e4t sollte immer maximal sein, unertr\u00e4glich, eine Spitze im Diagramm des Flachreliefs unseres Lebens \u2026 Und jedes Mal, wenn sie gro\u00df ist, wird es eine heftige Offenbarung, eine halluzinatorische Klarheit. Schreiben schlie\u00dft unser Inneres mit ein, die Essenz unseres Seins beginnt mit dem Inneren. Aber die Ann\u00e4herung \u2013 durch oder f\u00fcr einen Text \u2013 ist eine Art unerwartetes Geschenk von au\u00dfen, von einer privilegierten Position aus. Man sieht sich selbst den Text f\u00fchren und sieht, wie man durch ihn gef\u00fchrt wird \u2026 Man arbeitet nicht im direkten Einklang mit der Realit\u00e4t. Unsere Intelligenz und unsere Seele elaborieren intensiv jene Momente der Synthese von Erfahrungen und M\u00f6glichkeiten, um auf eine Frage zu antworten: Wie soll man leben auf der Welt? Der Poesie muss eine dichterische Erkenntnis vorausgehen. Um dorthin zu gelangen, ist die Erfahrung eines Lebens nicht genug \u2026 Heutzutage k\u00e4uen alle Ziegen poetisches Heu wider. Und in der mechanischen Wiedergabe von Gemeinpl\u00e4tzen begreift man die Poe\u00adsie wie einen verschwommenen Spiegel, der die Welt einf\u00e4ngt, reduziert auf ihren ornamentalen Aspekt. Eigentlich empf\u00e4ngt man<br \/>\ndie Poesie niemals wie ein Objekt, man geht auf sie zu, man sucht und provoziert sie. In Momenten von seltener und scheuer Sch\u00f6nheit zeigt sie sich, manchmal, unter einem funkelnden Symbol. Solch ein Spatz n\u00e4herte sich dem Dichter Vladimir Holan auf einer Bahn\u00adstation, als er sein B\u00fcndel \u00f6ffnete, um den Proviant herauszuholen. Und der Dichter verstand, dass dieser Vogel ein Botschafter des Todes ist.\u201c<br \/>\n<em>Dinu Flamand im Interview mit Levure litt\u00e9raire (2015)<\/em><\/p>\n<p>\u201eJedes Gedicht bleibt, wenn es wahrhaftig ist, ein Mysterium\u201c, hielt Pierre Jean Jouve fest \u2026 Ja, liebe Leser, Sie m\u00fcssen auch mit der Lyrik von Dinu Flamand so verfahren wie mit jeder echten Poesie (also jener, die ohne Zierrat die Komplexit\u00e4t des Lebens umarmt): Sie m\u00fcssen auf sie zugehen, sie willkommen hei\u00dfen, in sie eindringen und sich in ihr verlieren, wenn Sie ihren Botschaften auf die Spur kommen wollen \u2026 Sie pr\u00e4sentiert unentwegt, gleich einem Mal auf der Stirn, die Wunden und Narben, die das Leben uns hinterl\u00e4sst, weil wir es schuldhaft zu sehr lieben und zu sehr w\u00fcnschen, dass es die Versprechen einl\u00f6st, die es uns in der Kindheit gab, als es uns die ganze Welt als Geschenk verhie\u00df \u2026 Dinu Flamand ist sehr wohl bewusst, dass dichten auch bedeutet, \u201edas Mark des Schreis aufzusaugen\u201c. Um welchen Schrei es dabei geht? Jenen von Edvard Munch sicherlich, den metaphysischen Angstschrei angesichts der unbarmherzigen Gewalt der Fakten: der Fakten der Existenz, der Fakten der Geschichte \u2026 Das alles wird begleitet von der Sehnsucht und dem Sch\u00f6nheitsempfinden angesichts des vollkommenen Gl\u00fccks, mit dem die Sonne w\u00e4rmt und die \u00c4hren wachsen. Diese \u00dcbereinstimmung kann nicht aufgel\u00f6st werden, sie ist ontologisch \u2026 Tatsache ist, dass wir unm\u00f6gliche Wesen sind \u2013 eine Unm\u00f6glichkeit, der wir uns Tag f\u00fcr Tag ausgesetzt sehen: Wir leben mit dem Tod in uns, mit der Zeit, die uns zermahlt, so wie wir auch zwischen den Motten leben, \u201edie L\u00f6cher in die Landschaft fressen\u201c. Ich kenne kein anderes Bild, das diese Wahrheit pr\u00e4ziser und radikaler wiedergeben w\u00fcrde, als eines von denen, die unser Dichter daf\u00fcr gefunden hat: Wir leben \u201emit dem aufgewickelten Bandwurm der Zeit in den Eingeweiden\u201c.<br \/>\n<em>Jean-Pierre Sim\u00e9on<\/em><\/p>\n<p><span class=\"readonlyText multiple\">Lieferbare Titel von<\/span> <strong><a href=\"https:\/\/wp.pop-verlag.com\/?page_id=4939\">Dinu Flamand<\/a><\/strong>: <strong>Zwischenfrost \/ Frigul intermediar<\/strong>. Gedichte. Deutsch \/ Rum\u00e4nisch. Aus dem Rum\u00e4nischen von Edith Konradt. <span class=\"readonlyText multiple\">Reihe Lyrik Bd. 144, 273 S., ISBN 978-3-86356-299-1, \u20ac[D]19,50\u00a0<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dinu Flamand: Zwischenfrost \/ Frigul intermediar. Gedichte. Deutsch \/ Rum\u00e4nisch. Aus dem Rum\u00e4nischen von Edith Konradt. 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