{"id":4199,"date":"2019-04-20T08:06:50","date_gmt":"2019-04-20T08:06:50","guid":{"rendered":"https:\/\/wp.pop-verlag.com\/?p=4199"},"modified":"2019-04-20T08:06:50","modified_gmt":"2019-04-20T08:06:50","slug":"wir-trauen-um-dieter-schlesak","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wp.pop-verlag.com\/?p=4199","title":{"rendered":"Wir trauen um Dieter Schlesak!"},"content":{"rendered":"<div id=\"js_w\" class=\"_5pbx userContent _3576\" data-ft=\"{&quot;tn&quot;:&quot;K&quot;}\">\n<p><strong>Wir trauen um Dieter Schlesak!<\/strong><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-4182 size-medium\" src=\"https:\/\/wp.pop-verlag.com\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/Schlesak_Stuttgart_2014-206x300.jpg\" sizes=\"auto, (max-width: 206px) 100vw, 206px\" srcset=\"https:\/\/wp.pop-verlag.com\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/Schlesak_Stuttgart_2014-206x300.jpg 206w, https:\/\/wp.pop-verlag.com\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/Schlesak_Stuttgart_2014-768x1118.jpg 768w, https:\/\/wp.pop-verlag.com\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/Schlesak_Stuttgart_2014-704x1024.jpg 704w\" alt=\"\" width=\"206\" height=\"300\" \/>Dieter Schlesak hat diese Welt, die er so geliebt und deswegen unentwegt mit ihr gehadert hat, am 29. M\u00e4rz 2019 verlassen. Uns bleibt nur, sein Werk weiterhin zu begleiten und zu verbreiten. Es ist eine Herkules-Aufgabe, aber wir finden sie zwingend notwendig, da er nicht nur vieles hinterlassen, sondern uns zeit seines Lebens so viel Lesens- und Bedenkenswertes geschenkt hat: <em>Vaterlandstage, Capesius der Auschwitzapotheker und TranssylWAHNien<\/em>, um nur drei seiner besten Romane zu nennen, sowie unz\u00e4hlige Gedichte und Essays (die von uns geplante Werkausgabe wird mehr als 23 B\u00e4nde haben).<br \/>\nDieter Schlesak, 1934 in Sch\u00e4\u00dfburg\/Siebenb\u00fcrgen geboren, ist einer der bedeutendsten deutschsprachigen Autoren von Lyrik, Romanen, Essays \u00fcber Literatur, Grenzph\u00e4nomene und Religion sowie von Reiseberichten. Er machte sich auch einen Namen als \u00dcbersetzer und Herausgeber, unter anderen <em>Gef\u00e4hrliche Serpentinen<\/em> &#8211; Rum\u00e4nische Lyrik der Gegenwart, \u201eEdition Druckhaus neunzehnhundert achtundneunzig\u201c. 1968 erschien sein erster Gedichtband Grenzstreifen im Bukarester Literaturverlag. 1969 emigrierte er nach Deutschland, der Kulturschock und das Ost-West-Trauma beherrschten von da an Schlesaks Schreiben. Zu seinen wichtigsten B\u00fcchern z\u00e4hlen u. a.: <em>Wei\u00dfe Gegend. F\u00fchlt die Gewalt in diesem Traum<\/em> (1981), <em>Vaterlandstage und die Kunst des Verschwindens<\/em> (1986), <em>Aufb\u00e4umen<\/em> (1990), <em>Wenn die Dinge aus dem Namen fallen<\/em> (1991), <em>Stehendes Ich in laufender Zeit<\/em> (1994),<em> So nah, so fremd<\/em> (1995), <em>Eine transsylvanische Reise<\/em> (2004), <em>Der neue Michelangelo<\/em> (drei B\u00e4nde, 1989\u20131991), <em>Der Verweser<\/em> (2002),<em> Romans Netz<\/em> (2004),<em> Capesius, der Auschwitzapotheker<\/em> (2006, u. a. ins Englische, Italienische, Spanische, Portugiesische, Hebr\u00e4ische \u00fcbersetzt), <em>Herbst Zeit Lose<\/em> (2006), <em>Vlad. Die Dracula-Korrektur<\/em> (2007), <em>Namen Los<\/em> (2007), <em>Heimleuchten<\/em> (2009), <em>Licht Blicke<\/em> (2012), <em>TranssylWAHNien<\/em> (2014).<br \/>\nSchlesak erhielt zahlreiche Preise und Auszeichnungen, u. a. Andreas-Gryphius-Preis (1980), Nikolaus-Lenau-Preis (1993), Ehrengabe der Deutschen Schillerstiftung (2001), Umberto-Saba-Preis (2006), Maria-Ensle-Preis der Kunststiftung Baden-W\u00fcrttemberg (2007), Ehrendoktorw\u00fcrde der Universit\u00e4t Bukarest (2005). Sein Nachlass befindet sich im Deutschen Literaturarchiv in Marbach.<br \/>\nLieber Dieter, seit ich erfahren habe, dass ich dich nie wieder anrufen kann, st\u00f6bere ich in den Texten, die du mir zur Ver\u00f6ffentlichung \u00fcberlassen hast \u2013 um dich auf diesem Weg zu erreichen und dir nahe zu sein. Deswegen sei hier f\u00fcr alle, die dich im Laufe deines Lebens gelesen und gesch\u00e4tzt und geliebt haben, eines deiner Gedichte zum Trost beigef\u00fcgt.<\/p>\n<p>Traian Pop<br \/>\nPop-Verlag, Ludwigsburg, 31. 3. 2019<\/p>\n<p>Dieter Schlesak<\/p>\n<p>ES GEHT ZU ENDE, WAS BISHER WAR,<br \/>\nund die Stimmen sind fern wie morgens um f\u00fcnf,<br \/>\nwir werden uns nie mehr wiedersehn,<br \/>\nwir werden vergessen<\/p>\n<p>Man sieht\u2019s an der Luft, an den Augen der Leute,<br \/>\n\u00fcberall rollen sie die Erinnerungen ein,<br \/>\nheut sah ich Fotos der Siebzigerjahre, da waren<br \/>\nwir jung und alles schien offen,<br \/>\ndu stiegst in den fahrenden Zug,<br \/>\nder kam nie an<br \/>\nund fuhr ab nur zum Schein<\/p>\n<p>Alt sind unsere Gef\u00fchle geworden.<br \/>\nUnd oft ist es kalt und du sp\u00fcrst nur Gewohnheit,<br \/>\nals w\u00e4re \u00fcber den Augen ein Schleier,<br \/>\nund wir gehen mit Abwesendem um<\/p>\n<p>In allem sp\u00fcr ich schon das Vergessen<br \/>\nund die Leute sehn mich gar nicht mehr an;<br \/>\nso denk ich: Vielleicht bin ich pl\u00f6tzlich gestorben<br \/>\nund hab\u2019s nicht bemerkt, bin unsichtbar geworden<br \/>\nEs ist nicht nur die Liebe, die jetzt vergeht,<br \/>\nes ist nicht nur Eiszeit der Sinne, es liegt<br \/>\nein Stillstand um uns in der Luft, der uns Angst macht<br \/>\nund uns den Atem verschl\u00e4gt<\/p>\n<p>Denn es geht zu Ende, was bisher war,<br \/>\nund die Stimmen sind fern wie morgens um f\u00fcnf,<br \/>\nwir werden uns nicht mehr wiedersehn,<br \/>\nwir werden vergessen, am Leben zu sein<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir trauen um Dieter Schlesak! Dieter Schlesak hat diese Welt, die er so geliebt und deswegen unentwegt mit ihr gehadert hat, am 29. M\u00e4rz 2019 verlassen. Uns bleibt nur, sein Werk weiterhin zu begleiten und zu verbreiten. Es ist eine &hellip; <a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/wp.pop-verlag.com\/?p=4199\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-4199","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/wp.pop-verlag.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4199","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/wp.pop-verlag.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/wp.pop-verlag.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wp.pop-verlag.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wp.pop-verlag.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=4199"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/wp.pop-verlag.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4199\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4200,"href":"https:\/\/wp.pop-verlag.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4199\/revisions\/4200"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/wp.pop-verlag.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=4199"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/wp.pop-verlag.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=4199"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/wp.pop-verlag.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=4199"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}