{"id":3363,"date":"2018-06-22T04:43:20","date_gmt":"2018-06-22T04:43:20","guid":{"rendered":"https:\/\/wp.pop-verlag.com\/?p=3363"},"modified":"2019-06-18T08:02:22","modified_gmt":"2019-06-18T08:02:22","slug":"emilian-galaicu-paun-yin-time","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wp.pop-verlag.com\/?p=3363","title":{"rendered":"Emilian Galaicu-P\u0103un: Yin Time"},"content":{"rendered":"<p><strong> <a href=\"https:\/\/wp.pop-verlag.com\/?page_id=3357\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-3367 size-medium\" src=\"https:\/\/wp.pop-verlag.com\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/Emilian_Galaicu_Paun_Yin_Time_Kopie_1-206x300.gif\" alt=\"\" width=\"206\" height=\"300\" \/><\/a><\/strong><strong><a href=\"https:\/\/wp.pop-verlag.com\/?page_id=3357\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Emilian Galaicu-P\u0103un<\/a><a href=\"https:\/\/wp.pop-verlag.com\/?page_id=3357\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-3368 size-medium\" src=\"https:\/\/wp.pop-verlag.com\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/Emilian_Galaicu_Paun_Yin_Time_Rueck_1-211x300.gif\" alt=\"\" width=\"211\" height=\"300\" \/><\/a><\/strong>: <strong><a href=\"https:\/\/wp.pop-verlag.com\/?p=3363\">Yin Time<\/a><\/strong>. Aus dem Rum\u00e4nischen von <a href=\"https:\/\/wp.pop-verlag.com\/?page_id=964\">Hellmut Seiler<\/a>. (LYRIK- Sammlung), 122\u00a0Seiten, 20,0\u00a0\u00d7\u00a014,0\u00a0cm; ISBN: 978-3-937139-41-8, \u20ac[D]16,30.<strong><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>Ein Schilfrohr, auf dem ein romantischer Christuskopf steckt: So wirkt Emilian Galaicu-P\u0103un auf der Stra\u00dfe. Doch weder das Schilfrohr noch das Christusgesicht, die sich hieratisch zwanglos verbinden, stehen lediglich f\u00fcr sein b\u00fcrgerlich-\u00f6ffentliches Erscheinungsbild. Sie reichen vielmehr bis ins Mark seiner Poesie, deren thematische Struktur und vision\u00e4re Dialektik sie bestimmen. Auf einer ersten Ebene wird das Reale symbolisch erkundet, das Sakrale hingegen realis-tisch, um dann auf einer zweiten Ebene in einem dinghaften Festscheiben der Illuminationen beziehungsweise einem illuminierten Festschreiben der Dinge zu verschmelzen. Hinzu kommt, dass sich diese beiden Schreibweisen so eng ineinander verschr\u00e4nken, dass sie kaum noch zu unterschieden sind, wenn die \u00fcberbordende Vorstellungskraft den Elfenbeinturm gleichsam zum Bersten bringt und sich als Flutwelle eines poetischen Ausdrucks ergie\u00dft, dessen Offenbarung sich als konkreter Spasmus vollzieht, w\u00e4hrend der Spasmus sich als durchl\u00e4ssige, aber grausige Grammatik des Mysteriums offenbart. Daraus entsteht eine Dichtung voller elektrischer Spannung und konvulsivischer Zuckungen \u2013 oder Ersch\u00fctterungen \u2013 des Wesens wie der Sprache; eine Dichtung, die eben erst einer peinigenden Vision entronnen zu sein scheint und eine rasende Imagination in kaum zu kontrollierender Panik auf dem Papier zu bezwingen sucht. Denn es ist dieser romantisch gepr\u00e4gte Furor, aus dem sich die vision\u00e4re Grundhaltung von Emilian Galaicu-P\u0103uns Gedichten herleitet; sogar die Realit\u00e4tsbez\u00fcge, die brutalen Einschnitte des Banalen, zeugen von prophetischem Fieber \u2013 es handelt sich nicht um simple Wiedergaben, sondern um vehemente Verallgemeinerungen von \u00c4ngsten, so dass die Wirklichkeit, und sei sie noch so bedr\u00e4ngend, weniger auf der Wort- als vielmehr auf der Vorstellungsebene zum Tragen kommt: als imaginative Hypothese und Hypostase, als entropische Epiphanie.<\/p>\n<p>Der Diskurs ist von \u00fcberbordender barocker F\u00fclle. Themen ufern aus. Einf\u00e4lle \u00fcberst\u00fcrzen sich lawinenartig. Selbst feinste Abstufungen eines Zustands, eines Umstands oder eines Vorgangs (Symbole, die immer wieder ein unentwirrbares Kn\u00e4uel bilden) werden eingefangen und geh\u00e4uft \u2013 dem Kriterium einer vision\u00e4ren \u201eVollst\u00e4ndigkeit&#8220; gem\u00e4\u00df. Doch Emilian Galaicu-P\u0103un kontrastiert, zumindest vordergr\u00fcndig, immer wieder das Wuchern der Vision, also auch des Textes, mit der Zuspitzung des Existenziellen, also auch des Sinnes \u2013 Impulse, deren Gegens\u00e4tzlichkeit er naturgem\u00e4\u00df erst gar nicht hervortreten lie\u00dfe, wenn er sich ihrer nicht gleichzeitig bediente, wenn er nicht danach suchte, zwei poetische Verfahren, die sich scheinbar gegenseitig ausschlie\u00dfen, ineinander aufgehen zu lassen. Blo\u00df dass Galaicu-P\u0103un auch dann \u201eexistenzialisiert&#8220;, wenn er sich allumfassend verbreitet, und selbst in jenen Augenblicken abschweift, wenn er die Vision dramatisch zuspitzt. Und das nicht schrittweise oder abwechselnd, sondern in einem Zug, so dass die barocke F\u00fclle blitzartig zerstiebt und die existenzielle Zuspitzung \u2013 als eine Art von Rechtfertigung \u2013 wortreich zerflie\u00dft.<\/p>\n<p>Diese unm\u00f6gliche Synthese funktioniert nach dem Strukturprinzip eines vision\u00e4ren Oxymorons und strebt danach, das Gegens\u00e4tzliche, das sich im jeweils anderen offenbart, voll auszusch\u00f6pfen und auszukosten. Das gleiche Strukturprinzip einer unm\u00f6glichen Synthese l\u00e4sst Galaicu-P\u0103un auch auf handwerklicher Ebene walten, indem er die elektrisierende Spannung einiger Sequenzen auf die kunstvoll arrangierte Detailflut anderer Sequenzen prallen l\u00e4sst, also dem Elfenbeinturm die Bastelwerkstatt entgegensetzt, wobei die formale Virtuosit\u00e4t auch intertextuelle Spiele, subtile Dekompositionen und gelehrte Arrangements mit einschlie\u00dft. So scheint die unkontrollierbare poetische Eruption von intelligenter Sorgfalt geb\u00e4ndigt zu werden und der vision\u00e4re Furor von literarischem K\u00f6nnen. Gewiss handelt es sich dabei um zwei unterschiedliche Rhythmen, ja Tempi der Imagination: einerseits die mitrei\u00dfende Begeisterung, andererseits die peinliche Genauigkeit. Doch auch sie wechseln sich nicht ab, sondern treten simultan auf, weil erst die k\u00fcnstliche Verz\u00f6gerung eine eruptive Beschleunigung erm\u00f6glicht. Galaicu-P\u0103un bewegt sich also mit zwei Geschwindigkeiten gleichzeitig.<\/p>\n<p>Der grundlegende Gegensatz von priesterlicher Askese und barocker Abundanz, von Sinnsuche und Detailf\u00fclle wird von einer Art geschichtlichem Vampirismus der Vision aufgehoben. Galaicu-P\u0103uns Schreibweise mag zwar ebenso raumgreifend wie raumf\u00fcllend scheinen, doch sie ist extrem restriktiv. Seine B\u00fccher verschlingen einander, indem das jeweils letzte das Wesentliche aus den vorausgegangen aufsaugt. Dabei handelt es sich jedoch nicht um die Wiederaufnahme von Texten, sondern vielmehr von Symbolfeldern und Daseinsfragen, die in andere vision\u00e4re Dimensionen ger\u00fcckt werden. Nur das Unverm\u00f6gen, das letzte, das wesentliche, gewisserma\u00dfen das \u201eBuch der B\u00fccher&#8220; zu schreiben, hat Galaicu-P\u0103un zu einer schrittweisen Ann\u00e4herung gezwungen. Im \u00dcbrigen gleicht sein Projekt einer Pyramide, wobei der ausufernde Text lediglich das perverse Ergebnis der vision\u00e4ren Zuspitzung und tiefgr\u00fcndigen Verdichtung ist. <em>(Prof. Dr. Al. Cistelecan)<\/em><\/p>\n<p><strong>Kritische Stimmen<\/strong><\/p>\n<p>Er kommt aus dem umstrittensten Landstrich unserer Geschichte [&#8230;] und z\u00e4hlt zu den wenigen, die es gewagt haben, ihr Schicksal neu zu deuten und dessen unerbittlichen Ablauf zumindest in Ans\u00e4tzen zu verstehen: \u201eTod ist Wiedergeburt&#8220;. Deshalb, Weggenossen, sputet euch nicht, ihn \u00f6ffentlich hinzurichten!<em> (Dan-Silviu Boerescu, 1995)<\/em><\/p>\n<p>Mit seinem weit ausgreifenden, energiegeladenen literarischen Auftreten hat Emilian Galaicu-P\u0103un bewiesen, dass eine Rettung der rum\u00e4nischen Kultursph\u00e4re, innerhalb ihrer selbstverst\u00e4ndlichen Grenzen, aus eigener Kraft durchaus m\u00f6glich ist. (Virgil Mihaiu, 1995).<\/p>\n<p>Das Schreibfieber [&#8230;], die Erlebnistiefe und die Erfahrungsdichte von Emilian Galaicu-P\u0103uns Versen weisen ihn als einen Dichter aus, den es zu beachten gilt. <em>(Romulus Bucur, 1993)<\/em><\/p>\n<p>Ich riskiere es, mich in die Nesseln zu setzen, wenn ich behaupte, dass Emilian Galaicu-P\u0103un der Totengr\u00e4ber der zeitgen\u00f6ssischen Lyrik ist. Eine Art T\u00fcrschlie\u00dfer. [&#8230;] Weil das besch\u00e4digte Universum seiner Poesie sich nicht nur selbst verschwendet, wie man zun\u00e4chst annehmen k\u00f6nnte. Es ist sehr wohl auch gefr\u00e4\u00dfig wie ein Schwarzes Loch, das alles unterschiedslos verschlingt. Emilian Galaicu-P\u0103un ist ein Dichter, der sich alle \u201eg\u00fcltigen&#8220; Ideen einverleibt und blo\u00df vort\u00e4uscht, ein gro\u00dfz\u00fcgiger Geist zu sein. Er ist der totale Poet. <em>(Mircea V. Ciobanu, 1995)<\/em><\/p>\n<p>Der Horror vacui treibt Galaicu-P\u0103uns Gedichte zur (Wieder-)Entdeckung des Glaubens. Die \u201eBegegnung&#8220; mit Gott wird zum dramatischen Erlebnis, jenseits von Konventionen, weil der Autor als Vertreter der Postmoderne all seinen Zweifeln Ausdruck verleiht. <em>(Andrei Bodiu, 2002)<\/em><\/p>\n<p>So ergibt es sich, dass der Dichter, der hartn\u00e4ckig die Demarkationslinie zwischen Welt und Text aufzuheben versucht, die Geschichte beim Wort nimmt und in ein verw\u00fcnschtes Buch verwandelt [&#8230;]. Ein Verfahren, das im Falle dieses Dichters eine Form von Exorzismus zu sein scheint, die das Absurde zu vernichten sucht, indem sie es der L\u00e4cherlichkeit \u00fcberf\u00fchrt und der Parodie \u00fcberantwortet. Er bewegt sich also auf postmodernen Bahnen, was nahelegt, Emilian Galaicu-P\u0103uns \u201estumme&#8220; Texte [&#8230;] als eine groteske Pantomime aufzufassen, die h\u00f6chst geistreich die Geschichte als Fiktion enttarnt. <em>(Octavian Soviany, 2002)<\/em><\/p>\n<p>Die Entmythologisierung vollzieht sich nicht auf der Ebene der Parodie wie bei Sorescu, sondern eher auf jener der Revolte und des Abscheus wie bei Ezra Pound: eine Art <em>Cantos<\/em> f\u00fchren eine Apokalypse vor Augen, die Texte und Seelen, Jahreszeiten und Gesetze gleicherma\u00dfen besch\u00e4digt &#8230; <em>(Constantin Abalu\u0163\u0103, 2003<\/em>)<\/p>\n<p>Lieferbare Titel von <strong><a href=\"https:\/\/wp.pop-verlag.com\/?page_id=3357\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Emilian Galaicu-P\u0103un<\/a><\/strong>: <strong><a href=\"https:\/\/wp.pop-verlag.com\/?p=3363\">Yin Time<\/a><\/strong>. Aus dem Rum\u00e4nischen von <a href=\"https:\/\/wp.pop-verlag.com\/?page_id=964\">Hellmut Seiler<\/a>. (LYRIK- Sammlung), 122\u00a0Seiten, 20,0\u00a0\u00d7\u00a014,0\u00a0cm; ISBN: 978-3-937139-41-8,\u20ac[D]16,30.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Emilian Galaicu-P\u0103un: Yin Time. Aus dem Rum\u00e4nischen von Hellmut Seiler. (LYRIK- Sammlung), 122\u00a0Seiten, 20,0\u00a0\u00d7\u00a014,0\u00a0cm; ISBN: 978-3-937139-41-8, \u20ac[D]16,30. Ein Schilfrohr, auf dem ein romantischer Christuskopf steckt: So wirkt Emilian Galaicu-P\u0103un auf der Stra\u00dfe. Doch weder das Schilfrohr noch das Christusgesicht, die &hellip; <a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/wp.pop-verlag.com\/?p=3363\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[155,22,8],"tags":[],"class_list":["post-3363","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-e-erscheinungsjahr-2007","category-rumaenische-literatur","category-pop-lyrik"],"jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/wp.pop-verlag.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3363","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/wp.pop-verlag.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/wp.pop-verlag.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wp.pop-verlag.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wp.pop-verlag.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3363"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/wp.pop-verlag.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3363\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3370,"href":"https:\/\/wp.pop-verlag.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3363\/revisions\/3370"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/wp.pop-verlag.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3363"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/wp.pop-verlag.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3363"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/wp.pop-verlag.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3363"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}