{"id":5695,"date":"2021-05-26T13:35:34","date_gmt":"2021-05-26T13:35:34","guid":{"rendered":"https:\/\/wp.pop-verlag.com\/?page_id=5695"},"modified":"2026-02-12T08:02:43","modified_gmt":"2026-02-12T08:02:43","slug":"egnate-ninoschwili","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/wp.pop-verlag.com\/?page_id=5695","title":{"rendered":"Egnate Ninoschwili"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-5699\" src=\"https:\/\/wp.pop-verlag.com\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Egnate-Ninoschvili-1888-von-A.-Roinaschwili-215x300.jpg\" alt=\"\" width=\"215\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/wp.pop-verlag.com\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Egnate-Ninoschvili-1888-von-A.-Roinaschwili-215x300.jpg 215w, https:\/\/wp.pop-verlag.com\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Egnate-Ninoschvili-1888-von-A.-Roinaschwili.jpg 678w\" sizes=\"auto, (max-width: 215px) 100vw, 215px\" \/><a href=\"https:\/\/wp.pop-verlag.com\/?page_id=5695\"><strong>Egnate Ninoschwili<\/strong><\/a><\/p>\n<p>Zeittafel<\/p>\n<p>Egnate Ninoschwili (eigentlich Egnate Ingoroqwa) ist am 17. Februar 1859 in Qela geboren. Das Dorf Qela geh\u00f6rte damals zum Gouvernement von Kutaisi.<\/p>\n<p>Egnates Vater, Thoma, war ein unfreier Bauer. Auch seine Mutter, Nino Baramidse, stammte aus einer Bauernfamilie. Egnate war ihr einziges Kind. Die Mutter starb, als Egnate f\u00fcnf Monate alt war. Die Mutterrolle \u00fcbernahm dann seine Tante Nino, die Schwester seines Vaters, die dem Kind, das von Geburt an sehr schwach und kr\u00e4nklich war, uneingeschr\u00e4nkte m\u00fctterliche Liebe und F\u00fcrsorge zukommen lie\u00df. Egnate lernte von ihr das Alphabet. 1870 wurde er in die Obhut eines Pfarrers gegeben. Er sollte ihn die Gebete und das Schreiben lehren. Anschlie\u00dfend wurde Egnate nach Poti geschickt, zum Neffen dieses Pfarrers, der dort mit B\u00e4umen Handel trieb. Dieser behandelte Egnate wie seinen Leibeigenen und sperrte ihn in der K\u00fcche ein. Deshalb musste Egnate dem Unterricht fernbleiben. Nach einiger Zeit holte ihn sein Onkel von dort ab und brachte ihn zu sich.<br \/>\n1871-1875 verbrachte Egnate in seinem Heimatdorf und besuchte dort die Dorfschule. Wegen seiner Armut musste er sich gelegentlich als Hirtenjunge verdingen und auf den Unterricht verzichten, lernte aber selbstst\u00e4ndig weiter und schloss 1872 die Dorfschule ab. Im Februar 1876 wechselte er in das Priesterseminar in Osurgeti. Der Leiter des Priesterseminars, Pfarrer Swimon Kikodse, war ein treuer Diener des damaligen Regimes. Er verlegte die Unterkunft der Studenten zu sich nach Hause, um von ihren Eltern die Miete zu kassieren. Die Studenten lie\u00df er in seinem Garten umsonst arbeiten, was in der Studentenschaft einen gewissen Unmut hervorrief, denn sie alle kannten die Nachrichten \u00fcber die russische Nationalbewegung und die Pariser Kommune der 70er-Jahre und wollten ihr eigenes Schicksal nicht blind akzeptieren.<\/p>\n<p>Zu der Zeit wurde ein junger Lehrer Iwane Liadse, der in Tbilisi seine Ausbildung gemacht hatte, als Inspektor nach Osurgeti geschickt. Er geh\u00f6rte zum Kreis jener Studenten, die sich von der russischen fortschrittlichen Literatur begeistern lie\u00dfen. Liadse war ein aktives Mitglied der Zeitung \u201eDroeba\u201c (Zeit). Der junge Inspektor deckte sehr schnell die Missst\u00e4nde im Seminar auf und versuchte dagegen anzuk\u00e4mpfen. Er zeigte die Willk\u00fcr des Pfarrers an und machte sich dadurch bei den Studenten sehr beliebt. Dem regimetreuen Pfarrer gelang es leicht den St\u00f6renfried loszuwerden, aber seine Studenten sympathisierten dem jungen Lehrer noch weiter und versuchten durch Streiks, seine R\u00fcckkehr zu erzwingen. Der Initiator dieser Aktion war Egnate Ninoschwili. Wegen dieses Ungehorsams wurde er exmatrikuliert und durfte nicht mehr weiterstudieren. Egnate versuchte mithilfe seiner Freunde privat den Lehrstoff nachzuholen, legte die Pr\u00fcfungen ab und wurde 1879 als Dorflehrer nach Tschotschchati geschickt.<\/p>\n<p>Egnate Ninoschwili arbeitete bis 1882 als Lehrer. Er steckte st\u00e4ndig in finanziellen Schwierigkeiten. Au\u00dferdem sp\u00fcrte er den unb\u00e4ndigen Drang, sich weiterzubilden. Deshalb h\u00f6rte er mit der Lehrt\u00e4tigkeit auf, zog weiter und arbeitete bei der Bahn in Batumi.<\/p>\n<p>1882-1883 war er als Telegraph am Bahnhof Supsa besch\u00e4ftigt. Im Winter 1884 zog er nach Tbilisi, wo er mithilfe von Sakaria Tschitschinadse eine Anstellung als Schriftsetzer in der Druckerei von Arsen Kalandadse bekam. Auch hier verdiente er so wenig, dass es gerade f\u00fcr Essen und Trinken ausreichte. Kurze Zeit sp\u00e4ter kehrte er nach Guria zur\u00fcck.<\/p>\n<p>1886 arbeitete Egnate als Schreiber beim Dorfgericht. Im selben Jahr bekam er von seinen Freunden eine finanzielle Hilfe und reiste zum Studium nach Frankreich. Er fuhr mit dem Schiff von Megrelien nach Marseille und von dort nach Montpellier.<\/p>\n<p>In Frankreich ging es ihm finanziell mitunter so schlecht, dass er dort als Stra\u00dfenfeger arbeitete. Egnate blieb bis zum 25. M\u00e4rz 1887 in Montpellier und kehrte dann nach Georgien zur\u00fcck.<br \/>\n1887 war er als Sekret\u00e4r bei Grigol Gurieli angestellt. Er arbeitete auch in dessen Bibliothek. Dort las er wissbegierig in allen B\u00fcchern und ver\u00f6ffentlichte Feuilletons und Briefe in der Zeitung \u201eIweria\u201c. Damals begann er mit dem Schreiben seines historischen Romans und beendete ihn Ende Mai 1889.<\/p>\n<p>Im Oktober 1889 war er wieder arbeitssuchend in Batumi, machte Gelegenheitsjobs im Hafen und verrichtete bis 1890 schwere k\u00f6rperliche Arbeit erst in der Rothschild-Fabrik und dann in der Manganmine in Zestaponi.<\/p>\n<p>1890 erkrankte er an der Tuberkulose.<\/p>\n<p>1890-1891 schrieb er die Erz\u00e4hlungen: \u201eSimona\u201c, \u201eDer See von Paliastomi\u201c, \u201eKristine\u201c und andere. Er war ein aktives Mitglied der damaligen revolution\u00e4ren Bewegung.<\/p>\n<p>1892 begann die traurige Romanze Egnate Ninoschwilis mit Nadasi Kalandadse. Er lernte sie am Neujahrsfest bei einem Freund kennen. Ninoschwili war von ihrer Ausstrahlung, Bildung und Benehmen so begeistert, dass er sich auf der Stelle in sie verliebte. Er \u00fcberwand seine Sch\u00fcchternheit und schrieb ihr sp\u00e4ter einen Liebesbrief. Leider war Nadasi schon einem anderen versprochen und hiermit f\u00fcr ihn unerreichbar. Welche Entt\u00e4uschung Egnate durch seine erste und letzte Liebe erfahren musste, schilderte er in seinem zweiten Brief an Nadasi. Den Brief hatte sie entgegen Egnates Wunsch, diesen nach dem Lesen sofort zu zerrei\u00dfen, sorgf\u00e4ltig aufbewahrt und nach dessen Tod seinem Biographen \u00fcbergeben.<\/p>\n<p>Anfang 1892 arbeitete Egnate als Vorarbeiter in der Mineral\u00f6lfabrik in Batumi. Vom Fr\u00fchling bis August desselben Jahres war er in einem Kontor in Gomi angestellt. Im November 1892 zog er nach Tbilisi um. Ende des Jahres organisierte er zusammen mit Micha Zchakaia eine politische Versammlung in Zestaponi. Er k\u00e4mpfte entschlossen gegen die Nationalisten, obwohl er am Anfang unter ihrem Einfluss gestanden hatte. In dieser Zeit war er einer der bekanntesten revolution\u00e4ren Intellektuellen in Georgien.<\/p>\n<p>1893 bewohnte Egnate, der von der Tuberkulose sehr geschw\u00e4cht war, eine Wohnung in Tbilisi, die seine Freunde f\u00fcr ihn gemietet hatten. Er lernte Deutsch, schrieb \u201eDie Verw\u00fcstung\u201c zu Ende und begann mit \u201eDer edle Ritter unseres Landes.\u201c<\/p>\n<p>Egnate Ninoschwilis schriftstellerisches Wirken dauerte lediglich sieben Jahre (1887-1894) und er schuf in der kurzen Zeit mehr als irgendein anderer Vertreter der georgischen Literatur. In fast jeder Erz\u00e4hlung beschrieb er die zeitgen\u00f6ssische soziale Lage, die nach der Abschaffung der Leibeigenschaft in den 80-90-er Jahren des 19. Jahrhunderts in Georgien herrschte. Seine Protagonisten stammten alle aus dem wahren Leben. Einige von ihnen soll der Schriftsteller pers\u00f6nlich gekannt haben. F\u00fcr seinen Schreibstil war seine eigene Art der Naturbeschreibung charakteristisch. Die Natur existierte manchmal im Gleichklang mit den Menschen und manchmal war sie ihnen gegen\u00fcber kalt und gleichg\u00fcltig. Die Selbstmorde wurden stets von Regen und Gewitter begleitet.<br \/>\nEgnate Ninoschwili wandte oft den Traum als stilistisches Mittel an. Bei ihm war der Traum nicht nur ein Vorbote des Guten oder des B\u00f6sen, sondern ein Weg, um die Geschichte spannender zu erz\u00e4hlen und den inneren seelischen Zustand des Helden klarer zu zeichnen. Alle seine Helden trugen Namen, die ihr Wesen und ihren Charakter widerspiegeln: Uischwili (Wehe), Mklawadse (Arm), Mzirischwili (wenig) usw. Die Sprache, die er verwendete, war die Umgangssprache des gemeinen Volkes. Der Schriftsteller bediente sich keiner literarischen Ausschm\u00fcckungen. Er gebrauchte oft Sprichw\u00f6rter, Dialekte, Legenden, Gedichte und Lieder, das seinen Erz\u00e4hlungen mehr soziale Tiefe und literarische Spannung verleihen sollte.<\/p>\n<p>1893 nahm er in Tbilisi an der zweiten illegalen Konferenz der \u201eDritten Partei\u201c teil. Seine Krankheit zwang ihn aber erst nach Batumi und dann wieder in sein Heimatdorf zur\u00fcckzukehren.<\/p>\n<p>Egnate Ninoschwili starb am 12. Mai 1894 im Alter von f\u00fcnfunddrei\u00dfig Jahren. An seiner Beerdigung nahmen sehr viele Menschen, darunter viele Prominente teil.<\/p>\n<p>Lieferbare Titel von <a href=\"https:\/\/wp.pop-verlag.com\/?page_id=5695\"><strong>Egnate Ninoschwili<\/strong><\/a><\/p>\n<ul>\n<li><strong><a href=\"https:\/\/wp.pop-verlag.com\/?p=5686\">Der edle Ritter unseres Landes<\/a><\/strong><br \/>\n<strong>Erz\u00e4hlungen<\/strong><br \/>\nAuswahl von Dato Barbakadse. Nachwort von Bela Tsipuria. Aus dem Georgischen \u00fcbersetzt von <a href=\"https:\/\/wp.pop-verlag.com\/?page_id=1827\">Maja Lisowski<\/a>. Kaukasische Bibliothek Band 28 (Georgien).<br \/>\nReihe Epik Bd.121, ca. 229 Seiten, ISBN 978-3-86356-330-1, \u20ac [D19,90<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Egnate Ninoschwili Zeittafel Egnate Ninoschwili (eigentlich Egnate Ingoroqwa) ist am 17. Februar 1859 in Qela geboren. Das Dorf Qela geh\u00f6rte damals zum Gouvernement von Kutaisi. Egnates Vater, Thoma, war ein unfreier Bauer. 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