{"id":3460,"date":"2018-08-15T09:04:53","date_gmt":"2018-08-15T09:04:53","guid":{"rendered":"https:\/\/wp.pop-verlag.com\/?page_id=3460"},"modified":"2023-05-16T13:14:38","modified_gmt":"2023-05-16T13:14:38","slug":"interview","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/wp.pop-verlag.com\/?page_id=3460","title":{"rendered":"Interview"},"content":{"rendered":"<p>\u25a0 <a href=\"https:\/\/open.spotify.com\/episode\/0VLcHHVgDpqdKPxiByfRDV\">Biografie und Literatur. Gespr\u00e4ch mit dem Schriftsteller Johann Lippet<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/open.spotify.com\/episode\/0VLcHHVgDpqdKPxiByfRDV\">open.spotify.com\u00a0 <\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/open.spotify.com\/episode\/0VLcHHVgDpqdKPxiByfRDV\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-6651 size-medium\" src=\"https:\/\/wp.pop-verlag.com\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/JL-Podcast-IDGL-300x300.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/wp.pop-verlag.com\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/JL-Podcast-IDGL-300x300.jpg 300w, https:\/\/wp.pop-verlag.com\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/JL-Podcast-IDGL-150x150.jpg 150w, https:\/\/wp.pop-verlag.com\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/JL-Podcast-IDGL.jpg 640w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p class=\"nfy-ar-kicker\">\u25a0 <a href=\"https:\/\/www.morgenweb.de\/schwetzinger-zeitung_artikel,-hockenheim-ich-liebe-die-sprache-in-ihrem-nuancenreichtum-_arid,1626102.html?fbclid=IwAR0xHQNX_Y-tJN6dA3c7zCbOR8jSMRlg4OCKZ6CrD2o19noQFxAwqVYpx-Q\">Im Interview Rainer Wedler \u00fcber seinen neuen Gedichtband <strong>\u201eVor dem Fenster tanzt ein frecher Gedanke\u201c \/ Fotografien von Carsten Sternberg begleiten Werke aus 2017 bis 2019<\/strong> \/ Pr\u00e4sentation verschoben \u201eIch liebe die Sprache in ihrem Nuancenreichtum\u201c<\/a><\/p>\n<p>\u25a0<strong> Charlotte Ueckert antwortet,<\/strong><br \/>\n<strong>Traian Pop Traian fragt<\/strong><\/p>\n<p>&#8222;Wir werden kleiner, exklusiver. Na und?&#8220;<\/p>\n<p>Ist man oder wird man Schriftsteller?<br \/>\nIch wei\u00df das nicht. Man wird es langsam, aber die Disposition daf\u00fcr muss vielleicht da sein.<br \/>\nWann wusstest du, dass du schreiben willst?<br \/>\nSo ungef\u00e4hr seit ich lesen und schreiben kann. Es existiert noch eine Rechenkladde, darauf steht mein Kindername: \u201eLotti \u2013 11 Jahre\u201c. Sie enth\u00e4lt keine Zahlen, keine Addierungen, sondern gereimte Gedichte wie \u201eAn den Geliebten\u201c oder \u201eDie Piratin\u201c. Ich begann auch mit 11 Jahren Tagebuch zu schreiben, mit Unterbrechungen bis heute und jetzt wie damals wieder mit der Hand.<br \/>\nWelches Alter fandest du als g\u00fcnstig f\u00fcr das literarische Schaffen? Wann und wie fiel dir das Recht zum sch\u00f6pferischen Akt zu?<br \/>\nJeder hat das Recht sch\u00f6pferisch zu sein. Das ist f\u00fcr mich eine Ausgangsposition, zum Beispiel wenn ich Schreibwerkst\u00e4tten leite.<br \/>\nAutoren k\u00f6nnen nicht fr\u00fch genug anfangen, dann sind sie voll da im mittleren Alter und vielleicht noch \u201epotent\u201c in sp\u00e4ten Jahren.<br \/>\nBist du in eine Schule des Schreibens gegangen, hast du literarische Vorbilder? Wie sah deine Entwicklung in der Kunst des Schreibens aus?<br \/>\nAllein, aber durch Aufmerksamkeit und Lesen. Ein Vorbild war Sarah Kirsch, ich habe meine Magisterarbeit \u00fcber sie geschrieben.<br \/>\nWas bedeutet dir die Literatur? Ist Schreiben wichtiger als Leben f\u00fcr dich?<br \/>\nUm Himmels willen. Ich schreibe doch, weil ich lebe.<br \/>\n\u201eIch schreibe, also lebe ich.\u201c K\u00f6nntest du diese Worte unterschreiben? So wollte ich dich eigentlich fragen. Was treibt dich dazu, was gibt dir Stoff? Wie sehen die Bedingungen aus, unter denen du schreibst?<br \/>\nDa baut sich in mir etwas auf. Ich muss etwas tun. Ich muss mich sprachlich ausdr\u00fccken \u00fcber das, was ich sehe, denke, empfinde. Einfach ein starker Drang. Ich lebe aber auch ohne Schreiben.<br \/>\nDu schreibst Gedichte, Kurzprosa, Erz\u00e4hlungen, Essays, Biographien. Warum keine Romane?<br \/>\nDie lange Form ist mir vielleicht deshalb nicht gegeben, weil mir immer \u201edas Leben dazwischen\u201c kommt.<br \/>\nWas bedeutet Leistung in der Literatur?<br \/>\nEine interessante Frage. Erfolg und Geld nicht. Vielleicht: mit sich selbst einig sein.<br \/>\nWir leben in einer Welt, in der die Gewalt herrscht, die Einsamkeit, das Geheimnis eines Gl\u00fccks oder eines Schmerzes, denen gegen\u00fcber wir ohnm\u00e4chtig sind. Was kann Dichtung in dieser sch\u00e4ndlichen Welt noch bedeuten? Ein anderes Denken? Eine andere Wahrnehmung? Ist die Literatur in dieser explosiven Zeit ein Zeichen der Schw\u00e4che oder der St\u00e4rke?<br \/>\nLiteratur kann bei der Verarbeitung von Schw\u00e4chen helfen. Im Ungl\u00fcck tr\u00f6sten. Und sie ist ein heimlicher Widerstand gegen das, was du sch\u00e4ndlich nennst.<br \/>\nDu warst 1995 in Struga. Wie f\u00fchlt man sich auf einem solchen Festival der \u201eGoldene Kranz\u201c- Preistr\u00e4ger, zu denen unter anderem so gro\u00dfe Namen z\u00e4hlen wie Bulat Okudzhava, Pablo Neruda, Eugenio Montale, L\u00e9opold S\u00e9dar Senghor, Artur Lundkvist, Hans Magnus Enzensberger, Nichita St\u0103nescu, Andrey Voznesensky, Yiannis Ritsos, Allen Ginsberg, Joseph Brodsky, Ted Hughes, Yves Bonnefoy, Margaret Atwood, Ana Blandiana&#8230;? Wie war das? Willst du uns etwas \u00fcber die weniger bekannten Seiten der sechst\u00e4gigen \u201ePoesieabende\u201c verraten?<br \/>\nDieses Dichtertreffen ein Erlebnis! Auf der Br\u00fccke zu stehen und vor Menschenmassen zu lesen, die den Fluss auf beiden Seiten schwarz s\u00e4umen. Hinter mir lauter Dichter, \u00fcberwiegend M\u00e4nner. Frauen waren auf den j\u00e4hrlichen Treffen damals eine Minderheit.<br \/>\nIch fuhr zum Gl\u00fcck mit zwei deutschen Kollegen, denn die meisten der Dichter kamen aus dem Ostblock, sprachen Russisch und wenig Englisch. Auf dem Weg nach Struga fuhren wir von Skopje \u00fcber einen Pass in den S\u00fcden. Oben waren Restaurants, aber keine Toiletten. Es gab B\u00e4ume, die M\u00e4nner hatten es einfach. Ich habe dort im Schutz meiner beiden deutschen Kollegen gepinkelt. Es gab st\u00e4ndig Feste, drau\u00dfen am See oder in der Hotelhalle, auf einem Schiff und im Pr\u00e4sidentenpalast, alles unwirklich. Die alten Kirchen, die wir am Ohridsee besichtigten, haben mich bezaubert, eine sch\u00f6ne Landschaft, ein gro\u00dfes Hotel, aber im Schrank klebte es und nachdem ich ein neues saubereres Zimmer bekam, musste ich daf\u00fcr einen Gang mit Kotzflecken entlang gehen. Pausenlos wurde gesoffen, das Dichterklischee voll erf\u00fcllt. Wir alle hatten das Gef\u00fchl, am wichtigsten Ort der Welt zu sein, an dem jeder von uns etwas bedeutete. Gleichzeitig f\u00fchlte ich eine beunruhigende Unsicherheit, eine Bedrohung: \u00fcberall waren Soldaten und Kontrollen.<br \/>\nYehuda Amichai aus Israel (eigentlich Ludwig Pfeuffer, deutsch-israelischer Lyriker.) bekam 1995 den \u201eGoldenen Kranz\u201c. Wie ist er in deiner Erinnerung geblieben? Welcher Teilnehmer, welche Teilnehmerin hat dich am meistens beeindruckt? Hat sich etwas in deinem Leben nach diese Teilnahme ge\u00e4ndert<br \/>\nVom Preistr\u00e4ger habe ich ein Buch im B\u00fccherschrank.<br \/>\nMit Widmung? Wie fandest du die Juryentscheidung?<br \/>\nDazu kann ich wenig sagen. Der Autor war mir damals unbekannt und die Preisvergabe habe ich nicht mitbekommen, sonst h\u00e4tte ich vielleicht eine Widmung.<br \/>\nHast du noch einmal etwas Vergleichbares erlebt. Ich meine, einen solchen Literaturtreff?<br \/>\nJa ebenfalls im Osten Europas, 2 Jahre vorher in Smederewo s\u00fcdlich von Belgrad. Ein Festival der Donaul\u00e4nder. Wie ich als Hamburgerin dorthin kam, frag mich nicht. Eine Wienerin, Elisabeth Schawerda und ich wurden dort von einem Dolmetscher in Sippenhaft genommen. Eigentlich h\u00e4tte er f\u00fcr uns die Verbindung zu den anderen Schriftstellern herstellen sollen und dolmetschen. Aber er behielt uns in seinen F\u00e4ngen. Am Flughafen Belgrad, &#8211; wo ich versp\u00e4tet ankam \u2013 ich wusste gar nicht wohin \u2013 stand er mit meinem Namen in der Hand und so blieb ich von ihm abh\u00e4ngig bis zum Abflug.<br \/>\nDie Freundschaft mit Elisabeth blieb. Ich bin \u00f6fter in Wien.<br \/>\n\u201eMit dem Vaterskelett unterwegs\u201c schreibst du. Zur\u00fcck also nach Deutschland: Ich interessiere mich sehr f\u00fcr die Geschichte des Landes, wo ich geboren bin. Nun stelle ich fest, dass vieles &#8211; wenn nicht alles &#8211; was ich wusste, nicht der wahren Geschichte entspricht. So war es leider in dem vom Kommunismus eroberten Ostens Europas. War es anders in dem gelobten Westen? Wann hast du tats\u00e4chlich mitbekommen, was in Deutschland passiert ist unter der Nazi-Herrschaft? Wie oder woher? Wie hast du die Entnazifizierung erlebt. Wie hast du die Besatzung Deutschlands sowie die innerdeutsche Grenze<br \/>\nerlebt?<br \/>\nMir haben viele erz\u00e4hlt, sie h\u00e4tten in der Schule nichts geh\u00f6rt von den Nazigr\u00e4ueln. F\u00fcr mich gilt das nicht. Mit neun Jahren habe ich etwas in der Zeitung meines Vaters \u00fcber das Vergasen von Juden gelesen. Ich habe damals zu Gott gebetet: Bitte lass die Atombombe auf die Menschheit fallen. Dann gab es in einer Zeitschrift Berichte \u00fcber Mengele. Da war ich f\u00fcnfzehn. Und zumindest in meiner Schule in Niedersachsen habe ich zu der Zeit alle diese schreckliche Filme zu sehen bekommen, die man heute nur noch hartgesottenen Erwachsenen zeigt. Ich wusste von Anfang an immer Bescheid \u00fcber die Schrecken der Welt. Das hat nat\u00fcrlich auch mein Schreiben beeinflusst.<br \/>\nWie hast du die 1968 Bewegung erlebt?<br \/>\nAls junge Ehefrau mit kleinem Baby. Mein Studium hatte ich abbrechen m\u00fcssen. Und freie Liebe habe ich \u00e4ngstlich verurteilt. Aber f\u00fcr mich war es gut, mein konservatives Leben so fr\u00fch zu f\u00fchren, und sp\u00e4ter eine Ausbildung zu machen, drei Jahre Berufserfahrung zu haben und dann erst erneut das Studium. Als \u00e4ltere Studentin hatte ich einen ganz anderen Durchblick.<br \/>\nWarst du eine Hippiefrau? Was bedeutete f\u00fcr dich die Hippie- und Friedensbewegung?<br \/>\nWenig, nur im Fernsehen und bei Parties von Freunden, die in Poona waren. Ich hatte ja Mann und Kind. War eher nur modisch dabei.<br \/>\nWie siehst du die deutsche Wiedervereinigung?<br \/>\nIch bin sehr froh dar\u00fcber. Ich war oft \u201edr\u00fcben\u201c, seit Ende der Siebziger. Als angebliche Kusine eines befreundeten K\u00fcnstlers, zusammen mit meiner Familie oder allein. Mit seiner Witwe habe ich die Ost-West-Problematik der Jahre nach der Wende durchlebt. Es gab viele Missverst\u00e4ndnisse. Heute sind wir befreundet, wegen der Entfernung vor allem \u00fcber das Telefon. F\u00fcr die n\u00e4chste Generation ist alles schon einfacher.<br \/>\nWas von allem &#8211; der von dir erlebten Deutschen Geschichte -, hat dich am meisten gepr\u00e4gt?<br \/>\nDie atomare Bedrohung Mitte der Achtziger. Ich war sicher, dass es Hamburg trifft. Mein Mann und ich haben beim Wandern in unserer Umgebung immer geschaut, wo man vielleicht unterschl\u00fcpfen k\u00f6nnte.<br \/>\nWas von allem, was in der Welt passiert und direkt oder indirekt von dir erlebt wurde, hat in dir die tiefsten Spuren hinter-<br \/>\nlassen?<br \/>\nDamals 1962, die Kubakrise. Da hatte ich ebenso Angst, es gibt Krieg. Ich merke schon, es sind alles bedrohliche Ereignisse, die mich bewegt haben. Ich bin Ende des Krieges geboren, die Nachkriegszeit war gepr\u00e4gt von Erz\u00e4hlungen der davongekommenen Erwachsenen.<br \/>\nIst deine Literatur auch (d)eine Antwort an all diese Fragen?<br \/>\nNein, nein, das ma\u00dfe ich mir nicht an.<br \/>\nDu lebst quasi in zwei L\u00e4ndern: in Deutschland und in Italien. Was verbindet dich mit der Toskana, mit Sizilien und anderen Landschaften?<br \/>\nItalien ist f\u00fcr mich ein Land von fr\u00fcher europ\u00e4ischer Geschichte und allen bedeutenden Kunstepochen. Von den Etruskern \u00fcber die R\u00f6mer bis heute, von der Renaissance und der Moderne. Und nat\u00fcrlich waren es die Lebensart und die Liebe, die mir hier begegneten.<br \/>\nZur\u00fcck zu Deutschland und der deutschen Literatur: Wie geht es der deutschen Literatur der Gegenwart? Wie ist dein Verh\u00e4ltnis zu deinen (Schreib)Kollegen?<br \/>\nIch freue mich, wenn ich sie treffe. Ich mag und brauche den Austausch. Die Arbeit in Vorst\u00e4nden hat mich eine Weile interessiert, dann wollte ich nicht mehr organisieren, sondern meine eigenen Dinge vorantreiben. Es sind einige gute Bekannte, aber nur wenige, die ich zu meinen Freunden z\u00e4hle. Und viele, die man kennt und denen man um den Hals f\u00e4llt. Was mir fehlt, ist eine offene Debatte. Wir sind oft sehr vorsichtig miteinander.<br \/>\nHat sich seit deinen Anf\u00e4ngen das Schriftstellerdasein ver\u00e4ndert? Glaubst du, dass die Literatur auch in den kommenden Jahren ihren Platz haben wird?<br \/>\nNa und ob. Damals war alles aufregend, und wir Autoren waren etwas Besonderes. Heute fragen die Leute, ob Autoren ihre B\u00fccher finanzieren. Lesungen werden nicht mehr so viel besucht, eindeutig. Aber ich weigere mich, von einem Niedergang zu sprechen. Es wird anders, aber immer noch wichtig, f\u00fcr Produzenten wie f\u00fcr Rezipienten. Wir werden kleiner, exklusiver. Na und?<br \/>\nBringt uns die Vorstellung eines vereinten Europas auf kultureller Ebene voran?<br \/>\nIch hoffe, dass unsere kulturelle Vielfalt einen Grundstock f\u00fcr Europa geben kann. Kultur w\u00fcnscht Verst\u00e4ndigung, will aber Identit\u00e4t nicht aufgeben. Das ist ein bedeutenderer Faktor als Tagespolitik.<br \/>\nWas sagst du heute \u00fcber die Autorin, die 1979 ihren ersten Gedichtband, \u201eAls w\u00e4r ich hier nicht fremd\u201c ver\u00f6ffentlichte?<br \/>\nEin bisschen unerfahren, naiv. Aber ich akzeptiere es.<br \/>\n\u201eSO OFT HAT ES GEKLOPFT \/ Und wenn die T\u00fcr ge\u00f6ffnet war \/ Stand dort niemand \/ Und wenn du einen eingelassen \/ War es immer ein Fremder\u201c. Dies w\u00e4re schon ein guter Grund, deinen gerade ver\u00f6ffentlichten Gedichtband zu lesen, denke ich. Und du? Warum, glaubst du, sollten deine B\u00fccher gelesen werden ?<br \/>\nWer offen daran geht, die Gedichte zu lesen, wird neue und andere Erfahrungen machen. In meiner Prosa vermittelte ich meine Kenntnisse \u00fcber Geschichte, L\u00e4nder und Personen. M\u00f6chte Zusammenh\u00e4nge sehen und schaffen.<br \/>\nWas steht auf deinem Schreibtisch? Woran arbeitest du gerade?<br \/>\nUnerledigtes liegt dort. Sch\u00f6n, wenn es nur der Laptop ist. Dann kann ich auch ein bisschen wandern von einer Datei zur anderen. Es wird n\u00e4chstes Jahr eine Reiseerz\u00e4hlung geben, ein anderes Thema ist vorbereitet, aber noch nicht geschrieben.<br \/>\nWas m\u00f6chtest du zum Abschluss unseres Gespr\u00e4ch noch sagen?<br \/>\nIch m\u00f6chte B\u00fccher gedruckt lesen, sie anfassen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>\u25a0 <strong>Andreas Wilhelm im Gespr\u00e4ch mit Imre T\u00f6r\u00f6k<\/strong><\/p>\n<p>\u201eSchon ein lyrischer Tropfen h\u00f6hlt den Stein der Barbarei\u201c<\/p>\n<p>7.10.2008<\/p>\n<p><em>Lieber Imre,<\/em><br \/>\n<em>seit 2005 bist du Bundesvorsitzender des Verbands deutscher Schriftsteller (VS), den es nun seit fast vierzig Jahren gibt. Gleichzeitig bist du selbst Autor und schon seit langem im Kulturbetrieb t\u00e4tig. Bevor wir auf die Arbeit eingehen, ein paar pers\u00f6nliche Fragen:<\/em><br \/>\n<em>Wie bist du nach Deutschland gekommen, und was hat dich hier gehalten?<\/em><br \/>\nDas war nicht meine freie Entscheidung. Meine Eltern haben aus politischen Gr\u00fcnden Ungarn verlassen. Als Jugendlicher in der Fremde, ohne Kenntnisse der Sprache und Mentalit\u00e4t der neuen Heimat war es zun\u00e4chst nicht gerade spa\u00dfig. Diese Jahre haben mich aber auch gelehrt, dass schwierige Lebenssituationen zum Engagement herausfordern. Von daher &#8230;<br \/>\nF\u00fchlst du dich eher als Ungar oder als Deutscher? Pers\u00f6nlich, aber auch literarisch, was liegt dir n\u00e4her?<br \/>\n&#8230; von daher hat das Wechselbad heimatsuchender Gef\u00fchle in jenen schwierigen Jugendjahren wohl zu dem Ergebnis beigetragen, dass ich inzwischen Ungarn wie Deutschland mit gleicher N\u00e4he \u2013 oder auch mit Distanz? \u2013 erlebe. Ich habe wunderbare Vorlieben, die jeweils nur in dem einen Kulturkreis lebbar oder literarisch, sprachlich, kulinarisch zu genie\u00dfen sind. Vielleicht schl\u00e4gt mein Herz ein wenig intensiver ungarisch, w\u00e4hrend mein Denken etwas eher von H\u00f6lderlin, Kant oder Bloch gepr\u00e4gt ist.<\/p>\n<p><em>Du hast Germanistik, Geschichte und Philosophie in T\u00fcbingen studiert. Welche Bedeutung haben diese F\u00e4cher heute f\u00fcr deine Arbeit?<\/em><br \/>\nEin geisteswissenschaftliches Studium ist keine Voraussetzung f\u00fcr die literarische Arbeit, kommt ihr aber sicherlich zugute. Philosophie spielt in meinem Fall eher die Rolle, Pforten der Wahrnehmung zu \u00f6ffnen, und ich habe bis heute nicht aufgeh\u00f6rt, Philosophie zu \u201estudieren\u201c. Damit sie mich aus dem Takt bringt und gar nie das Gef\u00fchl aufkommen l\u00e4sst, die Weisheit mit L\u00f6ffeln gefressen zu haben.<\/p>\n<p><em>Naturgem\u00e4\u00df hast du sehr guten und weit vernetzten Kontakt zu einer Vielzahl von Institutionen und Autoren in Deutschland. Mit dabei ist auch Martin Walser. Wie habt ihr euch kennen gelernt und was verbindet euch?<\/em><br \/>\nDa wir beide Mitglieder im selben Landesverband des VS sind, also in Baden-W\u00fcrttemberg, haben wir uns bei Literaturveranstaltungen schon in den 80er Jahren des \u00f6fteren getroffen. Der Schriftstellerin Johanna Walser, seiner Tochter, bin ich auch seit langem kollegial freundschaftlich verbunden. Mein erster Besuch im Hause Walser galt eigentlich ihr, und ich wei\u00df noch, wie sch\u00fcchtern ich am n\u00e4chsten Tag dem Meister gegen\u00fcber sa\u00df. Manche sp\u00e4tere Momente der pers\u00f6nlichen Begegnung mit Martin, wie z. B. eine Nacht bei sehr viel Rotwein auf einem Schriftstellerkongress, habe ich auch literarisch festgehalten. Was mich mit ihm verbindet, lie\u00dfe sich in der K\u00fcrze hier nur in banale Worte fassen. Etwas Auskunft gibt mein Geschichte \u201eUmgebracht von Martin Walser\u201c. Was Martin mit mir verbindet, k\u00f6nnte nur er<br \/>\nsagen.<\/p>\n<p><em>Wie ist deine Meinung zu Martin Walsers polarisierender Rede in der Frankfurter Paulskirche am 11.Oktober 1998?<\/em><br \/>\nIch fand sie nicht polarisierend, aber sicherlich zugespitzt und ich meine, dass wir Martin Walser wesentlich differenzierter sehen m\u00fcssen, als es die Diskussion \u00fcber seine Rede widerzuspiegeln vermocht hat. Ich war damals Landesvorsitzender des VS in Baden-W\u00fcrttemberg, und nachdem in manchen Reaktionen auf seine Rede der fatale Vorwurf des Antisemitismus erhoben worden war, haben wir auf Anregung meines Freundes Horst Brandst\u00e4tter im Staatstheater Stuttgart eine solidarische Lesung veranstaltet. Wir lasen Texte von Walser, in denen er u. A. Auschwitz thematisiert und die wahrlich keinen Zweifel an seinen humanistischen \u00dcberzeugungen aufkommen lassen.<br \/>\nErinnerung und Verarbeitung der deutschen Geschichte ist ein Thema, mit dem auch der VS viel zu tun hat. Ein Beispiel sind die Aktionen zum Jahrestag der B\u00fccherverbrennungen. In wiefern siehst du Autoren und den Verband hier in einer besonderen Verantwortung?<br \/>\nMenschenw\u00fcrdig K\u00fcnftiges braucht auch die mahnenden Worte der Erinnerung. Die Ereignisse 1933 ff sind nur ein Beispiel, wenn auch eines der furchtbarsten, die offenbaren, wie schnell die d\u00fcnne Humusschicht der Kultur verweht wird und der blanke Barbar zum Vorschein kommt.<br \/>\nAls eher Kulturpessimist, der jedoch mit Leib und Seele f\u00fcr eine kulturoptimistische Weltsicht und Zukunft k\u00e4mpft, f\u00fcrchte ich, dass uns globale Verteilungsk\u00e4mpfe verst\u00e4rkt drohen, die abermals Menschengruppen in blutr\u00fcnstige Horden verwandeln k\u00f6nnten. Ich bin oft traurig und entsetzt, dass Ereignisse wie in Bosnien, in Ruanda, im Sudan (Dafur) in einer \u201ezivilisierten\u201c Welt m\u00f6glich sind. Du kannst sagen, der Mensch sei nun mal von Natur aus schlecht. Oder du begreifst, dass dir dein Schicksal eine Erkenntnisf\u00e4higkeit mitgegeben hat, mit der du menschliche Natur auch pers\u00f6nlich ein ganz wenig zum vern\u00fcnftig Besseren kultivieren kannst. Und dann hast du die verdammte Verantwortung, deine intellektuellen und emotionalen F\u00e4higkeiten entsprechend zu nutzen. Es geht jedoch nicht um Literatur als Moralpredigt. Schon ein lyrischer Tropfen h\u00f6hlt den Stein der Barbarei. Man kann diese Verantwortungsbewusstheit nicht einer Berufsgruppe oder einem Verband aufoktroyieren. Man muss aber in den Grenzen eigener M\u00f6glichkeiten verantwortlich denken und handeln.<\/p>\n<p><em>Allgemein betrachtet: Der VS ist ja keine Autorenvereinigung, sondern ein Autorenverband. Wie grenzt sich das eine vom anderen ab, hinsichtlich des Selbstverst\u00e4ndnisses und der Aufgaben?<\/em><br \/>\nAutorenvereinigungen erf\u00fcllen viele sinnvolle Aufgaben f\u00fcr ihre Mitglieder, die ein Schriftstellerverband allein gar nicht immer leisten k\u00f6nnte. Als Berufsverband hingegen muss der VS die beruflichen Interessen aller literarischen Worturheber regional, national und international sch\u00fctzen, f\u00f6rdern und vertreten. Der Schriftstellerverband stellt relevante Informationen der gesamten Autorenschaft zur Verf\u00fcgung, z. B. im Internet \u00fcber \u201emediafon\u201c oder in Ratgebern und Newslettern, die vom Verband oder von seinen Mitglieder verbreitet werden.<br \/>\nEs gibt spezielle Leistungen, die der VS nur eigenen Mitgliedern anbietet, dazu z\u00e4hlt in erster Linie der berufliche Rechtsschutz. Er wird von j\u00fcngeren wie von arrivierten Autoren gleicherma\u00dfen in Anspruch genommen. Bei h\u00f6heren Streitwerten mit ungewissem Ausgang k\u00f6nnte sich ein Autor ohne Rechtsschutz individuell gar nicht auf eine juristische Kl\u00e4rung einlassen.<\/p>\n<p><em>Konkret: Welche Ziele hat der VS bisher erreicht, von welchen Errungenschaften profitieren wir heute<\/em>?<br \/>\nAlle lassen sich hier gar nicht aufz\u00e4hlen. Die K\u00fcnstlersozialkasse (KSK) ist eindeutig auf Betreiben des VS zustande gekommen. Und wird bis in j\u00fcngste Zeit gegen politische Angriffe verteidigt. Die VG Wort, der Deutsche Literaturfonds, herausragendste F\u00f6rdereinrichtung zeitgen\u00f6ssischer Literatur, usw. trugen und tragen die Handschrift des VS. Der Normvertrag oder die Verg\u00fctungsregelung zwischen der Verlegerseite und dem VS hat Mindeststandards geschaffen. Alle Worturheber profitieren von diesen Ergebnissen, und das ist gut so. Man muss ja nicht Mitglied im VS sein und kann von seinem Engagement trotzdem Nutzen haben. Solidarit\u00e4t buchstabiert sich allerdings anders.<\/p>\n<p><em>Dass der VS Teil der Gewerkschaft ver.di ist &#8230; freie K\u00fcnstler, die sich gewerkschaftlich organisieren; das scheint ein Widerspruch zu sein. Wie passt das zusammen?<\/em><br \/>\n(lacht) Gar nicht. Es ist ein immerw\u00e4hrender Widerspruch, Einzelk\u00e4mpfer und h\u00f6chst individuelle Geister zu einer Solidargemeinschaft zu vereinigen. Aber die in die Weimarer Republik zur\u00fcck reichende Geschichte des heutigen Schriftstellerverbands zeigt immer wieder die Notwendigkeit, dass die einzelnen K\u00fcnstler auf eine starke gewerkschaftliche Organisation angewiesen sind. Das mag zu manchen Zeiten und individuell anders empfunden werden. Historisch und im Hinblick auf die Zukunft betrachtet sehe ich kein Modell, das eine brauchbare Alternative zur gewerkschaftlichen Orientierung aufzeigt. Die M\u00f6glichkeiten des Internets, Autorenforen zum Beispiel, k\u00f6nnten k\u00fcnftig neuartige Formen der Interessenvertretung von Schriftstellern hervorbringen. Es ist noch zu fr\u00fch, konkret dar\u00fcber zu philosophieren. Vage Ideen habe ich im Hinterkopf. Auch neue Strukturen w\u00fcrden der Anbindung an eine Gewerkschaft bed\u00fcrfen.<\/p>\n<p><em>Jetzt sind wir bei der Politik. Wie politisch sollte der VS idealerweise sein, oder auch: wie unpolitisch?<\/em><br \/>\nEine sehr heikle Frage. Lassen sich Schriftsteller schon in rein berufspolitisch bezogenen sozialen und rechtlichen Fragen nicht leicht f\u00fcr einen Verband begeistern, gehen ihre Vorstellungen \u00fcber Werte und Politik vollends in unz\u00e4hlige Richtungen. Als Vorsitzender setze ich mit Kooperationen trotzdem politische Wegmarken, die weitgehend akzeptiert werden. Mit dem P.E.N., mit amnesty international, mit NGOs gibt es Zusammenarbeit, die neben literarischen auch eindeutig politische Ziele verfolgt. Da sich unsere Mitgliedschaft aus dem gesamten demokratischen Parteienspektrum re\u00fcssiert, ist der Bewegungsspielraum eingegrenzt. Es gibt gemeinsame Nenner, dass man als Schriftsteller n\u00e4mlich eine Mitverantwortung f\u00fcr die Freiheit des Worts, f\u00fcr Menscherechte, f\u00fcr humanistische Werte hat.<br \/>\nGemeinsam mit dem \u201eBundesverband junger Autorinnen und Autoren\u201c (BVjA), dem \u201eAds Autorinnen &amp; Autoren der Schweiz\u201c und der \u201eIG Autorinnen Autoren\u201c aus \u00d6sterreich hat der VS 2008 das \u201eFairlag &#8211; Aktionsb\u00fcndnis f\u00fcr faire Verlage\u201c gegr\u00fcndet, dem sich inzwischen \u00fcber 40 Schriftstellerverb\u00e4nde und literarische Institutionen aus Deutschland, \u00d6sterreich und der Schweiz angeschlossen haben. Was hat es mit diesem B\u00fcndnis auf sich?<br \/>\nEinmalig ist, dass Verb\u00e4nde und literarische Einrichtungen sich aus dem gesamten deutschsprachigen Raum zu einem B\u00fcndnis zusammengefunden haben. Das allein zeigt schon, dass es um ein brisantes Thema geht, das alle bewegt. Es gilt, einer h\u00f6chst gef\u00e4hrlichen Entwicklung energisch entgegen zu treten. Urheber haben Jahrhunderte gebraucht, um zu erreichen, dass ihre Wortsch\u00f6pfungen nicht nur einen ideellen Wert darstellen, sondern auch in barer M\u00fcnze honoriert werden. Nun kommen gewiefte Firmen auf die Idee, mit dem geistigen Eigentum von Schriftstellern ausschlie\u00dflich in die eigenen Taschen Geld zu scheffeln. So sehen Praktiken gro\u00dfer Druckkostenzuschussverlage aus. Darum werden sie auch als Pseudoverlage bezeichnet, weil sie das Verlagsprinzip auf den Kopf stellen. Eine skandal\u00f6se Entwicklung, gegen die Schriftsteller und Verb\u00e4nde schon immer gewettert haben. Mit dem Aktionsb\u00fcndnis erw\u00e4chst die Chance, schmarotzerische Kr\u00e4merseelen aus den Kulturtempeln zu jagen. Kein Bauer k\u00e4me auf die Idee, seine m\u00fchsam erarbeiteten Produkte anzubieten, wenn er f\u00fcr seine Leistung nicht bezahlt w\u00fcrde, sondern statt dessen der H\u00e4ndler von ihm noch eine Stange Geld verlangen w\u00fcrde. Das w\u00e4re hirnrissig. Was f\u00fcr die Agrikultur gilt, muss f\u00fcr die Kultur ebenso gelten.<\/p>\n<p><em>Eine letzte Frage zum VS: Wenn du in einem Satz junge Autoren \u00fcberzeugen m\u00f6chtest, Mitglied im Verband zu werden, womit w\u00fcrdest du sie motivieren?<\/em><br \/>\nPuh! Ein Roman in einem Satz? Aber es ist h\u00f6chst spannend und effizient, berufliche Zukunftsfelder gemeinsam zu bestellen.<\/p>\n<p><em>2008 hat der VS eine Zusammenarbeit mit der Pan African Writers\u2018 Association (PAWA) begonnen. Dabei bist du in Ghana gewesen. Wie ist dein Eindruck der afrikanischen Literatur? Welches dein pers\u00f6nlicher Zugang zu Afrika?<\/em><br \/>\nIn den 80er Jahren f\u00fchrte mich meine erste Reise in den Osten des Kontinents, und ich fand es reizvoll, die \u201eWiege der Menschheit\u201c kennen zu lernen. Es war eine mehrw\u00f6chige, abenteuerliche Reise, allein, auf eigene Faust. Seither habe ich einige Regionen und L\u00e4nder besucht. Ich bewundere die \u201eAndersartigkeit\u201c afrikanischer Literaturen. Ein Verst\u00e4ndnis der Welt, das in seiner Urspr\u00fcnglichkeit von unseren europ\u00e4ischen Weltanschauungen stark differiert. Und uns wunderbar bereichern kann. Auch wenn man die Vielfalt der Literaturen Afrikas (und anderer Erdteile) nur punktuell kennen lernen kann. Um so wichtiger ist der Austausch zwischen afrikanischen Schriftstellerverb\u00e4nden und ihren Mitgliedern und dem VS.<\/p>\n<p><em>Du h\u00e4ltst viele Vorlesungen. Insbesondere arbeitest du auch an und mit Schulen. Was genau tust du, und wie bist du dazu gekommen?<\/em><br \/>\nLesungen in Schulen und kreatives Schreiben mit Sch\u00fclern sind dabei meine Hauptbet\u00e4tigungsfelder. Ich arbeite gern mit Kindern und Jugendlichen. Manchmal lieber als mit Erwachsenen. Deren Eingebildetheit und Selbstherrlichkeit hat mir schon als Kind gestunken. An diesem Punkt hat sich bis heute wenig ge\u00e4ndert. Zu meinen Lieblingsb\u00fcchern z\u00e4hlen die von Janusz Korczak \u201eDas Recht des Kindes auf Achtung\u201c und \u201eWie man ein Kind lieben soll\u201c. Ein herausragender P\u00e4dagoge und Schriftsteller. Ich spreche zwar selten von Idolen. Korczak ist vorbildlich. Ihm versuche ich nachzueifern.<br \/>\nWenn man wei\u00df, an wie vielen Fronten du gleichzeitig t\u00e4tig bist, wenn man sich die Menge der Arbeit und das \u00dcberma\u00df an st\u00e4ndiger Koordination vergegenw\u00e4rtigt, die deine Arbeit verlangt, wie kommst du noch selbst dabei zum Schreiben? Muss die eigene Kreativit\u00e4t dabei zwangsl\u00e4ufig zur\u00fcckstecken? Oder ist deine Arbeit einfach eine ausreichende alternative Ausdrucksm\u00f6glichkeit?<br \/>\nMan kompensiert viel, gewiss. Und es ist ein &#8211; schwacher &#8211; Trost, dass das Zur\u00fcckstellen literarischer Kreativit\u00e4t ein st\u00e4rkeres Engagement f\u00fcr andere Werte erm\u00f6glicht. Ahnungslose meinen, man w\u00fcrde sich f\u00fcr Verbandsaufgaben so stark engagieren, weil die literarische Kreativit\u00e4t versiegt w\u00e4re. Es ist ganz anders. Man auferlegt sich manchmal Aufgaben und nur selber wei\u00df man warum. Seit meiner Jugend sammele ich, regelm\u00e4\u00dfig Tagebuch schreibend, Material. Wenn\u2018s am Ende nicht langen sollte, es selber auszuwerten, na ja &#8230; Bin nach f\u00fcnf Lebensjahrzehnten noch immer \u201eUn-GAR\u201c, wie eines meiner B\u00fccher hei\u00dft, und mag \u00fcber vielerlei Ehrgeiz des Lebens lachen.<\/p>\n<p><em>Kannst du dir vorstellen, dich in den n\u00e4chsten Jahren wieder vollkommen auf dein eigenes Schreiben zur\u00fcckzuziehen?<\/em><br \/>\nIch sehne mich danach, viel mehr ungebunden schreiben zu k\u00f6nnen. Seit 1987 mache ich ununterbrochen Vorstandsarbeit im VS, mit st\u00e4ndig wachsenden Aufgaben und Verantwortlichkeiten. Einerseits ein sinnvoller Weg, der die Erfahrungen vieler fokussiert und weiter transportiert. Andererseits halten mir Freunde vor, h\u00e4tte ich diese Energie haupts\u00e4chlich ins Schreiben investiert &#8230;, nun ja, es gibt \u201ever-r\u00fccktere\u201c Lebensentw\u00fcrfe. \u201eIch frage nicht, was ich werde. Ich werde sein.\u201c Wunderbare S\u00e4tze aus H\u00f6lderlins Hyperion. Ich bilde mir nicht ein, dass ich an solcher Genialit\u00e4t auch nur kratzen k\u00f6nnte. Aber ich hoffe, ich werde mich mit mehr Akribie und Demut als in den letzten Jahren aufs Schreiben zur\u00fcckverlegen.<br \/>\nBefreit von allen Zw\u00e4ngen des Marktes, was w\u00e4re das Buch, das du am liebsten schreiben w\u00fcrdest?<br \/>\nAch, schw\u00e4rmerisch schwingend zwischen Parallelwelten eine g\u00f6ttliche Tragikom\u00f6die anzusiedeln, die von kindlicher Lust und Frust des Seins in diesem grandiosen \u2013 uns eingebildeten Gesch\u00f6pfen noch v\u00f6llig unbekannten \u2013 Universum weinlachend erz\u00e4hlt. Wenn der Zug der Selbstzerst\u00f6rung mit uns blinden Passagieren nicht eh schon l\u00e4ngst abgefahren sein sollte. Aber klar, den Apfelbaum pflanzen, den Text seines Herzens zu Papier bringen muss man trotzdem.<\/p>\n<p><em>Und zuletzt: Welche Weisheit, welche Richtlinie, welche Empfehlung w\u00fcrdest du jungen Autoren gerne mit auf den Weg geben.<\/em><br \/>\n(lachend) Puh stellst Du schwierige Fragen! Wenn der Herzenstext nicht schon eine Antwort war, dann vielleicht so: Es ist sch\u00f6n und macht Sinn, auf diesem einsamen Weg sich mit wenigen gleich gesinnten Wanderern manchmal respektvoll auszutauschen.<\/p>\n<p><em>Lieber Imre, danke f\u00fcr das Interview!<\/em><\/p>\n<p>*Das Gespr\u00e4ch wurde f\u00fcr das Monts\u00e9gur Autorenforum gef\u00fchrt.<\/p>\n<p><strong><span class=\"text_exposed_show\">\u00a0<\/span><\/strong><\/p>\n<p><strong><span class=\"text_exposed_show\">\u25a0 Norddeutscher Rundfunk, 18.12.2018 im Kulturspiegel auf NDR1, von Gerhard Snitjer<\/span><\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.ndr.de\/ndr1niedersachsen\/podcast3048.html?fbclid=IwAR2JQGJqm9Zo1FN3gPQG_kd7hiClg72uPgO-21-SJN1pTg5kROuZZ_nzGDY\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\" data-ft=\"{&quot;tn&quot;:&quot;-U&quot;}\" data-lynx-mode=\"asynclazy\" data-lynx-uri=\"https:\/\/l.facebook.com\/l.php?u=https%3A%2F%2Fwww.ndr.de%2Fndr1niedersachsen%2Fpodcast3048.html%3Ffbclid%3DIwAR2JQGJqm9Zo1FN3gPQG_kd7hiClg72uPgO-21-SJN1pTg5kROuZZ_nzGDY&amp;h=AT2iCTDogiosMd1aKi0kXKx603sIIpmqBmMHgiwOANAE-UMP7RfZNO9PNIOCfUnTb8lQGN6fE0u8_IO_6lFjeatC_2dpc6iPlvUybOICKO6pHHTHtJdIxeY3Hf7Iu1G0GWbNYgzDljcoVwoVYFCL-vFKlRvq\">https:\/\/www.ndr.de\/ndr1niedersachsen\/podcast3048.html\u2026<\/a><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-3454 size-medium\" src=\"https:\/\/wp.pop-verlag.com\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/978-3-86356-228-1A-210x300.gif\" alt=\"\" width=\"210\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/wp.pop-verlag.com\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/978-3-86356-228-1A-210x300.gif 210w, https:\/\/wp.pop-verlag.com\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/978-3-86356-228-1A-768x1097.gif 768w, https:\/\/wp.pop-verlag.com\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/978-3-86356-228-1A-717x1024.gif 717w\" sizes=\"auto, (max-width: 210px) 100vw, 210px\" \/><\/p>\n<p>\u201eDa steckt ein ganzes epochales Gem\u00e4lde drin. Die Lebenswelt einer Familie auf einem gut funktionierenden Bauernhof in Ostpreu\u00dfen in den 30er Jahren: \u00c4cker, Tiere, Arbeit, Ger\u00e4tschaften, Essen und Trinken, Kindheit, Schulzeit, Kirchgang, Nachbarschaft, Sitten und Gebr\u00e4uche. Und \u00fcber allem die politische Lage, der Krieg, die Vertreibung. Und schlie\u00dflich die Erfahrungen der Fremdheit im Westen Deutschlands, unter anderem in<span class=\"text_exposed_show\"> Oldenburg und Vechta. Das mittlere Drittel des Buches kommt daher wie ein sachkundig gef\u00fchrter Rundgang durch ein kulturhistorisches Museum.<br \/>\nDas sprengt \u2013 ebenso wie viele weitere Elemente \u2013 die Form eines herk\u00f6mmlichen Romans.<br \/>\nDie sprunghafte Erz\u00e4hlweise des Autors, eine ausschweifende Sprache und viele gedankliche Exkurse machen es Lesern nicht leicht, beide Handlungsf\u00e4den zu verfolgen und zu sortieren; chronologisch oder geographisch. Und oft verlieren sich die zwei getrennt verlaufenden Lebensgeschichten in Details, die die Frage aufwerfen, was haben er und sie eigentlich miteinander zu tun? Es gibt eine Antwort darauf.<br \/>\nZwar ist Adam in Polen auf der Suche nach seiner Familiengeschichte, Tina in derselben Gegend auf der Suche nach einem neuen Kunstprojekt. Doch beide finden, was sie suchen. Und sie finden schlie\u00dflich auch einander. Nein nicht in einer Liebesgeschichte. Ganz anders. Aber das muss hier nicht verraten werden. Entscheidender ist: Hier hat ein Gegenwartsautor sich auf das kollektive Trauma seiner Elterngeneration eingelassen. Und auf die Erkenntnis, dass dieses Trauma auch 80 Jahre sp\u00e4ter keineswegs ausgestanden ist.\u201c<br \/>\n(Norddeutscher Rundfunk, 18.12.2018 im Kulturspiegel auf NDR1, von Gerhard Snitjer)<\/span><\/p>\n<div class=\"text_exposed_show\">\n<p>Marco Sagurna: \u201eWarmia\u201c. Roman. Prima Verba Deb\u00fctpreis 2018. Pop Epik-Reihe. Band 91. ISBN: 978-3-86356-228-1, 382 Seiten, \u20ac[D]23,50<\/p>\n<p>Link (so ab Minute 16:30 Uhr):<br \/>\n<a href=\"https:\/\/l.facebook.com\/l.php?u=https%3A%2F%2Fwww.ndr.de%2Fndr1niedersachsen%2Fpodcast3048.html%3Ffbclid%3DIwAR2acRNCvPoBx8LHbW3xXRKIcuI25Mc7ElSkHgYU73UunJjvwGIJM3LaeVM&amp;h=AT2iekcypM5OCDWR6JRhl7-M9k_mBmnEABeADBswHZzoyUGy--wxx7EX4p1g49vrqVwLEHNIWomlG9fLtVMvbbc342BtFY5W3nT_F4secfATQ5esyi6AgziQXNIhAqB6nQulYROLr5ZDENFinOMu2jwF7e0O\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\" data-ft=\"{&quot;tn&quot;:&quot;-U&quot;}\" data-lynx-mode=\"asynclazy\">https:\/\/www.ndr.de\/ndr1niedersachsen\/podcast3048.html\u2026<\/a><\/p>\n<\/div>\n<p>\u25a0 Josef Balazs. \u00abDie K\u00e4lte der Existenz in der Vertikalen\u00bb. Das \u201eN\u00fcrnberger Interview\u201c<br \/>\nELF Fragen an den Dichter Horst Samson<\/p>\n<p>In einem Fl\u00fcgel des ehemaligen Kreuzganges des Katharinen Klosters befindet sich das Zeitungs-Caf\u00e9. Hier kann man in den unterschiedlichsten Journalen bl\u00e4ttern, aber auch gute Gespr\u00e4che mit Freunden f\u00fchren. So trafen sich vor der eigentlichen Lesung der Dichter Horst Samson und Josef Balazs, der seine ELF Fragen dem Autor vorlegte. Es entspannte sich ein Dialog \u00fcber das Schreiben, \u00fcber Poesie, \u00fcber Gott und die Welt.<\/p>\n<p><em>Wenn Sie einem Au\u00dferirdischen den Begriff Lyrik bzw. Poesie erkl\u00e4ren m\u00fcssten, womit w\u00fcrden Sie anfangen &#8230; wo enden?<\/em><\/p>\n<p>Ich w\u00fcrde sagen, Poesie als Dichtung im Format der Lyrik ist der sprachlich und philosophisch konzentrierte Blick eines Menschen auf sich und die Welt, die er in seinem Hirn filtert, um herauszufinden, was sie und was ihn im Innersten zusammenh\u00e4lt. Im Unterschied zur Prosa, die unter der Invasion von Vokabeln leidet, steckt im Gedicht, wie ich es verstehe, die existentielle Quintessenz des Da-Seins. Deshalb besteht die Notwendigkeit und die Kunst der Dichtung nach meinem Verst\u00e4ndnis darin, Sprache bis zum Bersten mit Sinn aufzuladen und darin, wie in einem Samenkorn, die Sch\u00f6nheit und das Feuer, aber auch die K\u00e4lte der Existenz in der Vertikalen zu archivieren, damit die Saat der Sprache in Form von Gedanken, Bildern, Metaphern, Rhythmus, Melodik und Weiterungen aller Art immer wieder neu aufgehen kann. Das Gedicht wei\u00df \u00fcber mich mehr als ich selber. Hilde Domin hat es in ihrem legend\u00e4ren Buch \u201eDoppelinterpretationen\u201c festgeschrieben: Das Gedicht ist mehr als die Summe all seiner m\u00f6glichen Interpreta-<br \/>\ntionen. Unfassbar steckt in der Tiefe des gelungenen Gedichtes ein Rest vom Drama des menschlichen Hierseins. In jenem finsteren Verlies brennt das Leben als Licht und wirft wechselhafte Schatten an die Innenseite unserer Existenz. Emily Dickinson soll \u00fcber sich gesagt haben, dass sie in Gegenwart eines echten Gedichtes von so viel K\u00e4lte durchrieselt wird, dass kein Feuer sie mehr erw\u00e4rmen k\u00f6nne. Ich meine von mir, ein fr\u00f6hlicher Zeitgenosse zu sein, aber im Grunde, wenn ich Gedichte schreibe, daran schleife, sie k\u00fcrze, vernichte oder \u00fcberschreibe, dann gleite ich in einer andere Welt und ich lege meine Fr\u00f6hlichkeit ab wie einen Rucksack, der mich am Weiterkommen, an der Selbsterforschung meiner Sprache und Seele hindert. Vor der Ernsthaftigkeit des Seins, der Weltbetrachtung und \u2013beachtung verliere ich mitunter jede Heiterkeit und der Geist, so sah es auch Cioran, tritt als Spielverderber auf.<\/p>\n<p><em>Sind Sie ein politischer Dichter? Soll bzw. darf Poesie politisch sein?<\/em><\/p>\n<p>Dichtung ist allein schon durch ihre Existenz und gesellschaftliche Pr\u00e4senz ein Politikum. Ich bin in meinem Schreiben der Welt und mir zugewandt und reibe mich als Subjekt an den mich umgebenden, pr\u00e4genden, inspirierenden auch provozierenden Zust\u00e4nden und an der grunds\u00e4tzlichen Verfasstheit unseres Lebens. Wenn wir der Vokabel Politik nicht Agitation, Propaganda, Reklame subsummieren, dann bin ich auch ein politischer Dichter. Prof. Johann Holzer aus Innsbruck, der einen exzellenten Aufsatz \u00fcber mein Buch \u201eLa Victoire. Ein Poem\u201c geschrieben hat, ein gro\u00dfes poetisches, aber auch ein dezidiert politisches Buch, bringt in diesem Zusammenhang unter anderem Heinrich Heines \u201eDeutschland. Ein Winterm\u00e4rchen\u201c ins Spiel. Das hat mich nicht nur gefreut, sondern auch stark bewegt. Die Bewunderung f\u00fcr den Meister des politischen Gedichtes versuchte ich ja nicht von ungef\u00e4hr auch schon im Titel meines Buches anklingen zu lassen: \u201eEin Poem\u201c. Zur Frage also, ob Poesie politisch sein d\u00fcrfe, ein eindeutiges Ja,. Warum auch nicht? Es sollte aber nicht plakativ, billig oder flach sein, etwa wie das von G\u00fcnter als Gedicht deklarierte agitatorische Pamphlet \u201eWas gesagt werden muss\u201c. Trotz des Agitprop aber bleibt g\u00fcltig: Ein Gedicht darf alles, es ist frei, frei zu sein, wie es ist. Alles andere ist nachrangig.<br \/>\nW\u00fcrden Sie sich als einen toleranten Menschen bezeichnen? Haben Sie eine Toleranzgrenze?<br \/>\nIch versuche es, tolerant zu sein. Gegen\u00fcber Intoleranz aber f\u00e4llt mir das schwer. Ich bin nicht Jesus und habe selbstverst\u00e4ndlich eine Toleranzgrenze, also die zweite Backe, die halte ich nicht hin. Ich habe so gut wie immer eine eigene Meinung, vielleicht nicht immer die richtige. Aber meine Meinung halte ich hoch und versuche sie auch durchzusetzen, bin also f\u00fcrwahr kein Weiser, der in sich ruht und allem zustimmt, weil er sich mit nichts identifiziert.<\/p>\n<p><em>Haben Sie versucht denen zu verzeihen, die Ihnen Schlechtes wollten?<\/em><\/p>\n<p>Ja, ich habe es versucht. Meinem ehemaligen Redaktionskollegen und ehemaligen Freund Franz Thomas Schleich, der unter dem Decknamen \u201eVoicu\u201c als krimineller Verr\u00e4ter f\u00fcr die Securitate, den ber\u00fcchtigten rum\u00e4nischen Geheimdienst, Berichte geschrieben hat, die mich f\u00fcr Jahrzehnte ins Gef\u00e4ngnis h\u00e4tten bringen k\u00f6nnen, wollte ich verzeihen. Obwohl er sogar als er schon in Deutschland lebte, mich noch immer bei der Securitate verpfiffen und angeschw\u00e4rzt hat. Das ist unglaublich, aber wahr. Andererseits schickte er mir nach Temeswar Ansichtskarten und herzliche Gr\u00fc\u00dfe, unter anderem aus dem Urlaub in Griechenland, um mich gleich danach wieder zu verraten. Ich verstehe das bis heute nicht, ein vielleicht krankhafter Trieb. Nachdem ich 2009, wegen der vom \u201eInstitut f\u00fcr deutsche Kultur und Geschichte S\u00fcdosteuropas\u201c an der Ludwig-Maximilians-Universit\u00e4t M\u00fcnchen organisierten internationalen Tagung \u201eDeutsche Literatur in Rum\u00e4nien im Spiegel und Zerrspiegel der Securitate-Akten\u201c meine nahezu tausendseitige Akte eingesehen habe und ihn als \u201eVoicu\u201c aufgrund der mir zugedachten Widmungen in seinen Gedichtb\u00e4nden identifizieren konnte, schrieb ich ihm \u2013 nach einigem Z\u00f6gern, weil ich mich wegen seines Verrats sch\u00e4mte, einen Brief, keine E-Mail, ich schrieb ihm einen Brief und teilte ihm mit, dass ich ihn als \u201eVoicu\u201c identifiziert habe. Im n\u00e4chsten Satz bot ich ihm an, den Verrat zu verzeihen, da es lange her sei und letztendlich, bei aller durchgestandenen Angst, gut ausgegangen ist. Ich wollte aber im Gegenzug von ihm wissen, mit ihm dar\u00fcber reden, warum er es getan hat, wieso? Seine Antwort bestand in einer E-Mail mit evasiven S\u00e4tzen und nebul\u00f6sen Ausfl\u00fcchten. Darauf antwortete ich ihm, ebenfalls per E-Mail, dass ich entt\u00e4uscht bin dar\u00fcber, dass er sich dem offenen Gespr\u00e4ch entziehe und mich wieder einmal verrate, mich mit meinen Fragen und Problemen allein lasse. Das war dann das Ende unserer Freundschaft.<\/p>\n<p><em>Welcher der zwei Begriffe ist Ihnen n\u00e4her: Heimat oder Vaterland? Oder vielleicht Vaterl\u00e4nder?<\/em><\/p>\n<p>Beides sind Begriffe, die in meiner Dichtung Bedeutung haben. Heimat ist mir der wichtigere als das gro\u00dfe Vaterland, obwohl ich in einem Gedicht geschrieben habe: \u201eHeimat ist \/ ein sehr kleines Land\u201c. Ich habe aber auch den Satz von Emil Cioran im Ohr, \u201eLeben hei\u00dft Boden verlieren\u201c aus seinem Buch \u201eVom Nachteil, geboren zu sein\u201c. Und w\u00fcrde dem auf jeden Fall hinzuf\u00fcgen: Aber Leben hei\u00dft auch Sprache finden. Und f\u00fcr mich als Dichter bedeutet das Landgewinn. Ins Popul\u00e4rwissenschaftliche verschoben: Eine T\u00fcr f\u00e4llt zu, eine andere \u00f6ffnet sich, und zwar zu einem Raum, aber einem Raum mit einem Fenster mehr. Darin liegt die Erkenntnis, die Magie und der Gewinn des Scheiterns.<\/p>\n<p><em>Sind Sie der Meinung, dass Sie Humor haben? Wor\u00fcber k\u00f6nnen Sie lachen?<\/em><\/p>\n<p>Ich lache gerne, auch \u00fcber mich, ich kann buchst\u00e4blich Tr\u00e4nen lachen. Selbst in den Tagen der Emigration blieb meine Fr\u00f6hlichkeit nicht an den zur\u00fcckgelassenen Gr\u00e4bern oder den verlorenen Habseligkeiten h\u00e4ngen. Meine Schreibmaschine hat mir der Offizier an der Grenze abgenommen, aber gegen meine Erinnerungen war er machtlos. Die hat er nicht gefunden. Ich nahm sie alle unbefingert mit ins Exil. So war ich selbst dort, also da, nicht allein, als mich die CIA im N\u00fcrnberger Durchgangslager Dutzendteich Tage lang mit Fragen l\u00f6cherte und drangsalierte, in jenen Tagen des Ankommens, was im Prinzip ein Euphemismus und rein physisch zu verstehen ist, weil das Ankommen viel, viel l\u00e4nger gedauert hat, vielleicht sogar heute fortdauert. Jede Flucht, schrieb ich mal, hat einen Anfang, aber kein Ende. Das ist meine Erfahrung. Auch dar\u00fcber schreibe ich. Wieder und wieder. Ich bin von mir \u00fcberzeugt, dass ich auch Humor habe. Sogar im Gedicht. In \u201eBewerbung um die vakante Stelle im Pelagos-Projekt\u201c, mein 2007 von der \u201eGesellschaft zum Schutz der Delfine\u201c als \u201eBestes Delfingedicht\u201c preisgekr\u00f6ntes Werk, ist mehr als nur der Beweis daf\u00fcr.<br \/>\n<em>Alles preisgeben. Das Gegenteil w\u00e4re das Geheimnis. Lieben sie das Geheimnis?<\/em><br \/>\nIch k\u00f6nnte jetzt antworten, ich liebe meine Frau. Aber Geheimnisse sind nicht so ganz meine Sache, obwohl man manchmal gar nicht drum herum kommt, welche zu haben oder sogar zu h\u00fcten. Ich bin gerne ein offener Mensch mit offenen Ansichten und offenem Visier.<br \/>\nHaben Sie einen gewissen Lyrik-Leser vor sich, wenn Sie Ihre Texte schreiben?<br \/>\nJa, das habe ich, und zwar einzig und allein mich selber!<br \/>\nHaben Sie Angst nicht gelesen zu werden?<br \/>\nAngst ist das falsche Wort. Aber ich bedauere es, dass nicht die ganze Welt meine Gedichte liest und kennt, denn es ist Weltliteratur. Daf\u00fcr lege ich die Hand und den Verstand ins Feuer. Ich habe einige verl\u00e4ssliche Freunde, die mir helfen, da und dort mit Gedichten anzukommen, aber ich habe keine Lobby, die mir hilft, gro\u00df bekannt zu werden. Und mit dem Pop Verlag habe ich auch nur einen klitzekleinen Ein-Mann-Verlag im R\u00fccken, der finanziell keinen einzigen Sprung machen kann. Wichtige Institutionen, wie zum Beispiel das Lyrik-Kabinett in M\u00fcnchen, laden mich nicht ein. Fragen Sie mich nicht warum, ich wei\u00df es nicht. Vielleicht interessiert man sich dort nur f\u00fcr eine bestimmte Lyrik, von bestimmten Dichtern, bestimmten Verlagen. Ich habe keine Ahnung, wie der Betrieb in Wahrheit funktioniert. Ich stehe au\u00dferhalb dieses Lyrik- und Literaturhausbetriebes, ein Steppenwolf aus der fernen B\u0103r\u0103gansteppe, wo mich die Welt zum ersten Mal sah \u2013 ein literarischer Einzelg\u00e4nger, ein Fremder im eigenen Satz.<\/p>\n<p><em>Der Schweizer Schriftsteller Max Frisch hat in seinen Tageb\u00fcchern themenbezogene Frageb\u00f6gen formuliert; darunter auch die Bereiche Heimat, Freundschaft, Tod. (Das sind drei wichtige Themen, die auch in Ihrer Lyrik vorkommen.) Eine seiner Fragen lautet: halten Sie sich f\u00fcr einen guten Freund? Oder: haben Sie Freunde unter den Toten? Wir erg\u00e4nzen: Spielt Freundschaft in Ihrem Leben eine Rolle? Haben Sie Freunde im Laufe der Jahre verloren?<\/em><\/p>\n<p>Ich habe Freunde unter den Toten, Rolf Bossert, Petre Stoica, Nikolaus Berwanger, aber \u2013 Gott sei Dank \u2013 auch unter den Lebenden. Gute Freunde, die mir wichtig sind, Andreas Saurer, Johann Lippet, Theodor Vasilache, Traian Pop, Marie-Elisabeth L\u00fcdde und einige andere noch. Es ist wie im richtigen Leben, du verlierst auch mal alte Freunde, zum Beispiel die nobelierte Herta M\u00fcller, und du findest neue Freunde, zum Beispiel Katharina Kilzer, manchmal aber auch die alten Freunde wieder, zum Beispiel Richard Wagner. Das ist der Lauf der Dinge, der Welt und der br\u00fcchigen Freundschaft.<br \/>\nIhr letzter Gedichtband \u201eDas Imagin\u00e4re und unsere Anwesenheit darin\u201c ist 2014 erschienen. Wann k\u00f6nnen Ihre Leser mit einem neuen Gedicht-Band rechnen?<br \/>\nIch habe 2013 \u201eKein Schweigen bleibt ungeh\u00f6rt\u201c ver\u00f6ffentlicht, ein Gedichtband, den die Literaturgesellschaft Hessen ausgezeichnet hat, und 2014 den erw\u00e4hnten Band \u201eDas Imagin\u00e4re und unsere Anwesenheit darin\u201c herausgebracht. Ich habe noch viele Gedichte in der Schublade. Und ich schreibe ab und zu auch neue Gedichte, bearbeite alte oder beuge mich \u00fcber einen der Schachteln f\u00fcllenden Zettel mit Notizen f\u00fcr Gedichte. \u201eIn der Sprache brennt noch Licht\u201c habe ich als Arbeitstitel vor mir und das Motto steht, es stammt aus der zehnten Tafel des Gilgamesch-Epos und lautet: \u00abGilgamesch, wohin l\u00e4ufst du? \/ Das Leben, das du suchst, wirst du sicher nicht finden!\u00ab<\/p>\n<p><em>Lieber Horst Samson, wir danken f\u00fcr das Gespr\u00e4ch und w\u00fcnschen, dass in ihrer Sprache, in ihren Versen noch lange Licht brenne!<\/em><\/p>\n<p>\u25a0 <strong>Barbara <a href=\"https:\/\/wp.pop-verlag.com\/?page_id=979\">Zeizinger<\/a>. Gespr\u00e4ch mit <a href=\"https:\/\/wp.pop-verlag.com\/?page_id=2274\">Bernd Kebelmann<\/a> \u00fcber sein Buch Blind Date mit \u00c4gypten<\/strong><\/p>\n<p><em>Wir sprechen \u00fcber deinen Reiseroman \u00bb<a href=\"https:\/\/wp.pop-verlag.com\/?p=2269\">Blind Date mit \u00c4gypten<\/a>\u00ab. Er beschreibt eine vierzehnt\u00e4gige Gruppenreise durch das Land, und die einzelnen Kapitel entsprechen dem Verlauf der Reise. Schildere doch bitte, inwiefern das Buch ein Reisebericht und inwiefern es ein Roman ist.<\/em><\/p>\n<p>Ein Reisebericht, wenn er seinen Zweck erf\u00fcllen soll, w\u00fcrde sich an Fakten halten, den Blick von au\u00dfen auf Land und Leute, Architektur und Geschichte bedienen. Ich denke, in meinem Buch geschieht das Gegenteil: der Autor als Entdecker setzt sich ins Flugzeug und wei\u00df so gut wie nichts \u00fcber sein Reiseziel, abgesehen vom Schulwissen \u00fcber die Pharaonen. Doch die Eindr\u00fccke sind so stark, \u00fcberraschend und \u00fcberw\u00e4ltigend, dass sich eine v\u00f6llig neue Welt vor dem Leser erschlie\u00dft, \u201egesehen\u201c mit den Augen des Autors, ich sollte sagen: geh\u00f6rt, ertastet, gerochen. Die Perspektive \u00e4ndert sich st\u00e4ndig, der Autor selbst entwickelt sich mehr und mehr zum Kenner, Liebhaber und Genie\u00dfer \u2013 wenn das kein Roman ist!<\/p>\n<p><em>Was hat dich bewogen, \u00fcber diese Reise ein Buch zu schreiben? Hast du die Reise mit dem Ziel angetreten, ein Buch dar\u00fcber zu schreiben oder hast du dich erst in \u00c4gypten dazu entschlossen?<\/em><\/p>\n<p>Ich h\u00e4tte mich nie getraut, vor der Reise daran zu denken; mein Wissen wuchs erst mit der Reise und mit den Recherchen, die ich vor allen Dingen nach der Reise begonnen habe, abgesehen von ein paar B\u00fcchern, die uns zum Lesen empfohlen wurden, wie Nagib Machfus, z. B. Die Kinder unseres Viertels, etc.<\/p>\n<p><em>Aus deinen Beschreibungen spricht eine gewisse Begeisterung f\u00fcr das Land. Was hat dich an \u00c4gypten am meisten fasziniert?<\/em><\/p>\n<p><em>Das sehr lebendige, laute und sehr orientalische Alltagsleben, verbunden mit dem Erleben von viertausend Jahren Geschichte, nicht einer, sondern von drei Religionen, deren Erz\u00e4hlungen, Architekturen, von den Pyramiden \u00fcber syrische W\u00fcstenkl\u00f6ster und koptische Kirchenbauten, von alt\u00e4gyptischen Tempeln bis zu \u201emodernen\u201c Moscheen. Es ist die Mischung der langen Geschichte mit dem quirligen Alltag von heute, der faszinierend bleibt, aber auch anstrengend ist.<\/em><br \/>\n<em>Warum hast du den Titel \u00bbBlind Date\u00ab gew\u00e4hlt. Ist er so doppeldeutig gemeint, wie ich ihn aufgefasst habe? <\/em><\/p>\n<p>Es gab andere Titelideen, die mehr auf den Inhalt des Buches abstellen, z. B. \u201eVier Reiche von dieser Welt\u201c, gemeint sind die drei gro\u00dfen Religionen, die hier praktiziert worden sind und werden, das vierte \u201eReich\u201c ist jenes der Armut, das wohl auch \u00e4lter ist als wir meinen, aber es ist pr\u00e4sent. Der jetzige Titel ist nat\u00fcrlich doppeldeutig, aber das \u00bbDate\u00ab im Sinne von einem Rendezvous meint die nahe, unmittelbare Begegnung mit den \u00c4gyptern selbst, sehr r\u00fccksichtsvoll, aber laut, aufdringlich, aber schlau, gesch\u00e4ftst\u00fcchtig, aber liebensw\u00fcrdig; man muss sie m\u00f6gen und auf der Hut sein. Soviel kann man, glaube ich, nicht nach jedem \u00bbDate\u00ab heutiger Art von seinem Partner sagen.<\/p>\n<p><em>An deinem Roman haben mir besonders die sehr poetischen Bilder gefallen, mit denen du Stimmungen beschreibst. Oft ist dabei vom Nil die Rede, von den Farben des Lichts, von der Sonne. Ich habe mich dabei gefragt, wie das ein blinder Autor macht, diese Wahrnehmungen einzufangen<\/em>.<\/p>\n<p>Ich bin erst mit Mitte Drei\u00dfig soweit erblindet, dass ich darauf verzichten musste, Farben und Formen wahrzunehmen, und es war ein Prozess, der bis heute dauert. So gesehen, habe ich viel von der Welt gesehen, kann Farben erinnern und denke nicht daran, mich in der Beziehung selbst zu beschr\u00e4nken. Bei vielen meiner B\u00fccher spielt die Blindheit auch keinerlei Rolle. Im \u00c4gyptenbuch geh\u00f6rt sie dazu, als Perspektive und Ausgangspunkt f\u00fcr eine ganz besondere, einmalige Erfahrung, die man eben nur aus der N\u00e4he, mit H\u00e4nden begreifend, \u00fcberhaupt machen kann.<\/p>\n<p><em>Andere Stellen, die mich ber\u00fchrt haben, sind die, in denen du beschreibst, wie du dich durch Abtasten den Dingen, beispielsweise Hieroglyphen, n\u00e4herst. Ist es ein bisschen so, wie du sagts, als w\u00fcrde man Brailleschrift lesen?<\/em><\/p>\n<p>Die Frage ist praktisch beantwortet, wobei das Beispiel der Brailleschrift insofern stimmt, da diese Schrift einen hohen \u00e4sthetischen Anspruch hat und erf\u00fcllt. Sie hat grafische Qualit\u00e4ten, die auch Sehende manchmal zu sch\u00e4tzen wissen. Es gibt bildende K\u00fcnstler, die diese Schrift als Sujet benutzen. Als Blinder gilt dies umgekehrt: ein Schriftzeichen, das man im Grunde nicht tasten, sondern \u201enur\u201c begreifen kann, ist ein Symbol f\u00fcr so vieles, hat seine Bedeutung, seine Geschichte, hat ein Alter von zigtausend Jahren, ist ein feines kleines Kunstwerk, jedes einzelne, jedes f\u00fcr sich.<\/p>\n<p><em>Du hast jedem Kapitel ein Haiku vorangestellt. Habe ich das richtig gesehen, dass du damit jeweils das folgende Kapitel reflektierst oder kommentierst?<\/em><\/p>\n<p>Ja, ich versuche es. Aber auch hier geht es um die strenge Form, die vorgegeben ist. Darin \u00e4hnelt es eben wiederum auch den Hieroglyphen. Haiku haben ja einen profanen Ursprung, die Minne der Japaner aus ihrem Mittelalter, Hieroglyphen sind, waren \u00bbheilige Texte\u00ab; meine Dreizeiler zu Beginn der Kapitel m\u00f6chten dazwischen vermitteln.<\/p>\n<p><em>Du beschreibst auch witzige Situationen und Verhaltensweisen von deinen Reisebegleitern. Ich nehme an, das ist eine Mischung von Dichtung und Wahrheit. Oder?<\/em><\/p>\n<p>Dies ist ein Roman, und die Frage, wie weit er den Ablauf jedes einzelnen Tages, jeden Satz, das Verhalten der Reisenden wahrheitsgem\u00e4\u00df beschreibt, ist im Grunde m\u00fc\u00dfig. Es geht darum, meine Reisebegleiter so lebendig und abwechslungsreich wie m\u00f6glich, aber auch realistisch, charaktervoll ins Bild zu setzen, Abwechslung hineinzubringen; dabei steht die Frage nach dem Protokoll ganz am Schluss.<\/p>\n<p><em>Das Buch enth\u00e4lt eine F\u00fclle von Informationen, die in einem ausf\u00fchrlichen Anhang noch weiter erkl\u00e4rt werden. Falls jemand eine \u00c4gyptenreise plant, sollte er deiner Meinung nach \u00bbBlind Date mit \u00c4gypten\u00ab vor oder nach der Reise lesen?<\/em><\/p>\n<p>Das ist Geschmackssache. Ich w\u00e4re schon zufrieden, wenn das Buch als Anregung dient, auf dieses Land, eines der wenigen, das Menschheits- und Zivilisationsgeschichte in sich vereint, neugierig zu machen. Ganz bequeme oder \u00e4ngstliche Leute m\u00f6gen es als Reiseersatz, stellvertretend f\u00fcr eine Reise lesen, die heute noch etwas unsicherer als zu meiner Zeit werden k\u00f6nnte, mutige Leute m\u00f6gen sich nach dem Lesen erst recht auf den Weg machen. An dieser Stelle ist wichtig zu sagen, dass es immer und \u00fcberall auf eine gute, kompetente und wissende Reisebegleitung ankommt; mit Karla M. und Mustafa waren wir auf unserer Fahrt dabei mehr als verw\u00f6hnt! Noch einmal ausdr\u00fccklich mein Dank!<\/p>\n<p><em>Zum Ende unseres Gespr\u00e4chs noch ein Zitat von Aldous Huxley: \u00bbReisen bedeutet herauszufinden, dass alle Unrecht haben mit dem, was sie \u00fcber andere L\u00e4nder denken.\u00ab W\u00fcrdest du mit Blick auf deine Reise, diesem Zitat zustimmen?<\/em><\/p>\n<p>Es kommt darauf an, welchen Quellen das Denken \u00fcber andere L\u00e4nder entstammt. Wir w\u00fcssten auch heute sehr wenig \u00fcber diese Welt, wollten wir nur das akzeptieren, was wir uns selber erreisen k\u00f6nnen. Aber das Wissen im Sinne von \u00fcberzeugt sein, ist nur durch Reisen zu vermehren. Das Denken, Nachdenken \u00fcber ein Land bleibt weit dahinter zur\u00fcck.<\/p>\n<p><em>Bernd, vielen Dank f\u00fcr das Gespr\u00e4ch.<\/em><\/p>\n<h5 class=\"post-title entry-title\"><a href=\"http:\/\/interviews-mit-autoren.blogspot.de\/2017\/07\/helga-konig-im-gesprach-mit-dem.html\">\u25a0 Helga K\u00f6nig im Gespr\u00e4ch mit dem Schriftsteller Imre T\u00f6r\u00f6k \u00fcber seinen Roman \u201eDie K\u00f6nigin von \u00c4gypten in Berlin\u201c<\/a><\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u25a0 Biografie und Literatur. 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